Das Reichskanzler-Heerings-Haus, Sitz des KGIA:
Niemand - mit Ausnahme des jeweiligen Leiters dieser Institution selbstverständlich - vermag wohl zu sagen, ob all die Gerüchte über Menschen, die sang- und klanglos in den Bleikammern des KGIA verschwunden sein sollen, wirklich wahr sind. Nichtsdestotrotz werden die meisten Bürger, befragt nach dem Wirken des KGIA, beteuern, wie froh sie sind, einen solchen Garanten der Sicherheit in ihren Mauern zu wissen. Und nicht immer kann man davon ausgehen, daß schlichte Furcht die Menschen zu solchen Worten beflügelt, denn tatsächlich sieht ein Großteil der Bevölkerung das Wirken wider schwarzmagische Umtriebe und andere Reichsfeinde - nicht zuletzt in Zeiten wie diesen - als Segen - und nicht als unwillkommene Bespitzelung, wie manche Heldengruppen.
Reichsfeinde und solche von anti-zwölfgöttergefälliger Gesinnung sind es, die die Arbeit der KGIA vornehmlich zu fürchten haben, arbeitet man doch eng mit der Inquisition zusammen. Der Leiter des KGIA zu Rommilys, Brinwulf von Hergenklamm, ist mit seinen 30 offiziellen Mitarbeitern vollauf beschäftigt, die Pflichten im Dienste des Reiches zu erfüllen. Die Jagd nach Schwarzmagiern und Hexen, das Aufspüren potentieller Aufrührer, das Sammeln von Informationen jeglicher Art und vor allem die Verwaltung derselben nehmen Meister von Hergenklamm vollauf in Anspruch. Und so nimmt man bisweilen hocherfreut - wenn auch unter dem Siegel der Verschwiegenheit - die Dienste der Magier der Hellsicht-Schule in Anspruch, um allzu verbohrten Subjekten auf magische Weise auf die Schliche zu kommen.
Mit dem fürstlichen Geheimdienstes FDEA verbindet die KGIA zu Rommilys mehr denn eine gesunde Konkurrenz im Streben nach gemeinsamen Zielen. So äußert sich Brinwulf nur wenig freundlich über das Wirken der Mitarbeiter des FDEA, die, folgt man den Worten des Meisters: "nur im Wege herumstehen und alles verpatzen.
Wenig beindruckt mag man sein, wenn man vor dem schlichten, dreistöckigen Haus, Sitz des KGIA, im Pfauenweg steht. Gewiß, die beiden schwergerüsteten Wächter vor der Pforte blicken grimmig drein. Und auch die Staatsdiener in ihren kaiserlichen Roben, die dort ein und ausgehen, zeichnen sich nicht durch auffällige Freundlichkeit und Herzensgüte aus. Doch sind es wohl eher die gefürchteten Bleikammern in den Kellergewölben des Anwesens, von denen es heißt, daß es noch niemals jemandem gelungen sei, aus ihnen zu entfliehen, die einem den entsprechenden Respekt abzollen.
Man sollte nicht ausgerechnet hier die "Statuten der Gesellschaft für mehr Freiheit für das Volk (einer Gemeinschaft von Wirrköpfen, die die Demokratie fordern) zitieren.
Am Platz des Greifen, im Schatten des Praiostempels steht inmitten eines Parkes ein Gebäude, das dem Fremden auf den ersten Blick wie ein nobles Hotel vorkommen mag. Das schlangengeschmückte Tor jedoch - seltsam unpassend dieses Symbol der Hesinde im Angesicht des Götterfürsten - mag ihn stutzen lassen. Und tatsächlich handelt es sich bei diesem Anwesen um die Magierakademie, kurz Informationsinstitut zu Rommilys genannt. Mindestens drei weißgewandete Wächter patrouillieren zu jeder Tag- und Nachtstunde vor dem schmiedeeisernen Portal, doch handelt es sich dabei nicht etwa, wie oft fälschlicherweise angenommen, um von der Akademie bestallte Gardisten - welche Akademie würde auch auf die merkwürdige und rufschädigende Idee kommen, ihren Frieden durch Schwerter bewachen zu lassen-, sondern vielmehr um Reisige der Inquisition - Zugeständnis an die Praioskirche. Man fragt sich denn auch, was die finsteren Gestalten wirklich bewachen: den Frieden der Akademieangehörigen oder diese selbst.
Und tatsächlich ist es auch ein weitaus hesindegefälligeres Artefakt, daß über die Ruhe der Akademie wacht - wenn nicht ohnedies die Macht der Damen und Herren Magistres ein übriges tut. Das schwere Hauptportal, an dem ein Adept unteren Grades Wacht hält, ist von einem Rahmen aus erzenen Schlangen umgeben, die so lebensecht wirken, als bewegten sich die vielen Leiber der dunkelgeschuppten Nattern.
Von diesem Portal - einem Artefakt, das angeblich noch aus den Magierkriegen stammen und über wundersame Umwege in den Besitz der Akademie gekommen sein soll - heißt es, daß, sobald ein Wesen von schwarzmagischer Gesinnung, von namenlosem Glauben, von daimonischer oder sonstweder übler Natur versuche, die Schwelle zu überschreiten, die Schlangen sich auf wundersame Weise mit Leben erfüllten, sich auf das verderbte Subjekt zu stürzen und es mit ihrem Gift zu vernichten.
Zwar ist es nicht beurkundet, daß jemals ein Sünder so sein gerechtes Ende gefunden hat, doch selbst der ärgste Schuft mag vor der schieren Möglichkeit zurückschrecken und den Versuch einem anderen überlassen. Denn daß das Portal von großer Magie durchdrungen ist, ist unbestritten.
Fünf Lehrmeister wirken unter der Leitung Ihrer Spektabilität Praiodane Werckenfels. Selbige vollbringen das Kunststück, praiosgefällige Magie zu lehren. Ihnen sind derzeit 25 Scholaren unterstellt, die hier zum Wohle von Reich und Kaiser in die strikt weißmagische Auslegung der Kunst der Magica Clarobservantia eingeweiht werden. Die Abgänger, welche auf Kaiser und Reich eingeschworen sind, unterliegen strengster Geheimhaltung über den Lehrplan oder die Erlebnisse innerhalb der Mauern der Akademie.
Einzig bekannt ist, daß ein Schwarzes Auge in einer der inneren Kammern ruht, und daß der "Geheime Orden vom Schwarzen Auge zu Punin (dem ja auch der Kaiser angehört!) sich jeden Hesinde in der Akademie einfindet, um das Auge zu befragen und einen Bericht zur Lage des Reiches zu erstellen.
Nur selten sieht man einen der Scholaren in der Stadt umherwandeln, zumeist bleiben die Zöglinge unter sich auf dem Gelände der Akademie. Die Studien, die in strenger Zucht absolviert werden, lassen ob all der Exzerzitien, Meditationen, Übungen und stundenlangen Studien in der umfangreichen Bibliothek denn auch kaum Zeit für anderes als die Magie und ihre Hilfswissenschaften.
Neidvoll mag da mancher Absolvent auf die vergleichsweise lockeren Sitten, wie sie z.B. in Punin herrschen, blicken, doch dafür öffnet einem das Siegel der Akademie auch Tür und Tor zu den Höfen der Mächtigen. Die meisten der Absolventen schlagen denn auch eine Karriere im Dienste des Kaisers oder eines Hochadeligen ein.
Nicht umsonst sind die Akademieangehörigen, leicht zu erkennen in ihren roten und weißen Uniformen mit dem Greif auf dem Kragen, in der Bevölkerung nur wenig beliebt, zu zahlreich sind die Gerüchte, daß sich in den Kellergewölben der Akademie Folterkammern befinden, wo mit mit magischer Macht Geständnisse erzwungen werden. Man munkelt von solchen, die sich in lästerlicher Weise über Reich und Kaiser geäußert haben, als ein Akademieangehöriger just nahebei weilte, und die seitdem spurlos verschwunden sind - Demonstrationsobjekt für die Scholaren - so heißt es. Wiewohl die Akademieleitung, mit solchen Vorwürfen konfrontiert, stets nur auf eine Weise antwortet: mit einem empörten Schnauber.
Zudem besteht da noch die angebliche Verbindung der Akademie mit der nahegelegenen KGIA-Zentrale (und dies nicht nur geistig!), wodurch die meisten Leute es für geraten halten, einen großen Bogen um das dreigeschössige Gebäude im frühhelaischen Stil und seine Bewohner zu machen.
Auf wenig Begeisterung bei den Lehrkräften der Akademie treffen die Bemühungen der Traviakirche, durch ihre Volks- und Leseschulen dem einfachen Volke Bildung angedeihen zu lassen. Man ist hier der Meinung, das Wissen gleich Macht ist - und die gehört nur in die Hände der von Praios dazu Ausersehenen. Zu Lebzeiten des Fürstgemahls, der ein Mentor der Volksbildungsidee war, wagte man nicht, mehr als Protestnoten auszusprechen, nun, da der Fürst nicht länger seine Hand über die Schule halten kann, mag sich dies ändern.
Das trutzige Gemäuer, ehemals eine priesterkaiserliche Bastion, ist die einzige Münzprägestätte in der Grafschaft und neben der Kaiserlichen Münze in Wehrheim wohl die wichtigste in Darpatien. 15 Gardisten aus dem Leibregiment der Fürstin halten Tag und Nacht Wacht. Die Münzen, die hier täglich unter schwerster Bedeckung in gepanzerten Kutsche das Haus verlassen, vermögen wohl schon den einen oder anderen zu unreinen Gedanken verleiten, aber die überaus grimmigen Gesichter der Soldaten und mehr noch ihre scharfen Schwerter und Spieße halten übermütige Abenteurer von einer Exkursion des Gebäudes ab. Zudem halten sich hartnäckige Gerüchte, daß Fürst Garwin Helmbrecht einst den fabulösen Meisterdieb Xyz anwarb, um Fallen zum Schutz des Gebäudes zu erdenken - denn wer wüßte Dieben eine trefflichere Falle zu stellen als ein Dieb?
So hat es bisher auch noch niemanden gegeben, der von einem erfolgreichen Raubzug zu berichten wüßte ...
Der beeindruckende Prunkbau aus der post-priesterkaiserlichen Ära mit seinen schmuckvollen, mächtigen Marmorsäulen und der weitläufigen Freitreppe, die von zwei grimmig dreinblickenden Greifenstatuen flankiert wird, vermag einem allein schon durch seine Erhabenheit Respekt einflößen. Über dem Portal prangt in goldenen Lettern der Sinnspruch Fiat iustitia, et pereat mundus" (Es möge Recht geschehen, und sollte die Welt daran zugrunde gehen).
Zwei Kammern sitzen an drei Tagen in der Woche Gericht, die Hohe Kammer unter dem nominellen Vorsitz der Fürstin (jedoch in den meisten Fällen von einem Hohen Richter vertreten), behandelt vornehmlich schwere Vergehen wider das Gesetz, also Raub, Mord, Verrat, Grenzsteinsverletzungen, Landfriedensbruch und Diebstahl in sehr schwerem Falle.
Sind Adelige oder Bürger von großem Einfluß in einen Streitfall verwickelt, wird stets die Hohe Kammer bemüht.
Den Bürgern der Stadt bietet sich die Gelegenheit, die Verfahren auf der Zuschauertribüne mitzuverfolgen - zumindest, wenn nicht Adelige in den Rechtsfall verwickelt sind, dann ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Zumeist sind es Praiosschüler und angehende Advocates und Iustitiares, die den geschickten Winkelzügen und Reden der Anwälte auf beiden Seiten folgen. Bisweilen aber erregt ein Fall auch solch großes Interesse wie der des Kindsmordes beschuldigten Istvena Maarfuhl, die im Jahr 15 v. Hal in einem aufsehenerregenden Prozeß trotz anfänglich erdrückender Beweislast nach einem Bravourstück ihrer Advocata freigesprochen wurde, daß die Tribünen bis zum Bersten gefüllt sind.
Für geringere Delikte wie leichter Diebstahl, Verleumdung, Landstreicherei, etc. ist die Niedere Kammer zuständig. Zunehmend aber sucht die Bürgerschaft der Fürstin das Privileg abzutrotzen, selbst Gericht zu halten. So wurde das Marktgericht in der Neustadt aus der Taufe gehoben, wo Verstöße wider Zollbestimmungen und Marktordnung durch städtische Justitiares geahndet werden. Auch wurde der Gründung einer bürgerlichen Gerichtskammer im Stadthaus zugebilligt, wo minder schwere Straftaten geahndet werden können. Nachbarschaftszwiste werden vor den Schlichtmann oder die Schlichtfrau getragen, bevor man sich in ein teures Gerichtsverfahren stürzt.
Die Geißler, wie die Bannstrahler auch genannt werden, unterhalten neben ihrem Hauptsitz nahe Wehrheim hier in einem dreistöckigen, weißgetünchten Bruchsteinhaus ein weiteres großes Kloster. Der Bereich ist innerhalb der Immunität der Praiosstadt gelegen und zudem von einer hohen Mauer umfriedet. Einlaß erfahren nur wohlbeleumundete Gläubige des Herrn, Mitbrüder und -schwestern des Ordens, sowie selbstredend Geweihte. Etwa 20 Ordensleute üben sich hier in stillem Gebet, so sie nicht im Auftrage der Kirche unterwegs sind. Der Gemeinschaft steht die 42-jährige Pernlind von Hengstfall vor, deren Vater schon den Bannstrahlern angehörte. Fanatismus paart sich bei ihr mit Paranoia, hinter jeder Ecke sieht sie dunkle Machenschaften der Borbaradianer oder des Namenlosen selbst. So sieht man sie oft selbst mit ihren Gefolgsleuten durch die Stadt und Mark streifen, auf der Suche nach sinistren Umtrieben.
Nicht
alle schätzen den Eifer der Ritterin in ihrem Kampf gegen Ketzerei und
Schwarzmagie, denn auch wenn ihre Ziele unstrittig und ihr Streben hehr sein
mögen, machen ihre Kompromißlosigkeit und ihr Hang zu blindem
Aktionismus sie nicht ganz unumstritten. So ist es schon mehrere Male
vorgekommen, daß Pernlind auf eigene Faust ein "Standgericht
einberief, weil sie eine Frau "zweifelsfrei als bösartige Hexe
entlarvt glaubte. Insbesondere durch die Bedrohung durch B sieht sich der
Orden bemüßigt, noch eifriger denn je dem Unheil hinterher zu
forschen. Dabei sind ihnen Erfolge nicht verwehrt geblieben. Daß ihnen
dabei auch manch höchst weltlicher Übeltäter in die Netze
gegangen ist, erklärt, warum die Bannstrahler trotz manches
"Ausrutschers auf eine breite Unterstützung bauen dürfen.