Der junge von Kalmbach ist
als Lebemann ebenso beliebt wie berüchtigt. Der überaus gutaussehende
Mann (21 Jahre, 1,85, athletische Statur, wallende, schulterlange, dunkle
Locken, strahlend blaue Augen) genießt es in vollen Zügen, den
Reichtum seiner Familie in den exquisiten Spielclubs, Hurenhäusern und
sonstigen Amüsieretablissements auszukosten. Er ist ein passionierter
Spieler ohne rechten Sinn dafür, wann es besser ist Schluß zu
machen, so daß sein Vater mehr als einmal einen hohen Schuldschein
auslösen mußte. Wie Nino überhaupt einen Hang zur
Maßlosigkeit hat, wie sich in seiner ganzen Lebensweise zeigt. Er trinkt
wie ein Bornländer, ist auch sonstigen Genußmitteln nicht abgeneigt,
praßt und völlt nach Herzenslust und gibt sich selten mit nur
einer Mätresse zufrieden. Seine zahlreichen "Freunde" schätzen
ihn als großzügigen und heiteren, dem Leben zugetanen Charakter,
der sich, nebenbei bemerkt, auch auf soldatische Tugenden wie die Fechtkunst
wohl versteht. Seine traviagefällige Mutter schließt im übrigen
die Augen vor dem schandhaften Treiben ihres Sohnes und bemüht sich
darum, ihn bald mit einer tugendhaften Dame von gutem Leumund zu
verbändeln, in der Hoffnung, daß dann mit dem Luderleben Schluß
sei.
Nino wird fast immer von einem Leibwächter begleitet.
NSC aus dem Abenteuer "Im
Auftrag Ihrer Majestät"
(Anfang 20, dunkelbraunes Haar, dunkle Augen, 1,80, schlank).
Wiewohl weitaus unauffälliger von Statur und Antlitz als Nino von Kamlbach
(s.o.), ist der junge Finsterbinge ein Schwarm der jungen Damen der Stadt,
der sich vor potentiellen Heiratskandidatinnen kaum retten kann, nicht zuletzt
weil der Reichtum seiner Familie und ihr Einfluß in Rommilys
sprichwörtlich sind. Fredo allerdings kostet zwar gerne von den ihm
dargebotenen Früchten, doch ist nicht bekannt, daß es einer der
Damen gelungen ist, sein Herz für sich zu gewinnen. Wie Fredo insgesamt
einen sehr beherrschten, ja kühlen Eindruck macht. Nur selten wird er
sich zu einer erkennbaren Gefühlsregung hinreißen lassen, Seine
Beherrschtheit verdankt er der Erziehung durch
Carta. Fredo bereitet sich derzeit darauf
vor, die Geschäfte der Familie zu übernehmen. Er ist Carta ein
gelehriger Schüler, bewundert er doch dessen Art. Fredo ist ein
überaus berechnender, kalter Mann, der sich nicht davor scheut, über
Leichen zu gehen, wenn es den Interessen des Clans dient, und der alles und
jeden nach seiner Nützlichkeit bemißt. Er verspricht dem Haus
Finsterbinge ein würdiger Nachfolger zu werden.
Fredo wird fast immer von einem Leibwächter begleitet.
Nino und Fredo spielen regelmäßig
im Hotel Darpatperle Boltan, meist mit zwei weiteren
Söhnen aus wohlhabenden Familien. Die vier vermitteln nicht den Eindruck,
als schätzten sie es sehr, wenn sich fremde Mitspieler zu ihnen gesellten.
Einzig hartnäckigste Nachfragen mögen fruchten. Die Einsätze
sind sehr hoch, auch gibt man sich in Gesellschaft Fremder eher wortkarg.
Wohl aber kann ein Held beobachten, daß v. Kalmbach und Finsterbinge
darum buhlen, wer Wortführer in dieser Gemeinschaft ist.
Leptius
Engstrand ( 24 Jahre, mittelgroß, mager, braune Augen, dunkelblondes
Haar) ist ein rechter Mitläufer und Speichellecker. Insbesondere
bemüht er sich, Nino von Kalmbach
nachzueifern, doch fehlen ihm Kühnheit und Ausstrahlung. Man duldet
ihn, empfindet man es doch als amüsant, ihn als Zielscheibe für
hämische Witze und Spötteleien zu benutzen, ernst genommen wird
er jedoch von den wenigsten. Leptius macht dabei den Eindruck, als bemerke
er dies nicht, lacht über jeden Witz auf seine Kosten am heftigsten.
So sehr ist er darauf erpicht, dazu zu gehören, daß er die
Beleidigungen stillschweigend hinnimmt. Einzig
Fredo Finsterbinge behandelt ihn freundlich,
er schätzt die gehässigen Witze seiner Gefährten nicht, besitzt
er doch den Weitblick, daß aus dem weichen, lächerlichen Leptius
eines Tages der Erbe des mächtigen Handelshauses
Engstrand wird.
Leptius Engstrand ist (zu Beginn des Abenteuers
"Im Auftrag Ihrer
Majestät") seit etwa 4 Wochen dem Rauschkraut verfallen und einer
der Kunden Loindes aus dem
Hotel Darpatperle.
Der unter seinen jungen Gefährten (s. die drei oben) als ein wenig
langweilig verschrieene junge Mann ist der älteste Sohn der Familie
Reuther. Wiewohl immer dabei, wenn die junge
"Gute Gesellschaft" sich zum Amüsement trifft, meidet er doch die
schlimmsten Exzesse, hält sich weitestgehend fern von den teuren
Mätressen und Lustknaben, genießt Alkohol nur in Maßen,
und so kommt es, daß er nie in einen der Skandale verwickelt war, für
die z. B. Nino v. Kalmbach
berühmt-berüchtigt ist. Und wiewohl er sich manches Mal
Spötteleien ob seiner Zurückhaltung anhören muß,
genießt der unauffällige junge Mann (24, sandfarbenes, schulterlanges
Haar, blaßgraue Augen, mittelgroß, schlank), dessen nüchternes
Wesen - geschult von seiner strengen und umsichtigen Mutter - es ihm verbietet,
sich wie ein Lebemann aufzuführen, beste Kontakte zu etlichen kommenden
"Herrschern" der Stadt - den Erben und Erbinnen der bedeutendsten
Patrizierfamilien.
Der Clan spielt im Abenteuer "Im Auftrag Ihrer Majestät" eine zentrale Rolle.
Sentenza Wolfsfelder
Das Oberhaupt der Familie hat die Sippe zu dem gemacht, was sie heute ist. Begonnen hat Wolfsfelder als Scherge der Rauhwälder, einer ehedem sehr einflußreichen Familie in Rommilys, deren Geschäfte, ähnlich wie die der Finsterbinges, Schmuggel, Erpressung aber auch Mord waren. Als die gesamte Sippe der Rauhwälder vor 5 Jahren in einem Sippenkrieg zwischen ihnen den Finsterbinges und den Bornfelds ausgelöscht wurde, ward Sentenza Erbe des verbleibenden Besitzes (man munkelt, daß das Testament gefälscht war, doch weiß wohl nur von Sturmfels, ob dies Gerücht der Wahrheit entspricht...). Er gründete zur Tarnung ein Fuhrunternehmen, das mittlerweile zu einem der bedeutendsten Unternehmen dieser Art inRommilys gewachsen ist (nicht immer allein auf legalem Weg) Anfänglich beschränkte Wolfsfelder sich auf kleinere illegale Geschäfte - Schutzgelderpressung etc.-, und sorgte tunlichst dafür, den großen Clans nicht in die Quere zu kommen.
Durch Bauernschläue wie Brutalität gelang es ihm schließlich, sich zum (kriminellen) Oberhaupt über das Hafenviertel aufzuschwingen. Konkurrenten wurden entweder ausgestochen, taten sich mit ihm zusammen oder erlitten mysteriöse Unfälle bzw. fielen überraschenden Zugriffen der Garde zum Opfer.
Sentenza Wolfsfelder (62 J., weißes, volles Haar, 1,72 groß, schwergewichtig, schwammiges Gesicht mit tiefliegenden, kleinen blauen Augen) ist ein grober Klotz, den auch die feinsten Gewänder und der teuerste Schmuck nicht zu einem Patrizier machen können. Ihm fehlen Erziehung und Manieren, und er macht sich auch keine Mühe, diese Defizite auszumerzen. Er hegt einen gewissen Stolz, daß einer seiner Herkunft es so weit gebracht hat und macht sich einen Spaß daraus, daß "die feinen Pinkel ein Schwein wie ihn bei sich dulden müssen". Kredite und Dienstleistungen anderer Art haben etliche Verbindlichkeiten geschaffen, die Sentenza auszunutzen weiß, und auf diese Weise ist es ihm gelungen, bis in die höchsten Schichten der Stadt vorzudringen. Und auch wenn man in der feinen Gesellschaft über ihn die Nase rümpft, kann man es doch nicht wagen, ihn zu düpieren.
Der alte Wolfsfelder gilt als überaus jähzornig und despotisch, er ist berüchtigt für seine Brutalität vor allem gegenüber seinen Schergen. Er verfügt über eine ansehnliche Schar von Halunken und Mordbuben, und auch wenn sich diese mit den Leuten der Finsterbinges nicht messen können, stellen sie dennoch eine beträchtliche Hausmacht dar. Zwar wird er fürs erste seine Ambitionen in Aldeburg auf Eis legen. Doch ist das letzte Wort längst nicht gesprochen.
Sentenza ist von dem Mord an seinem Sohn zutiefst getroffen und schwört bittere Rache, nicht dessen gedenkend, wie leicht dies dazu führen könnte, daß auch seine Familie ein Schicksal wie die Rauhwälder ereilt. Doch möglicherweise läßt er sich von seiner Tochter Isira besänftigen und davon abbringen, eine Dummheit zu begehen.
Weitere Informationen zum Clan sind hier.
Arcred Wolfsfelder
Der älteste Sohn der Familie, Arcred (32 J., blond, Schnurr-
und Kinnbart, blaue Augen, 1,82, muskulös, scharfkantiges Gesicht mit
auffallend großer Nase), ist ein Sproß so recht nach dem Herzen
seines Vaters: skrupellos, nicht minder brutal und überaus ehrgeizig.
Seines Vaters Erfolge haben den jungen Wolfsfelder aber übermütig
gemacht, sonst hätte er seinen Vater wohl nicht (mit Erfolg) bedrängt,
in das Revier der Finsterbinges einzudringen, um sich dort breit zu machen.
Diesen Übermut soll Arcred denn auch mit seinem Leben bezahlen.
Isira Wolfsfelder
Isisra Wolfsfelder ( 28 J., mittellblondes, gelocktes Haar, graue Augen, 1,65, von zarter Statur) ist eine zierliche Person von durchscheinender Schönheit, stets ein wenig blaß und kränklich wirkend. Doch ihr Äußeres täuscht, Isira birgt einiges an Tatkraft und Ehrgeiz. Sie ist eine harte, kühle und berechnende Frau, die sehr wohl weiß was sie will, und wird wahrscheinlich ein weit besseres Clanoberhaupt abgeben als ihr älterer Bruder es je hätte sein können. Sie hat auch sogleich davor gewarnt, sich mit den Finsterbinges anzulegen. Vergeblich. An Skrupellosigkeit und Ehrgeiz ist sie ein Kind ihres Vaters, doch verabscheut sie sein polterndes Auftreten und ist bemüht, sich den Gepflogenheiten der guten Gesellschaft anzupassen, um nicht unangenehm (und geschäftsschädigend) aufzufallen. Zudem vereint sie neben oben genannten "Tugenden" noch Weitsicht, Klugheit und Durchsetzungsvermögen in sich.
Nach Arcreds Tod ist es an ihr, die Geschäfte der Familie in nicht allzu ferner Zukunft zu übernehmen, und unzweifelhaft wird sie eine neue Epoche in der Geschichte der Wolfsfelder einleiten. Wiewohl Isira alles daran setzt, ihren Vater davon abzubringen, offene Blutfehde gegen die Finsterbinges zu verkünden, schmerzt auch sie der Verlust Arcreds schwer. Doch weiß sie, daß die Fehde der Untergang ihrer Sippe wäre.
Nichtsdestotrotz hat auch sie an Arcreds Grab geschworen, sein Blut mit dem von Fredo Finsterbinge zu rächen. Doch nicht in offenem Kampf soll es fließen, sondern eines Tages von gedungenen Mörders Klinge ...
Mehr über die Wolfsfelder, insbesondere über ihren Aufstieg kannst du in unserem Artikel über die Familienclans in Rommilys im "Letzten Helden Nr. 40" erschienen im Drachenland Verlag lesen. Über den endgültigen Abstieg kannst du im 1. Artikel über die Blutnacht etwas erfahren.
2 Schritt groß, hünenhafte Statur,
die wilde rotblonde Mähne in Stirnzöpfen gebändigt, hellblaue
Augen, ja, man könnte Asleif für einen Thorwaler halten, doch
tatsächlich ist er der Sohn einer Troßdirne. Sie gab den Knaben
nach seiner Geburt in die Obhut ihrer Schwester, einer rommilyser Hure. Für
seine Ziehmutter nichts anderes als ein zusätzliches Maul, daß
sie zu stopfen hatte, mußte sich Asleif - dessen Taufname Alrik lautet
- schon früh lernen, sich in den Gassen der Un-terstadt durch-zusetzen.
Als er 15 war, wurde der Kna-be aufgrund seiner statt-lichen Statur von Gorm
Golwen - dem Vater von Ti-war Golwen, Anführer der Golwen-Bande, die
nunmehr in dritter Generation die Gassen Rom-milys' unsicher macht - in den
Dienst genommen. Asleif wurde zu einem gefürchteten Schläger. Meist
reicht es schon, wenn der Thor-waler, wie man ihn ruft, eine Ermahnung an
einen Händler überstellt, kaum einer wagt es, sich dann noch
länger den Schutzgeldzahlungen zu widersetzen.
Das Leben nach den Gesetzen der Straße hat Asleif gegen sich und andere
hart gemacht. Er traut - mit Ausnahme von Tiwar Golwen - niemandem. Den Golwens
gehört seine ganze Loyalität, wehe dem, der einem der Familie zu
nahe rückt.
Asleif ist, auch wenn er sich bisweilen, um Eindruck zu schinden, anders
gebärdet, alles andere als ein jähzorniger Mensch. Selbst in
prekärsten Situationen gelingt es ihm, einen kühlen Kopf zu bewahren,
sicher ein Grund dafür, daß er noch immer bei bester Gesundheit
und auf freiem Fuß ist.
Wenn es einen Führer des Armenviertels gibt, dann ist es wohl der 19
v. H. geborene, knapp 9 Spann große Falker Gerasimer (früh ergrautes,
silbrig-blondes Haar, hellblaue Augen, wettergegerbtes Gesicht, schlank,
sehnig).
Einst ein "Kanalgraf" hat sich Gerasimer zum Schichtführer auf der Werft
hochgearbeitet. Doch bis auf den heutigen Tag hat er es vorgezogen, im Katzloch
unter seinen alten Gefährten zu leben, obwohl sein Salär längst
ausreichen würde, in eines der besseren Viertel zu ziehen - zu sehr
fühlt er sich dem Viertel und seinen Bewohnern verbunden.
Grund für seine Beliebtheit ist sein Engagement für all die, denen
es nicht so gut geht. So hat Falker es durchgesetzt, daß ein Dutzend
Kinder aus dem Armenviertel gratis zur Hesindeschule gehen dürfen -
ihre Familien aber erhalten zugleich auch ein Ausfallgeld - um nur ein Beispiel
zu geben. Ein kleiner Erfolg, aber immerhin ... Auch sieht man ihn oft des
abends durch die Gassen streifen, um sich nach dem Wohlergehen der Leute
zu erkundigen, hier und da auch mal helfend beizuspringen oder jemanden zu
finden, der helfen kann. Und für die Katzlocher ist Falker etwas ganz
besonderes, ist er doch einer der ihren, der nicht wie die anderen, die
Mildtätigkeit üben, des Abends nach Hause geht in sein wohlgeheiztes
Wohnhaus in der Neustadt oder in seine Unterkunft in der Friedensstadt. Falker
kommt aus ihren Reihen, und er versteht wie kein anderer die Sorgen und
Nöte der Bewohner, weiß um ihre Schwierigkeiten und warum ihnen
nicht jedes Hilfeangebot wohlwillkommen ist, wenn es ihren Alltag auf den
Kopf stellt. Zudem macht Gerasimers Fürsorge nicht vor denen Halt, die
ihren Lebensunterhalt nicht allein auf redlichen Wegen zu bestreiten
vermögen, und er billigt dem Dieb bei einem Händel die gleichen
Rechte ein wie seinem wohlbeleumundeten Kontrahenten.
Ob seines guten Urteilsvermögens, seines ruhigen Wesens und seines Nimbus'
der Unbestechlichkeit (zumindest nimmt er Geld nur dann an, wenn es zum Besten
des Viertels ist) hat man ihn vor nunmehr 4 Jahren zum Schiedsmann des Katzloches
bestallt, und in allen alltäglichen Dingen ist sein Wort Gesetz.
Man vertraut ihm blind, auch weil man wohl weiß, daß Gerasimer
niemanden ohne zwingenden Grund ans Messer liefern würde. Gerasimer
bemüht sich zudem gemeinsam mit den Vertretern der Traviakirche, dem
Katzloch mehr Gehör im Rat zu verschaffen, und immerhin, die Mächtigen
der Stadt haben Falkers Vorrangstellung im Katzloch anerkannt, und hören
ihn an, wenn es um Belange des Viertels geht.
Falkers Frau Traviane (36, dunkelblond, blaue Augen) hat sich als Magd bei
einem Handwerker verdungen, seine Tochter Yara (17, dunkelblond, blaue Augen,
pausbäckig, fröhliches Gemüt) hat es gar zu einer Ausbildung
bei der Winzergilde geschafft. Beide unterstützen Falker bei seinen
Bemühungen um das Katzloch, auch wenn Yara insgeheim davon träumt,
mit einem schmucken Handwerksmeister in der Neustadt zu leben.
Auf der Praiosseite des Lebens lebt Alrik Siebenfinger nicht, in mehr als
einer Hinsicht. Wenn man den hochaufgeschossenen, ausgemergelten, zerlumpten
Burschen mit dem sandfarbenen Haar und den graublauen Augen sieht, weiß
man, das Schmalhans an den meisten Tagen des Mondes bei ihm Küchenmeister
ist. Ein ehrliches Handwerk hat Alrik nie gelernt, wiewohl der Bursche durchaus
klug und geschickt ist. Jedoch mochten und konnten die Eltern das nötige
Lehrgeld für einen Handwerkmeister nicht aufbringen, stattdessen wurde
der Knabe schon von kleinauf angehalten, durch Tagelöhnerei die schmale
Kasse der Familie aufzubessern. Mit anständiger Arbeit ließ sich
da nur wenig ausrichten, und so sträubte sich Alrik nicht, als die Flinke
Lara sich seiner annahm, ihn in solch delikaten Künsten wie dem
Beutelschneiden und Giebelklettern zu unterweisen. Alrik sagte seiner wenig
liebevollen Familie leichten Herzens Lebewohl und schloß sich Lara
und ihresgleichen an.
Zu großem Wohlstand konnte Alrik zwar auch so nicht kommen, doch reichte
es ihm zum Überleben. Und so liebt Alrik ein typisches Streunerleben,
manchen Tag darben, bis es wieder einmal gelingt, die fette Geldkatze eines
Händlers zu schneiden. Dann leben was das Zeug hält, mit Bier,
fettem Essen und schönen Dirnen gemeinsam mit seinen Gefährten,
bis nach kurzer Zeit aller Reichtum wieder vergangen war.
Wie so viele folgt Alrik der Streunerdevise "Was ich heute verpraßt
hab', kann mir morgen kein Büttel mehr nehmen ..."
Seine Fürsorge und Zuneigung gehört seiner jüngeren Schwester
Cella (s.u.), die ein elendes Dasein als Bettlerin fristen muß.
Siebenfinger träumt davon, eines Tages auf einen Schlag genug Geld
zusammenzubekommen (zum Sparen fehlt ihm die Disziplin), um sich und ihr
ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, ja, vielleicht sogar soviel
zusammenzuraffen, um einen Heiler zu bezahlen, der ihre Schmerzen lindern
kann. Wer weiß, ob er widerstehen könnte, wenn ihm die Finsterbinges
einen entsprechend brisanten Auftrag anbieten würden ...
Erst jüngst glaubte er, sein Glück gemacht zu haben, als der Arzt
Yorik Praioshag (siehe TS 7 bzw. SB Rommilys) ihn in seine Dienste
nahm. Als er erkannte, mit wem er sich eingelassen hatte, zog Siebenfinger
es vor, die Stadt zu verlassen. Doch vor einigen Wochen kehrte er zurück,
nicht zuletzt aus Sorge um seine Schwester. Nicht immer war Phex seinem
Gefolgsmann hold: zweimal schon wurde Alrik beim Diebstahl erwischt. Sein
Beiname gibt Zeugnis von der Art der Strafe, die ihn nach dem raschen Urteil
erwartete. Seit jenem zweiten Mal aber ist Siebenfinger weit nachdenklicher
geworden, ob er sein Handwerk so freimütig weiter ausüben soll,
angesichts der Buße die ihn bei einer weiteren Verurteilung droht,
des Verlustes seiner rechten Hand. Derzeit sucht er nach Wegen, sich auf
andere Art und Weise leidlich durchs Leben zu bringen, bis dahin aber vertraut
er wohl oder übel auf die Flinkheit der ihm verbliebenen Finger.
Wiewohl sicher keine große Nummer in der Rommilyser Unterwelt, kennt
Siebenfinger doch einige Schurken, so daß er sich als Informant in
etwaigen Abenteuer anbietet. Am ehesten trifft man ihn in einer der
zwielichtigeren Schenken im Paradies oder im Katzloch an, wo der Dinge harrt,
die da kommen sollen.
Ein buntes Völkchen ist es, daß sich da Tag für Tag zwischen
den Pilgern der Friedensstadt tummelt oder auf Märkten und in belebten
Gassen herumlungert, in der Hoffnung die Mildtätigkeit der Besserbetuchten
zu wecken und eine milde Gabe zu erbetteln. Allerlei Leiden und Gebrechen
werden hier lautstark oder verschämt hergezeigt, oder wort- und
tränenreich die Leidensgeschichte kundgetan. Lahme, Verkrüppelte,
Blinde, Versehrte, aber auch Landstreicher, Aussätzige, Verwitwete und
Waisen - all jene, mit denen es die Zwölfe nicht gut gemeint haben -
suchen die Herzen ihrer Mitmenschen zu rühren und ihrer Almosenpflicht
in Travias Namen nachzukommen.
Neben den sogenannten "unverschämten" Bettlern, also jene die ihr Elend
offen präsentieren, gibt es verschämte Bettelei, zumeist Verwitwete
und Waisen, deren Ernährer ohne Nachlaß verstorben ist. Diese
mischen sich nicht unter die Straßenbettler, sie leben allein von den
Almosen der Traviakirche und der Stifte und dem, was die Nachbarn ihnen
zustecken.
Das Betteln ist in der Stadt vom Rate als Broterwerb gebilligt, gleich in
welcher Form. Zwar gilt das Betteln hier wie anderswo als wenig ehrbar, doch
ist der Erwerb hier kein verfemter, also einer, der nicht offen ausgeübt
werden darf. Auch hat der Rat eigene Verordnungen für das Bettelvolk
erlassen (siehe Recht und Gesetz, TS 7 bzw. Rommilys Sonderband).
So ist es bei Strafe verboten, ein falsches Leiden zur Schau zu stellen oder
Passanten allzu tolldreist auf den Leib zu rücken. Auch ekle Krankheiten
und Verstümmelungen dürfen nicht gezeigt werden. Auch in der
Praiosstadt und vor dem Borontempel ist die Bettelei verboten, desgleichen
in manchen Straßenzügen wie der gesamten Aldeburg. Das Donnerfeld
ist allein den Kampfversehrten vorbehalten, andere werden hier nicht
geduldet.
Ein jeder Bettler der Stadt hat eine Bettelmarke zu tragen, die er vom
Armenpfleger der Stadt (einem Büttel des Rates) erhält. Bevor die
Marke ausgestellt wird, wird die Bedürftigkeit geprüft (ob nicht
etwa ein Leiden nur vorgetäuscht ist), denn man will die Bürger
und die wahrhaft Bedürftigen vor den Untaten von Betrügern und
Schuften schützen.
Stete Reibereien gab und gibt es zwischen einheimischen und fremden Bettlern,
die in großer Zahl in die Travia-Capitale drängen. Nicht selten
sind schon die Rommilyser mit allzu frechem auswärtigen Bettlervolk
in Zwist geraten, der oft dann auch in deftigen Prügeleien gipfelte,
daß die Büttel ihre Mühe hatten, die Zankenden
auseinanderzubringen. Um solche Auseinandersetzungen zu vermeiden, hat der
Rat eine Bestimmung erlassen, nach der das fremde Bettelvolk nicht länger
als für drei Tage in der Stadt verbleiben darf, um dort ihrem Erwerb
nachzugehen, alsdann müssen sie weiterziehen.
Einen Bettlerkönig, wie man ihn aus Berichten von Reisenden aus fernen
Ländern kennt, gibt es in Rommilys nicht, wohl aber einige herausragende
Gestalten, die in den entsprechenden Kreisen so bekannt sind wie bunte Hunde:
Schielaugen-Jette:
Mit ihren 62 Jahren dürfte Schielaugen-Jette (1,65, mager, graue Haare,
braune Augen) eine der ältesten unter den Bettlern sein, denn das Leben
in den kalten Gassen bei karger Kost und all der Not fordern ihren Tribut.
Schielaugen-Jette ist es gelungen, mit ihrer Gewitztheit und ihrem Verstand
sich aus allen Tiefen des Lebens hervorzustrampeln. Einst eine Gauklerin,
bereitete ein schwerer Sturz vom Seil ihrer Profession ein Ende. Die
Schaustellertruppe ließ sie im Armenspital zurück - eine unnütze
Esserin konnte man nicht gebrauchen. Seither ist Jettes Hüfte steif,
doch behindert sie dies nicht allzusehr. Nach ihrer Genesung versuchte sie
sich als Magd, doch jagte man sie nach einem Diebstahl aus dem Haus. Auch
weitere Versuche sich mit redlicher Arbeit über Wasser zu halten, schlugen
fehl. Schließlich besann sich Jette auf ihr schauspielerisches Talent.
Doch nicht an der rommilyser Bühne, sondern in den Straßen der
Stadt sollte sie es beweisen: Und wahrhaftig, kaum jemand versteht sich so
meisterlich wie Jette darauf körperliche und geistige Leiden dem
"Pilgerpublikum" virtuos darzubieten. Ihr steifes Bein verhilft ihr zu ihrer
Bettelmarke, doch würde Jette das Publikum nicht mit solch einfacher
Darbietung abspeisen. Wenn Jette mit zuckenden, verdrehten Gliedern auf einem
Rollwägelchen jammernd durch die Gassen holpert, einen abscheulichen
Ausschlag aus Schminke unter der Kapuze hervorlugend, dann gibt es kaum ein
Herz in Rommilys, das nicht von dem erbarmungswürdigen Anblick gerührt
würde. Insbesondere ihre Augenverdreher (sie versteht es zum Entsetzen
der Zuschauer, die Augäpfel so weit nach außen zu drehen, bis
man nur noch das Weiße sieht) sind unter den Bettlern Legende, sie
haben ihr auch ihren Beinamen gegeben. Jette weiß sehr wohl, wie sie
den Pilgern das Geld aus der Tasche ziehen kann und sie beharrt zugleich
darauf, damit auch etwas Gutes getan zu haben, glaubt doch jeder fest, der
ihr ein Almosen gegeben hat, eine traviagefällige Tat getan und somit
sein Gewissen entlastet zu haben.
Lange wird Jette allerdings wohl keine Leiden mehr vortäuschen müssen,
denn das entbehrungsreiche, ungewöhnlich lange Leben in den Gassen hat
sie gezeichnet. So werden die Knochen allmählich morsch, die Gelenke
steif und ein Rotz, den sie vor einigen Jahren kaum wahrgenommen hätte,
fesselt sie heute tagelang auf ihr karges Lager in einem Verschlag, den sie
mit 3 Leidensgenossinnen teilt. Jeden Taler aber, den sie erübrigen
kann, hat sie in einer Grube bei ihrem Häuschen verbuddelt, damit will
sie sich in einen der Stifte einkaufen.
Für Abenteurer ist Jette eine der besten Informantinnen über das
Katzloch, denn sie hat scharfe Ohren und hört viel. Zudem ist sie unter
den anderen Bettlern beliebt, teilt sie ihre Einkünfte doch einmal
freimütig mit weniger glücklichen. Auch wenn sie sich hüten
mag, heiße Informationen allzu freimütig an Fremde weiterzugeben,
das ein oder andere weiß sie schon zu erzählen und wenn man erst
einmal ihre Goldgier geweckt hat, mag sie auch bereit sein, Brisantes zu
verraten.
Krumme Cella:
Das die gebeugte, knapp 7 Spann messende, bucklige Frau mit dem schrecklich
verdrehten Gliedmaßen erst 27 Jahre alt ist, darauf würde niemand
kommen, der sie auf ihren Krücken über den Prozessionsweg humpeln
sieht. Das Gesicht schlaff und aufgedunsen, der Mund zahnlos, das dünne
Haar strähnig und verwahrlost, schwere Tränensäcke unter den
blaßgrauen Augen wirkt die Krumme Cella mehr wie ein doppelt so altes
Weib.
Die bedauernswerte wurde ein Opfer ihrer skrupellosen Eltern, die dem Kind
in jungen Jahren die Gliedmaßen brachen, um mit dem Krüppel mehr
Geld aus den Taschen der Pilger zu locken. Man mag darüber spekulieren,
inwieweit auch die Armengesetze der Stadt tragischerweise ihr Scherflein
zu dieser grausamen Mißhandlungen beigetragen hat, denn nur eine echte
Verkrüppelung bringt einem die Bettlermarke ...
Das Leben hat es all die Jahre nicht gut gemeint mit Cella, und sie ist zu
einer verbitterten, zynischen Frau geworden, die mit bissigen Kommentaren
und Beschimpfungen der Passanten nicht hinter dem Berg hält. Daß
es ihr auf diese Weise kaum gelingt, so viel Almosen zu ergattern, wie die,
die sich brav jammernd den Pilgern präsentieren, liegt auf der Hand.
Ihr Leid ertränkt sie in billigem Brannt, den sie für die Heller,
die die Traviajünger ihr zustecken, ersteht.
Einzig mit ihrem Bruder, Siebenfinger, einem Langfinger und Tagedieb, verbindet
sie eine enge Beziehung - dieser sorgt sich um seine Schwester, so gut er
eben kann, und es bedeutet für Cella einen der wenigen glücklichen
Momente in ihrem Leben, wenn Siebenfinger sie auf seinen Schultern durch
das Katzloch trägt, um sie in eine billige Schenke einzuladen.
Dreibein und Ogerschlacht-Oswyn:
Die beiden Bettler sind typische Vertreter der versehrten Kriegsveteranen,
die auf den Stufen des Rondratempels ihre Dienste anbieten, um sich so einen
kargen Broterwerb zu sichern (siehe Beschreibung Donnerfeld, Sonderband
Rommilys).
Dreibein (Salinde Ochsentreu, 32, 1,75, schwarzes Haar, dunkle Augen, strenges
Gesicht, sehr hochfahrend) ist eine Seefrau der kaiserlichen Marine, die
im Kampf mit maraskanischen Piraten ihr rechtes Bein eingebüßt
hat, das ihr nun zwei Krücken mehr schlecht als recht ersetzen müssen.
Sie kam nach Rommilys, um hier bei ihrer Schwester zu leben, doch starb diese
kurz nach ihrer Ankunft. Immerhin hinterließ ihre Schwester Salinde
ihr kleines Häuschen im Gerbervlieth, so daß die Veteranin immerhin
ein Obdach hat. Doch ist die Summe, die das Militär ihr nach ihrem Abschied
zahlte, längst aufgebraucht, so daß sie wohl oder übel für
ihren Lebensunterhalt betteln muß.
Ein ähnliches Schicksal hat Ogerschlacht-Oswyn erlitten, ein albernischer
Söldling, der blutjung mit 16 Jahren in die Ogerschlacht zog und dort
schwer verwundet wurde. Oswyn (33, hochgewachsen, rotblondes Haar,
Sommersprossen, blaue Augen, Vollbart, Narbe von der rechten Schläfe
bis zum Kinn, das rechtes Bein ist steif, die linke Hand fehlt) nutzte sein
Talent zum Barden, das wohl jedem echten Albernier im Blute steckt. Er trug
all die Lieder, Sagen und Geschichten über die Ogerschlacht zusammen,
die er dem gefälligen Publikum nun mit kräftiger Baritonstimme
vorträgt. Die sprichwörtliche Phantasie der Albernier kommt ihm
dabei zugute, um die Fragmente zu einer spannenden Geschichte zu formen,
die das Publikum in ihren Bann zieht. Insbesondere nun, da Oswyn zu einem
stattlichen - von seiner Versehrtheit einmal abgesehen - Mann herangewachsen
ist, wirken seine angeblichen Erinnerungen an die Schlacht um so
glaubwürdiger und das Publikum ist nicht geizig mit seinen Gaben.
Auch hinter Praiodan (42, schlohweißes, langes, wirres Haar, stahlblaue
Augen, 1,80) verbirgt sich ein düsteres Schicksal: Einst ein angesehener
Schreiner in Wehrheim, führte eine mysteriöse Krankheit zu schweren
Verkrüppelungen: Praiodans Hände sind steif, seine Füße
verdreht, die Wirbelsäule ist zu einem häßlichen Buckel
verkrümmt. Doch damit nicht genug: Seine Ehefrau, der es davor graute,
ihr weiteres Leben mit einem verkrüppelten Gemahl zubringen zu müssen,
schmiedete ein böses Komplott mit dem Gesellen ihres Mannes. Sie
ließen den Wehrlosen aus der Stadt bringen, angeblich, um ihn auf einem
Landgut zur Genesung unterzubringen, tatsächlich ließen sie ihn
am Rande der Trollzacken zurück. Drei Tage lag der Hilflose dort, bis
ein Traviapriester den Fiebernden und Bewußtlosen fand und ihn mit
sich nach Rommilys nahm, wo man ihn aufpäppelte. Es dauerte Wochen,
bis der Mann wieder einigermaßen bei Sinnen war.
Ganz hat sich Praiodans Verstand seitdem nicht wieder eingestellt. Er hat
mit Ausnahme weniger Gedankenfetzen die Erinnerung an sein vorheriges Leben
verloren. Einzig auf seinen Namen vermochte er sich zu besinnen. Sein Verstand
ist launenhaft, läßt ihn häufig im Stich. Dann fällt
er für Minuten, in Vollmadanächten auch länger, in ein Delirium,
in dem er nicht oder kaum ansprechbar ist.
Zu "klaren" Zeiten gebärdet sich Praiodan als Laienprediger, der von
Praios' Zorn und Rache an den Menschen für ihre Sünden predigt.
Mit seinen feurigen, blumigen Reden vermöchte er die Leute wohl in seinen
Bann zu schlagen, würde er nicht immer wieder zwischendurch sinnentleert
dahinplappern. Nichtsdestotrotz springt manche Münze für den
Bedauernswerten heraus.
Unter dem Bettlervolk belächelt man den Verwirrten oder meidet ihn,
Kinder machen sich einen Spaß daraus, ihn zu necken, indem sie ihn
nachäffen - ja, einige ganz üble Gelichter schrecken gar nicht
davor zurück, dem Mann die erbettelten Münzen wieder abzuluchsen,
was bei seiner Wirrnis nicht schwerfällt.
Wahrlich, Chadim (Ende 40, 1,74, dicklich, dunkle Augen und Haare, dunkler
Vollbart, tulamidischer Gesichtsschnitt) ist ein typischer Hitzkopf aus dem
Land der Ersten Sonne. Stets wirft er mit exotischen, blumigen Schimpfworten
um sich, ob der Frevler und Ketzer, mit denen er sich abgeben muß,
und bittet danach Rastullah inständig um Verzeihung, daß er mit
den Ungläubigen soviel Langmut beweist.
Weithin bekannt ist seine flinke und beredte Zunge, Spötter gehen so
weit, zu behaupten, Chadim besäße die Gabe, andere Leute zu Tode
reden zu können.
Der Novadi ist, wie viele seines Volkes, ein religiöser Mensch. Er betet
jeden Tag zu den vorgeschriebenen Zeiten zu Rastullah und achtet streng darauf,
daß seine Familie den Traditionen ihres Volkes gemäß lebt.
Doch ist Chadim auch ein echter Kaufmann, so daß er allzuoft die 99
Gebote nach seinem Gusto biegt, wenn es denn nur dem Geschäft dient.
Selbstredend büßt er für all diese Frevel tief und
inbrünstig, nur um am nächsten Tag ebenso zu handeln, wenn das
Geschäft es verlangt.
So zählt Chadim zu den gemäßigten (strenggläubige
würden sagen verderbten) Angehörigen seines Volksstamms, beweist
er doch im Zusammenleben mit den Ungläubigen große Geduld und
Nachsicht. Anders wäre es Chadim wohl auch kaum möglich, fern des
eigenen Volkes und Glaubens zu leben.
Geboren wurde Chadim in Mherwed, doch als er sechs war zog seine Sippe nach
Khunchom, um dort Handel zu treiben. Was Chadim bewogen hat, das Land der
ersten Sonne zu verlassen, weiß niemand zu sagen, vielleicht mit Ausnahme
seiner Frau, die aber außer Chadim und ihren Kindern niemand zu sehen
bekommt.
Chadim gibt in der Gaststube des Grünen Mhanadi gerne Geschichten aus
seinem abenteuerlichen Leben zum Besten, wobei wohl nur er und Rastullah
wissen, was wirklich davon wahr ist und was nur seiner blumigen Phantasie
oder den Geschichten der Märchenerzähler entsprungen ist..
In Chadim findet Yakuban ben Jachman, der Leiter des Bestiariums, einen seiner
größten Unterstützer.
typische Zitate:
"Rastullah, vergib ihnen, sie wissen nicht um deine Gnade"
"Rastullah , vergib mir, ich habe gesündigt!"
Galana Diawen (1,59, rundlich, mütterlich, blaßblonde
Haare, rehbraune Augen) ist eine überaus warmherzige, traviagefällige
Person, voller Güte und Friedlichkeit. Die 10 v. Hal geborene Galana
kam als Findelkind in den Tempel zu Rommilys, wo man sie in einem Körbchen
auf den Stufen fand. Als sie alt genug war, entschloß sie sich, ihr
Leben der Göttin zu wei-hen. Nach ihrer No-vizenzeit wurde sie der damaligen
Vorsteherin des Pilgerhauses Trav-ias Herd zugewiesen. Von ihr lernte sie
alles, dessen es bedarf, ein so großes Haus zu führen. Seit nunmehr
8 Jahren leitet sie selbst das Travias Herd, eine der Pilgerherbergen, die
im Besitz der Kirche ist. Freundlich empfängt sie die vielen Pilger,
bietet ihnen eine einfache, warme Mahlzeit an. Ein Salär wird weder
für Mahl noch die einfache Bettstatt verlangt, doch ist es üblich,
Travias Gastfreundschaft mit Silber zu vergelten. Dieses Geld fließt
in den Armendienst. Galana kümmert sich außerdem rührend
um die Armen der Stadt, stets findet sie Zeit für die, die in Not an
ihre Pforte klopfen. Galanas liebste Freizeitbeschäftigung, insofern
sie überhaupt eine ruhige Minute findet, ist das Sammeln von Kochrezepten.
Sie hat nun schon so viele gesammelt, daß sie damit angefangen hat,
ein Kochbuch zu schreiben.
Ihre Lebensphilosophie:
Drei waren geladen
Fünf sind gekommen
Schütte Wasser in die Suppe
Heiß alle Willkommen
Ingolf Quintan (1,90, beleibt, Ende vierzig, grau-blaue Augen, blonde Haaren)
war einst ein in Rommilys wohlbekannter Mann. Damals erhielt er der
gebürtige Garetier und geschätzte Bildhauer (einige der arbeiten
in der Stadt des Lichts sind von ihm) den Auftrag, eine Statue des Heiligen
Travinian für den Rommilyser Marktplatz zu fertigen. Damals klatschte
man ihm viel Beifall, er konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Doch
die Zuneigung der Gesellschaft ist flüchtig, nach drei Jahren wollte
niemand mehr etwas von den üppigen Statuen des Bildhauers etwas wissen,
ein anderer Stil kam in Mode.
Doch wiewohl seitdem die Aufträge spärlich sind, mochte Quintan
doch der Stadt nicht den Rücken kehren, hatte er doch mittlerweile die
Rommilyserin Fraucke Widerholt geheiratet, die ihm zwei Kinder - Alrik Ingolf
und Larina Traviane - geschenkt hat. Die Familie lebt in einem kleinen
unscheinbaren Häuschen in einem Hinterhof in der Neustadt. Dort hat
er auch sein kleines Atelier. Er ist trotz seines momentanen Mißerfolges
ein sehr netter und geselliger Mensch. Durch Gelegenheitsarbeiten versucht
er sich und seine Lieben über Wasser zu halten, da er von seiner Bildhauerei
alleine nicht leben kann. Doch noch immer träumt er davon, daß
er eines Tages wieder so erfolgreich sein wird wie einst. Wer auch immer
ihm in Aussicht stellen kann, eine Audienz beim Grafen von Ochsenwasser (als
bekanntem Kunstmäzen) zu bekommen, wird sich seiner ewigen Zuneigung
sicher sein.
typische Zitate:
"Hammer, Meißel und ein Stück Stein, mehr brauch' ich nicht...."
"Eines Tages werde ich wieder berühmt sein...."
"Alles Kunstbanausen..."
Domyniko, Sohn eines Barons, beschäftigten schon als junger Bursche
weniger die Belange seines zukünftigen Erbes, denn die Lehren Mutter
Peraines: Er beschloß, seinem Herzen zu folgen und den Beruf des Medicus
zu erlernen. Seine Familie war über seine Absicht, äußerst
ungehalten und sorgte dafür, daß er seinen Erbanspruch an seinen
jüngeren Bruder Ernestos abgeben mußte.
Domyniko aber fügte sich in sein Los und durchwanderte das Land auf
der Suche nach Lehrmeistern in der Kunst der Anatomie, der Chirurgie, des
Zahnreißens und was ein guter Arzt noch so können muß. Er
lernte schnell und genoß schon bald den Ruf, wahrhaft heilende Hände
zu haben. So rief man ihn, seiner Jugend zum Trotz, in die Häuser
bedeutender Familien, er genoß die Privilegien eines gut bezahlten
und hochgeschätzten Heilers, wie es nur sehr wenigen zuteil wird.
Eines Tages wurde er an den Hof einer geachteten und äußerst
einflußreichen Familie (welche an dieser Stelle ungenannt bleiben soll)
in Rommilys gerufen, um die Herrin des Hauses von ihrer Krankheit zu heilen.
Oh, er wurde seinem guten Ruf gerecht, er war in der Lage die Leidende von
ihren Schmerzen zu befreien. Doch noch von weit mehr als ihren körperlichen
Beschwerden, auch das traurige Herz der Herrin, die sich in ihren attraktiven
Retter verliebte, wußte der junge Mann zu trösten ...
Doch so sehr Rahja ihre Leidenschaft auch segnete, Travia mochte dem falschen
Spiel wohl nicht länger zusehen: So kam es, daß der Herr des Hauses
eines Tages die Kammer seiner Frau betrat, als Domyniko und seine Liebe just
auf Rahjas Pfaden wandelten.
Diese Dummheit sollte Domyniko teuer bezahlen: Der tief gekränkte Hausherr
ließ den jungen Mann aus seinem Haus werfen. Mit all seiner Macht tat
er von nun an alles, den guten Leumund Domynikos zu zerstören.
Unglücklicher Zufall, daß nur wenig später es Boron gefiel,
eine von Domynikos edelgeborenen Patientinnen aus dem Kindbett dahinzuraffen
und den neugeborenen Sproß dazu. Nun halfen Domyniko all die guten
Taten in der Vergangenheit, seine Kunstfertigkeit, seine Begabung zu Heilen,
nichts mehr: Nur zu gern waren die Wankelmütigen, die, die begierig
sind auf Klatsch und Tratsch, denen eine Verleumdung mehr zählt als
die Wahrheit, bereit, ihr Wohlwollen von ihrem einstigen Günstling zu
nehmen. Das Gift der Worte des Hahnrei hatten ihren bitteren Erfolg gezeitigt:
Domynikos guter Ruf war dahin, und er mußte versuchen auf andere, ungewohnt
mühselige Weise an sein tägliches Brot zu kommen.
Wie bitter mutete ihm der Fall an, ihm, der bislang vornehmlich von den
süßen Seiten des Lebens kosten durfte. Doch obsiegte Domynikos
Lebenswille über die Düsternis der ersten Wochen. Eifriger denn
je widmete er sich seinen Studien, nunmehr galt all sein Streben der Alchimie,
in der er sich im Laufe der Jahre meisterliche Kenntnisse erwarb. Erneut
sah man ihn auf den Landstraßen ziehen, auf der Suche nach Lehrmeistern.
Den Reichen und Adeligen aber kehrte er den Rücken, als Armendoctor,
Stadtheiler und Perainearzt verdingte er sich, und fand unter den armen Menschen,
was ihn die reichen vermissen ließen: wahre Warmherzigkeit und Dankbarkeit,
auch wenn die Taler weit kärglicher flossen.
Schließlich kehrte er nach langen Jahren nach Rommilys zurück.
Inzwischen ist er ein ergrauter, älterer Mann und zählt über
50 Götterläufe. Kaum jemand erinnert sich an den damaligen Skandal,
und selbst wenn würde wohl niemand darauf kommen, daß der bescheidene
Doctor Perainian und der strahlende, erfolgsverwöhnte Domyniko ein und
die selbe Person sein könnten. Seine Mitbürger kennen ihn als einen
vertrauenswürdigen Heiler, der immer ein offenes Ohr für sie hat.
Allerdings munkelt man, daß nachts hin und wieder fragwürdige
Gestalten bei ihm verkehren sollen.
Philypp, der Erstgeborene seines Bruders, hängt sehr an seinem Onkel,
doch Ernestos sieht den Umgang mit Domyniko als schädlich für seinen
Sohn an, fürchtet er doch, daß der Bruder seinem Neffen ähnliche
Flausen in den Kopf setzen könnte, wie er sie einst hatte, soll der
Knabe doch später einmal sein Erbe antreten. So schickte der Vater den
Knaben auf die Wehrheimer Akademie, damit er dort den rechten Schliff
bekäme. Anfangs war Philypp darüber nicht sehr begeistert, doch
als auch Domyniko ihm dazu riet, freundete er sich mit dem Gedanken an und
inzwischen fühlt er sich dort leidlich wohl. Doch bei jeder sich ihm
bietenden Möglichkeit besucht Philypp seinen Onkel in Rommylis,
worüber dieser sehr erfreut ist, denn Philypp ist für ihn der Sohn,
den er nie hatte.
Der über 60 Winter zählende Oldtmann entspricht so ganz und gar
nicht dem Bild, das man landläufig von einem stattlichen
Repräsentanten des Güldenen hat: von eher schmächtiger Statur,
mißt der Priester gerade 8 Spann. Seine Zerstreutheit tut ein
übriges, den Eindruck zu erwecken, Oldtmann Praioslob sei wenig mehr
als ein verwirrtes, altes Männlein, und kaum ein imposanter derischer
Vertreter des Herre Praios.
Doch wehe man läßt sich auf eine religiöse Diskussion mit
ihm ein. Dann zeigt er ein wahres Feuerwerk an Dialektik und seine fulminante
Gelehrtheit, gepaart mit einem aufrechten und demütigen Glauben an seinen
Herrn. Unter den Novizen heißt es, er könne selbst einen Dämon
bekehren, wenn er es nur versuchen würde ...
Nun ja, das ist selbstverständlich übertrieben, doch ist Praioslob
ein Beispiel mehr dafür, daß sich ein Mensch nur höchst
unvollkommen nach seinem Äußeren beurteilen läßt.
Oldtmann Praioslob ist der uneheliche, aber anerkannte Sohn des Barons von
Sensenhöh und dessen nivesischer Jagdmeisterin - das Erbe der Mutter
läßt sich unschwer an den leicht schrägstehenden Mandelaugen
erkennen. Im Rahmen seines Amtes ist Oldtmann Praioslob eifrig darum
bemüht, daß dem Götterfürsten am darpatischen Hof der
gebührende Respekt und die Verehrung zuteil werden.
Bei Fürstin Imregunde und insbesondere ihrem jüngeren Bruder Ucurian
findet er dabei ein weit offenes Ohr, zählen beide doch zu eingeschworenen
Anhängern Praios', was insofern bemerkenswert ist, wenn man bedenkt,
daß die Herrscherin Darpatiens in besonderem Maße der Traviakirche
verpflichtet ist. der Hauskirche des darpatischen Fürstenhofes.
Seit kurzem gehört der Priester der Gemeinschaft "Communio fratrorum
credentes in PRAios" an, einem neuen Orden des Götterfürsten, für
dessen Verbreitung und Unterstützung sich Praioslob eifrig einsetzt.
Wohl mußte die Fürstin ihn mehrfach zügeln, wenn er allzu
beflissen auf der Suche nach Spendenwilligen war, gibt es doch dieser Tage
manches Anliegen, das der mildtätigen Unterstützung bedarf.
Insbesondere die Peraine- Travia- und Boronstiftungen für die Kriegsopfer
erfordern wahre Unsummen, und mehr als einmal kann man seine Taler nun einmal
nicht ausgeben. Wohl aber kann der Geweihte mit der Unterstützung der
Fürstin rechnen, wenn es darum geht, ein angemessenes Domizil für
den jungen Orden zu finden.
Praioslob Oldtmann ist, wie es einem Diener des Herrn zukommt, in die dreifach
gefaltete weiß-gold-rote Robe seines Standes gekleidet, versehen mit
dem Wappen seines Ordens: dem Greifen in Rot und Gold.
In Rommilys gilt nicht in jedem Viertel gleiches Recht, und so obliegt der
Stadtgarde auch längst nicht in jedem Viertel die Pflicht, für
Sicherheit in den Gassen zu sorgen. Überall dort, wo die Garde nicht
oder nur sporadisch ihre Runden dreht, hat es sich bewährt, des nachts
die Sicherheit des Quartiers einem Nachtwächter anzuvertrauen. Bewaffnet
mit Schwert und Spieß, an dem eine Laterne hängt, sowie einer
kleinen Glocke wandert er mit Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen
und sieht nach dem Rechten.
Manch braver Bürger vermag besser zu schlafen, wenn er die Stimme des
Nachtwächters allabendlich durch die Gassen schallen hört: "Hört
Ihr Leut´ und laßt Euch sagen, die Kögschenglock´ hat
anschlagen! Weg von der Straß' und 'nei ins Haus. Der redlich' Mann
geht nimmer 'naus!"
Und in der Tat erfreut sich der Nachtwächter bei den redlichen Leuten
weit größerer Beliebtheit als bei dunklem Gelichter, unehrlichen
Patronen und leichtlebigen Tunichtguten, die das Gebot nicht achten, die
Nachtruhe zu halten. Mit Strenge sorgt er dafür, daß ein jeder
die Gesetze achtet, und nicht ohne Licht oder Stadtbrief durch die Gassen
schleicht und redliche Bürger um den Schlaf oder Hab und Gut bringt.
Auch daß die Herdfeuer des nächtens ausgelöscht sind, um
Brände zu vereiteln, fällt in seine Obliegenheit.
Bemerkt der Nachtwächter ein Feuer oder gerät er in Bedrängnis
mit einem Schurken, ruft mit der Glocke die Nachbarn herbei, ihm beizustehen.
Keiner darf den Ruf der Glocke unbeachtet lassen, solch Fahrlässigkeit
oder Gleichmut wird schwer geahndet.
Ein Beispiel seines Amtes ist Alrik Bohemunder, Nachtwächter in der
Helmbrechtstadt. Bohemunder hat das Amt von seinem Vater "ererbt". Der kleine
(1,65 Schritt, braune Augen und dunkle Haare), etwas dickleibige Mann mit
dem breiten Lächeln ist sehr beliebt, auch wenn man ihn ob seines Berufes
am Tage nicht viel sieht. Im Alter von 13 durchschritt er zusammen mit seinem
Vater zum erste Male die Straßen und versieht nun fast schon 25 Jahren
diesen Beruf. Er hofft, daß seine jüngste Tochter Felidia einmal
in seine Fußstapfen tritt, denn seine anderen 5 Kinder sind bereits
samt und sonders Soldaten in der Stadtwache von Rommilys.
Bohemunder weiß sehr viel über die nächtlichen Aktivitäten
vor den Mauern, zumal er mit seinen Kollegen in Litzelstatt, Neu-Rommilys
und Gerbervlieth regen Kontakt hält.
So manchen Langfinger und dessen Gewohnheiten kennt er, ebenso wie die
notorischen Amüsierwilligen, die sich um die Kögschenglocke nicht
scheren.
Aber er weiß auch, welcher Galan zu nächtlicher Stunde dieses
oder jenes Haus besucht ...