Runajasko bietet der Gilde die Stirn! (TS 12)
Scharf gestaltet sich die Reaktion auf die jüngsten Anwürfe der Grauen Gilde gegen die Runajasko zu Olport.
Selbige hatte den Olportern vorgeworfen, Kapermagier auszubilden. Außerdem bekritelte man, daß die Runajasko einen hohen Anteil an elfischen Lehrmeistern unterhalte und entsprechend ausgedehnten Unterricht in elfischer Magieanwendung gäbe.
Man drohte den Olportern gar mit einem Ausschluß aus der Gilde, so sie ihr Verhalten in naher Zukunft nicht änderten. Dazu ließ die altehrwürdige Runajasko folgende Entgegnung an den Gildenrat und die Akademien grauer Prägung senden:
Werte und geehrte Collegae,
mit Verdutzung nahmen wir das Schreiben des hohen Institutes zu Punin zur Kenntnis.
Vielfach lasen wir es, mal vorwärts, mal rückwärts, wir hielten das Pergament gar gegen das Licht, um zu ergründen, ob jedewede geheime Zeichen dort zu finden seien, die uns den wahren Wortgehalt des Briefes kundtun würden. Wir unterzogen das Dokument der magischen wie alchemischen Examation und versäumten auch nicht, Kenner der Kryptographie mit der Untersuchung zu betrauen.
Indes blieben all diese Versuche vergeblich, dem Schreiben ließ sich kein anderer Gehalt entlocken, als es da schwarz auf weiß zu lesen stand.
Allen Ernstes also hat das hohe Collegium zu Punin sich erlaubt, uns, mit Verlaub die älteste graue Akademie auf aventurischem Boden, mit dermaßen haltlosen, unverständlichen und mit keinerlei Sachkenntnis behafteten Vorwürfen zu behelligen, daß man am Verstand der Verfasser geradezu zweifeln muß.
Wie kann man allen Ernstes einem angehörigen Institut der Grauen Gilde zum Vorwurf machen, sich darum zu bemühen, elfische druidische oder satuarische Magie in die Gildenmagie einzubeziehen? Nichts anderes verlangen unsere Grundstatuten.
Es verblüfft uns, daß der Gildenrat scheinbar daran erinnert werden muß.
Nicht minder gilt das für die Anwendung von Magie in der Schifffahrt. Die Absolventen der Runajasko werden seit Generationen darauf vorbereitet, ein eigenständiges Leben zu führen. Das beinhaltet auch die Fähigkeit, seinen Lebenserwerb fern vom Elfenbeinturm der Akademien zu führen. In Thorwal ginge das auch gar nicht anders, mit Verlaub.
Die Runajasko ist stolz darauf, daß ihr das in mehr als 2000 Jahren ihres Bestehens gelungen ist. Mag sein, daß man im fernen Punin anders darüber denkt, worin die Lebensaufgabe eines Magiers besteht. Wir finden nichts schlechtes daran, wenn ein Absolvent sich nicht nur auf die graue Theorie versteht, sondern seine Kenntnisse auch zum Nutzen seiner Mitmenschen anzuwenden weiß.
Im übrigen müssen wir uns schon wundern, wieso diese Kritik ausgerechnet jetzt an uns herangetragen wird. Als Absolventen unseres Institutes die Schiffsmannschaften verstärkten, die gegen B fuhren, da war von "ungildenhafter" Magieanwendung und "zu großem Einfluß elfischer Magie" nichts zu vernehmen. Im Gegenteil.
Wir wollen fürderhin annehmen, daß es sich nur um einen schlechten Scherz gehandelt hat, den der Gildenbote uns da überbrachte, und zeigen uns geneigt, die Entschuldigung Punins anzunehmen.
Sollte aber in der Tat das Collegium seine wirren Worte ernst gemeint haben, so sei es gewarnt: Olport wird eine solch anmaßende Einmischung in seine Angelegenheiten von niemandem, auch nicht vom Gildenrat, hinnehmen.
Wir wehren uns entschieden gegen jede Einmischung in unseren Lehrplan, die Zusammensetzung des Collegiums etc. pp.
Wir werden solches nicht dulden, haben dies in der Vergangenheit nicht getan, werden es gegenwärtig nicht tun und unsere Haltung auch in der Zukunft nicht ändern, komme da, was möge!
Die Runajasko denkt und handelt getreulich und verantwortungsvoll auf dem Boden der Statuten der Grauen Gilde. So war es und so wird es immer sein. Jeder Zweifel daran ist eine Beleidigung der Akademie und ihrer Angehörigen.
Wir sind uns dessen gewiß, daß die anderen renommierten Institute der Grauen Gilde sich unserem Protest anschließen und die geäußerten Vorwürfe als das zurückweisen werden, was sie sind: eine unerhörte Verleumdung und Einmischung in akademieeigene Angelegenheiten.
Solches aber kann und darf nicht geduldet werden, soll nicht die Gilde in ihren Grundfesten, in ihren Überzeugungen in Frage gestellt werden.
Uns will scheinen, Punin habe dem wenig erquicklichen wachsenden Einfluß der altreichischen Institute nachgegeben, denen womöglich die Entfaltung thorwalscher Interessen nicht zusagt. Es wirft kein gutes Bild auf die gebotene Neutralität des Gildenrates, wenn dem so ist.
Gesiegelt in Namen von Haldrunir Windweiser, Spektabilität der Runajasko zu Olport