Thorwal Standard

Ausgabe PER 29 Hal

Thorwal, werde !

Das Frühjahrshjalding ist beendet und, bei Swafnir, es weist uns den Weg in die Zukunft.

Kaum einer der Hetleute, Jarle, Thane und Geweihten hatte es sich nehmen lassen, auf diesem großen Ereignis, das schon seit Wochen in aller Munde ist, aufzukreuzen. Sechs volle Tage und Nächte war man zusammen gekommen, um über Thorwal und seine Geschicke zu reden. Und es wurde geredet, das wohl! Geredet und gestritten, geflucht und beschworen und auch ein wenig gerauft, aber das wirklich nur ein bißchen. Dazwischen wurde nach guter Vorfahren Sitte natürlich auch gefeiert und das nicht zu knapp.

Nach den sechs Tagen war es dann raus: Es wird sich etwas ändern im Lande Thorwal.

Beschlossene Sache ist die gemeinsame thorwalsche Flotte, deren Aufbau jetzt mit vollen Segeln in Angriff genommen werden soll. Vornehmlich Schiffe des neuen Typs "Winddrache" sollen das Rückgrat bilden.

Die größeren Schiffe, Waldrachen oder auch "Krakenfresser" geheißen, sind noch nicht ausreichend erprobt. Aber unsere braven thorwalschen Schiffsbauer werden die Hände nicht in den Schoß legen, das wohl!

Das Hjalding wählte Carla Töntisdottir zur Flottenkommandeurin.

Das Geld für die Flotte soll aus einer thorwalweiten Kopfsteuer fließen, die Tronde beantragt und die der Hjalding gewährt hat - 1 Goldstück pro Kopf und Götterlauf.

Leicht fiel dem Hjalding die Entscheidung nicht, geredet und gestritten wurde ordentlich, und nicht immer ging es dabei fein und politisch zu, wie man im Mittelreich sagen würde. Vor und auch nach der Abstimmung gab es heftige Proteste und einige Jarls wollte nicht von der Sitte lassen, ihren Argumenten mit dem Axtkopf nachzuhelfen. Als die Steuer beschlossene Sache war, ging für das Häufchen Gegner die Welt unter, für die jubeldende Mehrheit aber war dies der Beginn des modernen neuen geeinten Thorwals.

Tronde wurde auch ermächtigt gegen Steuersünder vorzugehen, was einige dazu veranlaßte, dem Hetmann allen Ernstes zu drohen, er solle nur kommen und versuchen, seinen Schandpfennig einzutreiben.

Das wiederum brachte die Anhänger Trondes auf den Plan und sie sparten nicht mit Gesten der Verachtung.

In dieser erhitzten Stimmung wurde Trondes zweiter Antrag nach einer Rudersteuer vorgetragen. Dem Hjalding drohte ein vorzeitiges Ende. Insbesondere die Traditionsottajaskos aus dem Norden liefen Sturm. Und diesmal fanden sie auch breite Unterstützung durch Hetleute aus dem Süden. Tronde sah ein, daß er keine Mehrheit zusammenbringen würde und zog das Ansinnen zurück. Er sagte zu, den Antrag bis zum nächsten Hjalding grundlegend zu überarbeiten. So war die Kuh einstweilen vom Eis und die Traditionalisten beruhigten sich ob ihres Sieges wieder.

Der Antrag des Hetmanns von Thorwal, mit den Nostrianern Verhandlungen über den gesicherten Holzhandel via Salzahaven zu führen, fand keine Mehrheit. Es hätte nicht viel gefehlt und der größte Teil der Hetleute hätte gar für Krieg gestimmt.

Doch Tronde konnte sie überzeugen, erst einmal bis zum Herbst abzuwarten, weil die letzten Lieferungen Salzahaven anstandslos passiert hatten. Allerdings waren das auch Holzfuhren aus Nostria und nicht aus Andergast.

Es bleibt abzuwarten, ob die Nostrianer allen Ernstes auf die Unterstützung der Stutzer aus dem Lieblichen Feld zählen und es wagen, sich weiter mit Schikanen dem freien Handel Thorwals entgegen zu stellen.

Wenn die Nostrianer es tatsächlich weiter so bunt treiben, dann Obacht, Salzarelenschänder. Nochmals könnt ihr nicht mit der Milde Thorwals rechnen. Dann sollt ihr mal wieder am eigenen Fell spüren, was es heißt, wenn der Zorn von Swafnirs Kindern über euch kommt.


Kapern wir jetzt auch schon Holz?

Bericht von Jasson Hetfjeld

Das wir ja immer Ärger mit diesem nostrianischen Schweinebäuchen wegen dem Holz aus dem Steicheichenwald haben, wissen ja bestimmt schon alle; von wegen, daß die nicht mehr liefern wollen und so.

Und sagen warum, tun die auch nicht.

Daß wir zum Bau von neuen Drachenschiffen ja immer ein paar Baumstämme brauchen, ist nicht neu, vor allem jetzt, wo der Tronde ja richtig Wind macht mit seinem Hetmanplan. Doch scheinbar hat das einige von uns dazu gebracht, Holz mit zunehmen, wenn man sich auf’nem anderen Schiff mal umsieht.

In Kendrar läuft ein nostrianischer Kapitän namens Kasperbald Lixne herum, der im Phex mit seiner und einer weiteren Kogge an die 200 Quader Steineiche nach Grangor transportieren sollte. Und der hat einiges darüber zu erzählen, wie manche von uns an Holz kommen tun. Der erzählt jetzt, daß, als sich seine beiden Schiffe auf der Höhe von Kendrar befanden, plötzlich vier Drachenboote am Horizont auftauchten, gefolgt von einer Knorre. Als er sich schon beinahe in Sicherheit wähnte (der Dumpfschädel! - die Red.), weil die Drachen einen anderen Kurs angelegt hatten, drehte eines der Schiffe jäh und ging auf Abfangkurs. Wenige Augenblicke haben das die restlichen Ottas der ersten nachgemacht, während die Knorre aus sicherer Entfernung mit Rotzenfeuer auf die Takelage begann. Kasperbald hat dann sofort seiner Mannschaft ein paar Entermesser in die Hand gedrückt, genauso wie der Kapitän der anderen Kogge.

Unsere Jungs und Mädels, scheinbar die von der Einkaufsfahrt, die ja eigentlich erst unten bei den Güldenländern “einkaufen” gehen wollten, haben mit ihrem Enterangriff angefangen, in dem jeweils zwei ihrer Schiffe ein nostrianisches Schiff in die Zange nahmen, um gleichzeitig von Back- und Steuerbord loszulegen und den Weicheiern zu zeigen, was eine thorwalsche Kneifzange ist.

Wenn Linxe das erzählt, klingt das so: “Unsere Kogge stand wohl unter dem Schutz von Efferd und Phex, denn die Thorwaler Raufbolde, die uns attackierten, waren nur auf einen guten Kampf aus, weshalb es kaum ernsthaft Verletzte unter meiner Mannschaft gab.

Doch diesem Weib, das mit ihresgleichen auf der “Tommel” wütete, stand der Sinn wohl nach Schmerz und Tod, denn die Bande ließ brutal und blutberauscht die Äxte kreisen. Dem Kapitän der “Tommel” blieb nichts anderes übrig als zu kapitulieren und auch wir sahen uns gezwungen, unser schönes Schiff angesichts der Übermacht der Barbaren aufzugeben.

Doch dann gerieten die Thorwaler untereinander in Streit. Das Weib mit der Tätowierung einer erdolchten Schlange wurde von einem Hünen namens Frenjar heftigst wegen ihrer Kampfesweise kritisiert; dabei versuchten zwei Kapitäne der anderen Drachenboote die beiden zu trennen und wieder zu besänftigen. Aber wie das leider bei diesen Nord-Piraten so üblich ist, haben sie sich ziemlich schnell wieder vertragen. Die “Tommel” haben sie gleich ihrem Konvoi angegliedert und mit eigenen Leuten besetzt. Wir Überlebenden wurden gemeinsam mit dem Holz und einer Notbesatzung von 15 Thorwalern auf meine ehemalige Kogge verfrachtet und nach Kendrar überführt, wo man uns dann mit Tritten und Hieben von Bord jagte. Was sie mit Schiff und Holz angestellt haben, kann man sich ja wohl denken.”

Der Trockenschwimmer soll sich mal nicht so haben, kann froh sein, daß unsere nur auf Spaß aus waren.

Die 15 Thorwaler sind welche von den Lassirer Drachen, die erzählt haben, daß sie ja eigentlich gar nicht angreifen wollten, doch die Olgerda, die Kapitänin der “Schlangentod”, sei ohne was zu sagen direkt dahin gesegelt und da konnten die anderen halt nix tun als mitzumachen. Ob das jetzt stimmt, oder ob den Lassirer das zu peinlich war, zuzugeben, daß ihr Hetmann jetzt auch Holz kapern läßt, können wir nicht sagen. Die Kogge haben sie jedenfalls dem Tronde geschenkt, damit der daraus vernünftige Schiffe bauen kann.


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