Ob man hier tatsächlich das Paradies auf Deren finden mag, sei einmal dahingestellt. Unfraglich aber ist das Paradies das Fleckchen auf Rommilyser Grund, wo man alle Arten von Zerstreuung findet. Ursprünglich Mägdeberg geheißen, haben sich hier zunächst Herbergen angesiedelt, die nach dem Gesetz nicht innerhalb der Stadtmauern eröffnet werden durften, wollte man das fremde Volk doch nächtens nicht innerhalb der Mauern wissen. Den Herbergen folgten Gasthäuser, Schenken und Spelunken aller Art, Spielhäuser, Speisestuben etc. etc. und es gehört zu den Verordnungen der Stadt, daß sich neues Gastgewerbe hier anzusiedeln habe - es sei denn, es werde eine besondere Genehmigung erwirkt. Auch das älteste Gewerbe Aventuriens fand hier sein Zuhause, die Liebfrauengasse (wiewohl sich hier mitnichten allein Frauen anbieten) gilt als berüchtigtes Pflaster, doch finden sich Hurenwirte auch in anderen benachbarten Straßen. Nicht zuletzt deshalb wurde das Viertel im Volksmund Paradies geheißen, ein Name, der sich mittlerweile durchgesetzt hat.
Wer immer nach Amüsement und Belustigung sucht, im Paradies wird er fündig werden. Von den gediegenen Gassen gleich vor dem Stadttor einmal abgesehen, in denen sich wohlsituierte Gasthäuser und Weinstuben finden, und wo es nicht minder traviagefällig und gesittet zugeht, als in Aldewyk und Neustadt, herrscht buntes Treiben in den Gassen bis weit über die Mitternachtsglocke hinaus, auch wenn sich das Nachtleben selbstredend mit dem solcher Metropolen wie Havena nicht messen kann. Hier gilt der Schlag der Kögschenglocke nicht und auch die Laternenpflicht ist ausgesetzt. Die Garde kümmert sich eher sporadisch um das, was dort vor sich geht, einzig in den gepflasterten Gassen der besseren" Straßenzüge gehen sie Patrouille und wenn es wieder einmal Not tut, eine Razzia zu machen, sollte das unehrliche Handwerk gar zu sehr Überhand nehmen. Nicht zuletzt deshalb unterhalten die besseren Häuser eigene Söldlinge, die dafür sorgen, daß Haus und Gäste unbehelligt bleiben.
Auf den Plätzen bieten Gaukler und Spielleute auch an anderen Tagen als den Markttag ihre Kunst dar. Unterschiedlichste Menschen bevölkern die Gassen, vom gealterten Lustknaben, der seinen Leib für ein paar Heller feilbieten muß, bis zum wohlbeleumundeten Gastwirt, bei dem allein angesehenste Gäste verkehren. Und selbstredend tummelt sich hier auch allerlei Gesindel: Gauner, die durch Taschenspielertricks (z.B. Hütchenspiel) versuchen, Arglosen die Taler aus der Tasche zu locken, Beutelschneider und Taschendiebe aber auch grobere Gesellen, die vor einem handgreiflichen Überfall und schlimmerem nicht zurückschrecken. Wohl muß man sich fragen, inwieweit die Clans und Banden hier ihre Finger im Spiel haben, und wieviele der Wirte Schutzgeld zahlen, um unbehelligt zu bleiben. Doch merkt man in der Regel nichts von diesen dunklen Geschäften, es sei denn, jemand tanze einmal aus der Reihe.
Zecher ziehen fröhlich durch die lehmgestampften Gassen, auf der Suche nach dem nächsten vielversprechenden Etablissement. Für jeden Geldbeutel gibt es hier ein passendes Lokal. Aus Türen und Fenstern schallt bis tief in die Nacht Musik, Gelächter erfüllt die Luft. Spielsalons, exklusivere Lokale und Bordelle locken auch die wohlhabenden Bürger der Stadt ins Paradies, auch wenn sich die Tummelplätze der Seeleute, der fahrenden Gesellen und anderem gemeinem Volke und denen der Adelstöchter und -söhne, den wohlsituierten Besuchern, sich fein voneinander scheiden lassen, den einen gebühren Darpatplatz, Glockenstieg und Friedholtswehr, die anderen aber sind vornehmlich rund um die Wielandgasse zu finden.
So unterschiedlich wie die Menschen sind auch ihre Häuser. Sind die Gassen rings ums Stadttor durchweg gepflastert und von adretten, mehrstöckigen Fachwerk und Ziegelhäusern gesäumt, warten die Sträßchen und Steige, in denen die wenig Betuchten leben mit weit unangenehmeren Eindrücken auf: die ungepflasterten engen Gäßchen sind dunkel, die Häuschen düster, eng und in schlechtem Zustand. Man lebt beengt, Unrat liegt auf der Straße, zahllose Kinder und Kleinvieh tummeln sich in dem Schmutz. Doch geht es denen, die hier leben noch besser als den Ärmsten der Armen, die sich am Rande des Paradieses in selbst zusammengezimmerten Hütten niedergelassen haben, oder die sich mit einem Quartier unter einer Stiege oder in einem Verschlag in einem der Höfe begnügen müssen. Dies sind arme Lohnarbeiter, die in den Tuchmachereien, Spinnereien und Gerbereien und am Hafen ihr karges Auskommen verdienen müssen, und solche, die auf Betteleien angewiesen sind.
| Der Tempel der Rahja | Badestube | Straße der Gastlichkeit |
| Armbrusthaus | Gasthof Zum grünen Mhanadi |