SÖLDNER HEUTE
2. Ausgabe
DIE TEMPELSCHMAUCHER DOPPELARMBRUST IM TEST
Wie wir in der letzten Ausgabe angekündigt
haben - und wir machen keine leeren Versprechungen - bringen wir hier den Bericht über das Testschießen mit der neuen Doppelarmbrust aus dem Hause TEMPELSCHMAUCH. Wir haben unsere erfahrene Schützin Afra Boronsstachel Barcken mit der Durchführung beauftragt - hier ist ihre Meinung:
Vorab: TEMPELSCHMAUCH hat uns zwei Ausführungen der neuen Waffe zur Verfügung gestellt, die beide in der gleichen Weise getestet wurden. Die Bogen der Standardausführung sind aus gewöhnlichen Waffenstahl geschmiedet.
Das Gewicht beider Waffen liegt bei knapp 190 Unzen, beide sind hervorragend ausgewogen. Das Spannen der Bogen ließ sich bei beiden Ausführungen unter Zuhilfenahme der Erd- bzw. Mauerspieße am Schaft und mit etwas Schmalz im Arm gut ohne Hilfsmittel bewerkstelligen. Für dünnarmige Weichlinge allerdings liefert der Meister auf Wunsch auch eine Spannhilfe, will sagen einen Geißfuß, der je nach Ausführung im Stil und Verzierung passend zur Armbrust gefertigt werden kann - das aber ist auch nicht allzu billig, wie man sich denken kann.
Die Wurfleistung des Standardmodells ist etwa vergleichbar der einer gemeinen leichten Armbrust, entsprechend ist auch die Durchschlagskraft. Sowohl der klassische Koscher Armbrustbolzen als auch das neue Geschoß mit Wehrheimer Doppelter Invert-Nocke (DIN-Bolzen) werden problemlos verschossen. Das klappbare Absehen zeichnet auch bei leichter Dämmerung noch klar und sauber.
Zum Schießen: der Schloßgang ist hervorragend! Kein Verreißen des Schusses durch handgelenksbrechende Abzugsgewichte; die Nussen lösen sanft und spielfrei aus. Die Schußgenauigkeit ist gut, wie das Schußbild von sechs Bolzen auf vierzig Schritt im Einzelabschuß zeigt:
Nun zur Besonderheit: der Doppelschuß, an
wählbar durch einen gut zu erreichenden Hebel auf der rechten Kolbenseite, der - am Rande erwähnt - für Linkshänder gegen Aufpreis auch auf der linken Seite angebracht werden kann. Die stärkeren Erschütterungen in der Waffe, die vom gleichzeitigen Vorschnellen beider Bogen verursacht werden, sorgen zwar für eine etwas höhere Streuung; die Leistung ist aber immer noch gut - Schußbild dreier Doppelschüsse auf vierzig Schritt:
Und nun zum Zuckerchen: die teurere Aus
führung, erkennbar an zwei kleinen Luchsköpfen, die auf der linken Innenseite der Bogen eingraviert sind; eine Marotte des Meisters, der diese Ausführung darum auch De Luchs nennt. Seis drum. Für diese Ausführung gilt genau dasselbe wie für das Standardmodell - bis auf die kleine Sensation, daß hier die Bogen aus Maraskanstahl gefertigt wurden, was bei gleichem Gewicht eine deutlich höhere Durchschlagskraft bringt, die sogar über der einer gewöhnlichen leichten Armbust liegt. Hier zum Vergleich je ein Schuß mit der einfachen und der De Luchs-Ausführung auf dreißig Schritt; Ziel war jeweils ein gewöhnlicher Brustharnisch.
Standard De Luchs
Klar, daß solche Qualität sich auch im Preis niederschlägt - die Auflistung von Wurfleistungen und Preisen folgt am Ende des Berichts. Auch was Verzierungen angeht, ist alles möglich: Schnitzereien, Monogramme, Einlegearbeiten aus Hirschhorn, Bein, Mohagoni oder Mammuton, je nach Geschmack und Geldsäckel. Und wer Zeit hat und das nötige Kleingeld investieren will, der kann auch - so er dem Meister sympathisch ist - aus Zwergenstahl geschmiedete Bogen bestellen, die zwar noch nie hergestellt wurden, meiner Meinung nach die Wurfleistung aber sicherlich noch zu steigern vermögen.
Alles in allem: eine äußerst feine Waffe für die Jagd wie fürs Gefecht, die zwar - auch in der Standardausführung - nicht ganz billig ist; ihr Geld ist sie aber allemal mehr als wert!
Ganz zum Schluß liegt es mir am Herzen, mit einem Ammenmärchen aufzuräumen, das auch über diese Waffe, neu wie sie ist, schon im Umlauf ist: es ist NICHT möglich, mit einem Doppelschuß zwei verschiedene Ziele zu treffen! Zwar kann der eine Bolzen durchschlagen, der zweite aber, der ja etwas tiefer auftrifft, abgelenkt werden und als Querschläger ein zweites Ziel treffen - niemals aber werde ich einem Schützen glauben, der behauptet, er könnte solche Kunststückchen willentlich vollbringen!
TEMPELSCHMAUCHer Doppelarmbrust
Ausführung TP Ge Reichweite Preis
Standard 1W+4 190 50 70 D
De Luchs 2W 190 80 ab 200 D
Geißfuß - 40 - ab 5 D
Wir können von diesem kleinen Sahnehäppchen einfach noch nicht lassen. Für die nächste Ausgabe versprechen wir zum einen die Vorstellung einer passenden Zielhilfe, die - Wunder über Wunder! - unter Verwendung von geschliffenen Gläsern und Linsen Erstaunliches zu leisten vermag und weiteres Hochendzubehör vom Geschoßsektor. Dazu hat unser Korrespondent das Magische Institut bzw. die Lehranstalt vom Ei des Drachen zu Yash Hualayin Khunchom besucht. Mehr verraten wir nicht; man muß ja seiner Leserschaft auch die Lefzen fädig triefend halten, nicht wahr?
irdisch:
Da beim Doppelschuß durch die stärkere Erschütterung die Trefferleistung leiden kann, gilt: Probe um zwei erschwert, Treffer 2 x 1W+4 bzw. 2 x 2W.
Wenn im Kampf beide Bogen gespannt werden müssen, so dauert das - natürlich - doppelt so lange wie bei einer gewöhnlichen Armbrust. Ein Spannen der Bogen ohne Geißfuß ist nur bei einer KK von 15 oder mehr möglich, vor dem Spannen muß eine KK-Probe abgelegt werden.
Da wir schon beim Thema TEMPEL SCHMAUCH sind: wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Meister Ragroschox, Sohn des Xaksch gesprochen und ein Portrait von ihm an seinem Arbeitsplatz anfertigen lassen.
Söldner Heute: Zunächst einmal, Meister, herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Auftakt.
R.S.d.X.: Danke. (trinkt Bier)
S.H.: Äh - ja. Wie läßt sich das Geschäft denn
an?
R.S.d.X.: Kann nicht klagen. Obwohls den Leuten hier oben grade nicht so gut geht, wissen sie immer noch Qualität zu schätzen - und die kriegen sie von mir zu vernünftigen Preisen. (trinkt Bier)
S.H.: Was hat Euch auf die Idee mit der Doppelarmbrust gebracht?
R.S.d.X.: Was Neues. Kein son Krampf wie der alte Eisenwalder - sechs Bolzen im Magazin, miserable Wurfleistung und beim Schießen das angroschverfluchte Gehoppel mit dem Spannhebel. Kein Wunder, daß ein paar Gneisköppe s immer wieder geschafft haben, mit sonem Ding auf zwei Schritt an nem besoffenen Oger vorbeizuschießen! Meine is besser. Um Klassen. (trinkt)
S.H.: Das leuchtet ein. Werden in Zukunft denn noch andere Neuheiten zu erwarten sein?
R.S.d.X.: Hm. Ja. Klar. (trinkt)
S.H.: Ah - zum Beispiel?
R.S.d.X.: Weiß noch nich. Geht Euch auch nix an (trinkt und rülpst). Muß jetzt wieder ann Amboß. Hab zu tun.
S.H.: Na dann- danke für die Auskünfte, Meister, und....
R.S.d.X.: Raus jetzt.
Ja, so sind sie, die Zwerge. Geschwätzig wie ein
Prellstein und so charmant wie eine eingesperrte Packratte. Trotzdem: wenn man Qualität zu einem angemessenen Preis zu schätzen weiß und nicht unbedingt Wert auf einen Etikettegrundkurs legt, ist man bei TEMPELSCHMAUCH ganz sicher in guten (wenn auch etwas groben) Händen.
Berufskolleg im Söldner heute
Zum Abschluß bringen wir eine Unterredung, die von unserem Mitarbeiter Gero Harbinger mit der renommierten Medica Freifrau Jensa von Schall und Hall geführt wurde. Die bekannte Medica ist Tochter des hochdekorierten Wehrheimer Oberstfeldmedicus Freiherr Harrondrian von Schall und Hall. Sie hat die Schlachtfeldwundenkunde somit von klein auf erlernt. Gero hat sich zu diesem Zweck nach Nordhag begeben, wo die Medica derzeit weilt und praktiziert. Das Thema wird die meisten unter uns interessieren: Rauschkraut als Hilfsmittel im Kampf - ja oder nein?
Söldner heute: Hochgeboren, die erste Frage: wie steht Ihr allgemein zum Rauschkraut?
Freifrau v.S.u.H.: Oh, zuerst: nicht Hochgeboren, bitte. Sprecht mich nur mit Freifrau an, wenns beliebt. Ja - zum Rauschkraut: ich selbst habe es bereits öfters als Absud zur Betäubung verwendet, so etwa bei Geburtsschmerzen oder beim Zahnreißen. Andererseits kommt einem immer und immer wieder zu Ohren, daß es Väter gibt, die durch ihre unselige Krautsucht ihre Familien ins Unglück stürzen. Man sieht - es kommt, wie auch bei den meisten anderen Mitteln und Tinctures, auf den Verwendungstweck an.
S.H.: Aha. Und als kraftsteigerndes Mittel im Kampf? Auch davon hört man ab und zu.
Freifrau v.S.u.H.: Nun. Es ist mit Sicherheit ausgeschlossen, durch den Genuß von Rauschkraut die Körperkraft zu erhöhen. Ich weiß, daß viele eurer Zunft vor einer Schlacht Kraut rauchen, kauen oder sich Tee bereiten. Solche Maßnahmen vermögen wohl den Mut zu steigern, in gewissen Grenzen. Auch die sensibilitas doloris...
S.H.: Die WAS?
Freifrau v.S.u.H.: ... Pardon. Das Schmerzempfinden wird herabgesetzt. Ich gebe aber zu bedenken: in aller Regel wird auch das Reaktionsvermögen vermindert, wobei gleichzeitig die Bereitschaft, Risiken einzugehen, steigt. Was noch schwerer wiegt, ist das factum - die Tatsache - daß Wunden, die im berauschten Zustand empfangen wurden, aufgrund der Erweiterung sämtlicher Blutgefäße langsamer heilen...
S.H.: Aha, aber wenn...
Freifrau v.S.u.H.: ... die Gefahr, Wundfieber zu bekommen, scheint zwar, soweit ich das sagen kann, etwas geringer zu sein...
S.H.: Ja. Und wenn...
Freifrau v.S.u.H.: ... andererseits ist belegt, daß ein solcherart präparierter Kämpe - grob geschätzt - eineinhalb mal bis doppelt so lange braucht, um sich sowohl von seinen Verletzungen als auch von seiner Erschöpfung zu erholen, als wenn er nüchtern gewesen wäre.Tja.
S.H.: Also, was wollte ich...ja. Ist Rauschkraut vor dem Kampf dann nun empfehlenswert oder nicht?
Freifrau v.S.u.H.: Sagte ich das noch nicht? Nun - diese Entscheidung muß wohl jeder für sich selbst treffen. Ich persönlich rate davon ab, zumal berauschte Patienten, ganz speziell die der kämpfenden Zünfte, solange sie noch enragiert, will sagen in Raserei, sind, recht...diffizil zu behandeln sind und dem Medicus oder Feldscher die Arbeit noch schwerer machen, als sie ohnehin schon ist. Es besteht auch immer die Möglichkeit, daß berauschte Verwundete ihren Zustand durch ungebärdiges Verhalten noch verschlimmern oder gar den Medicus, der sie behandelt, ebenfalls verletzen. Und das ist ein ganz und gar unerfreulicher Aspect dieser ... Angelegenheit.
S.H.: Freifrau, unseren ergebensten Dank für Eure lehrreichen Ausführungen, die von großem Interesse für unsere Leser sein werden.
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