Rommilys
Stadtbezirk Paradies Linie [ Beschreibung des Stadtbezirkes | Stadtplan von Rommilys ] Linie

Halle der Süßen Verzückung - Der Tempel der Rahja:

Wenig Raum, so möchte man meinen, bleibt in einer traviagefälligen Stadt wie Rommilys für die Gläubigen der Rahja. In der Tat wird dem Kult nur geringe Bedeutung beigemessen, wie sonst läßt es sich erklären, daß der Tempel der Herrin außerhalb der Stadtmauern im Stadtviertel Paradies zu suchen ist, unweit der Hurenhäuser, der Gasse der Straßendirnen und anderer Orten der Lust und des Lasters, deren Namen zwar die Nähe zu Rahja beteuern, ihr in Wahrheit aber ferner sind als kaum etwas sonst auf dem weiten Derenrund.

Die RahjageweihteAls jedoch vor nunmehr 37 Jahren der Wunsch laut wurde, als letztem der 12 göttlichen Geschwister wieder einen Tempel zu errichten (der alte Tempel im heutigen Hafenviertel wurde bei einem Brand 72 v. Hal zerstört und nicht wieder aufgebaut), verwies man die Rahjajünger vor die Tore der Stadt - nicht zuletzt auf Bestreben der Traviakirche, die schon damals unter der Leitung des Hohen Vaters Herdfried stand.

Vornehmlich Ausländer sind es, so heißt es, die dem Kulte der Rahja frönen, Tulamiden und Aranier. Doch ganz richtig ist das nicht, auch unter den gebürtigen Rommilysern gibt es solche, die in der Treue zu Travia und zu Rahja keinen Widerspruch sehen. Weitgereiste sind dies zumeist, solche, die die engen Fesseln der Engstirnigkeit auf ihren Fahrten abzustreifen vermochten. Die 5 Priesterinnen und 3 Priester haben das Beste aus ihrem „Exil" gemacht.

Eine 2 Schritt hohe dichte Rosenhecke schützt den Garten, der die Tempelanlage umgibt, vor den neugierigen Blicken der Passanten. Die gut 2 Finger langen Dornen der Pflanzen sorgen zudem dafür, daß sich kein Neugieriger ein Guckloch bahnt. Von Phex bis Efferd blühen die rosafarbenen Buschrosen, eine Gunst der Göttin. In den warmen Sommermonaten nutzen die Gläubigen gern den Garten für ihre ekstatischen Spiele, und profitieren somit gar von der Lage des Tempels am Stadtrande, denn in der Innenstadt würde man das rahjagefällige Treiben wohl kaum dulden. Ein Badeteich mit Springbrunnen und ein Pavillon laden ebenso zu rahjagefälligen Spielen ein wie die üppig bestandene Blumen-wiese und die kleinen verschwiegeneren Eckchen zwischen Hecken und Büschen.

Im Zentrum des Parks erhebt sich die kuppelgekrönte Tempelhalle aus dem Fels der Trollzacken, denn Marmor kann sich die kleine Gemeinde nicht leisten. Immerhin vermochte man dank der Spende einer wohlbetuchten Gönnerin das Innere des Tempels mit feinem weißem Marmor zu verkleiden.

In der Eingangshalle erwarten einen zwei jüngere Geweihte. Hier kann man sich entweder in ein kurzes Gebet vor der Statue der Stute versenken oder aber um Einlaß bitten. Nach einer Spende geleitet einen einer der Geweihten in das Herzstück des Tempels, die Halle der Verzückung. Hier sind die Wände mit schwerem rotem Samt drapiert, die freskenbemalte Kuppel zeigt Motive aus den sieben Stadien der rahjagefälligen Verzückung. Die Göttin erwartet einen in Gestalt der lustverheißenden Geliebten, auffordernd bietet sie dem Besucher ihre Reize dar, den Weinkelch in ihrer Rechten. Aus diesem fließt in stetigem Fluß warmes Wasser in ein Badebecken. Wer aber das Wasser in göttlicher Ekstase aus dem Kelche kostet, dem wird es wie süßer, perlender und berauschender Wein erscheinen.

Tempeloberste ist die Hohe Geweihte Lyriell, eine einstige Hure aus Rommilys, die sich zum wahren Glauben an Rahja bekehren ließ. Man will es angesichts ihrer jugendlichen, sinnlichen Schönheit kaum glauben, daß sie bereits 38 Sommer gesehen hat, mutet die Halbtulamidin mit ihren funkelnden schwarzen Augen und dem rabenschwarzen hüftlangen Haar doch wie eine junge Maid an.

Zu den Besonderheiten des Rommilyser Tempel gehört es, daß man die rotgewandeten Geweihten oftmals des nächtens die Gassen durchstreifen sieht, im Bestreben den Huren, Lustknaben und ihren Gästen den wahrhaftigen Glauben an Rahja nahezubringen.

Was niemand außer Lyriell weiß, ist daß sich die Schwester der Gräfin von Elenvina, Ailill, vor einigen Wochen nach entbehrungsreicher Flucht in den Tempel geflüchtet hat, um Ruhe zu finden. Unter dem Namen Hathana ist sie als Novizin dem Tempel beigetreten, um ihr Leben in Bälde ganz und gar der Göttin zu weihen.

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Badestube "Zur Munteren Darparelle":

Hier gibt es neben den Freuden eines erquicklichen Wannenbades (den Gästen stehen insgesamt 8 Zuber, davon ein überaus geräumiger, der etwa ein Dutzend Personen bequem faßt, zur Verfügung), Heil- und Kräuterbädern auch eine Dampfbadekammer thorwalscher Art. Helmon Ochsenberg ist zudem als patenter Bader und Barbier bekannt, der seinen Gästen nicht allein Haupt- und Barthaar trefflich zu scheren weiß, sondern sich auch auf das Zahnreißen, Schröpfen, den Aderlaß sowie die Behandlung blutender Wunden versteht. Nähte von Helmon machen kaum Wundbrand - so heißt es - und so ist der Bader eine gute Adresse für all jene, die eiliger Behandlung bedürfen, aber nicht das Geld für einen Medicus aufbringen können.

Helman erhält bei der Ausübung seines Handwerks Hilfe von seinen beiden Töchtern - den Zwillingsschwestern Etta und Phiella - und seinem Sohn Helborn, die sich weder vor dem Anblick schwärender Wunden noch vor rahjagefälligen Diensten scheuen.

Dabei stören sich weder der verwitwete Helman noch seine drei Sprößlinge daran, daß ihnen es in dieser traviagefälligen Stadt als sündhaft angerechnet wird, daß sie sich höchstselbst um alle Belange der Gäste kümmern, statt daß sie Bademaiden und -buben anstellen, wie es in anderen Badestuben üblich ist und als gehörig gilt.

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Straße der Gastlichkeit:

Gleich nahe der Baustelle für die neue Stadtbefestigung kommt man auf eine breite Allee, an sich etliche Gasthöfe, Herbergen und Schenken befinden. Insbesondere Reisende mit leidlich gut gefülltem Geldbeutel wird es hier ein Leichtes sein, ein Quartier oder Speisen nach ihrem Gusto zu finden. Doch auch für schmalere Geldkatzen findet sich hier die passende Unterkunft.

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Armbrusthaus, Sitz der Compagnie Darpatiens Ruhm:

In dem Gebäude an der Perricum-Gasse ist nicht, wie man aufgrund des Mantikorwappens und der schwarzen Armbrust über der Tür vermuten könnte, ein Tempel des dunklen Sohnes der Göttin Rondra untergebracht, hier befindet sich das Hauptquartier der Söldner-Compagnie Darpatiens Ruhm, wie sich die vor 150 Jahren gegründete Einheit nennt. War der Trupp früher einmal fünf Kompanien stark und stand den größten Teil der Zeit im Dienste des regierenden Fürsten, so dienen heute nur noch 30 Rauhbeine unter "Oberst” Andrej Ferjeff, der sich dem zum Trotze wacker bemüht, an die einst ruhmvollen Zeiten anzubinden. Leider ist der Erfolg recht bescheiden, so daß sich die Söldner fast ausschließlich damit begnügen müssen, Reisende in die Trollzacken oder einen Handelszug bis nach Gareth oder Perricum zu begleiten. Und so träumt Ferjeff von einer neuen Ogerschlacht, in der "seine Jungs un’ Mädels” Gelegenheit hätten, sich endlich einmal wieder richtig zu beweisen.

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Gasthof Zum grünen Mhanadi:

Vor vier Jahren kam Chadim ben Yali Chadim nach Rommilys, wo er das Speiselokal Zum Grünen Mhanadi eröffnete. Der Novadi wohnt mit seiner Familie im obersten Stockwerk des dreigeschossigen, weißgetünchten Gebäudes. Da ihm weiland das Geld fehlte, einen Lehmbau im Stil seiner Heimat zu errichten, mußte er mit einem typisch darpatischen Haus vorlieb nehmen, doch hat Chadim sich alle Mühe gegeben, seinem Domizil zumindest einen tulamidischen Anstrich zu verpassen. Nach einigen Umbauten - so wurde das spitzgiebelige Dach durch ein Flachdach ersetzt, was allerdings angesichts des regenreicheren darpatischen Klimas und des nur bedingt dafür geeigneten Hauses bisweilen zu feuchten Wänden führt - ist Chadim seinem Ziel weit näher gekommen, und das Haus ist nicht allein unter den tulamidischen Gästen der Stadt wohlbekannt.

Im Erdgeschoß hat Chadim einen kleinen Spezialitätenladen eingerichtet, in dem sein ältester Sohn süßen Wein, exotische Früchte, Tee, fremdartige Gewürze und Zutaten für die tulamidische Küche feilbietet. Das Lädchen gleicht einem der Stände im Basar von Fasar, exotische Düfte liegen in der Luft, Gewürzbündel hängen von der Decke, in Fässern und Säcken werden Datteln, Arangen, Oliven etc. angeboten. Stets werden nur die frischesten Zutaten von höchster Qualität feil geboten.

Im Nachbarraum findet sich die Küche, das Reich von Chadims Frau Aysha, seiner Schwester Hayalla und seiner Töchter Sadjinnya und Yeshel.

Im Stockwerk darüber, das durch einen Treppenaufgang zu erreichen ist, befindet sich die Gaststube, die mit aller Pracht des Landes der ersten Sonne eingerichtet ist. Prachtvolle Wandteppiche schmücken die Wände, in Fabelwesen nachempfundenen, vergoldeten Gefäßen stehen Purpurfarne und Dattelpalmen. Die Decke ist mit tulamidischen Ornamenten ausgemalt, vor den spitzkuppeligen Fenstern sind filigran geschnitzte Gitterchen mit Arabesken und Blumenornamenten angebracht - einziges Zugeständnis an das kühlere Klima sind Butzenscheiben aus feinstem blauen Goldfelser Glas. Die werten Gäste ruhen auf echten tulamidischen Sitzkissen, wobei sie genüßlich Cheriacha aus der Wasserpfeife rauchen können. Entsprechend anspruchsvoll sind die angebotenen Speisen: Alle Wohlgenüsse der tulamidischen Küche bekommt man hier, so in Palmöl gekochten Reis mit Pilaw, mit reichlich Safran und Khunchomer Pfeffer gewürzt. Dazu trinkt man Dattelwein und stark gesüßten schwarzen oder Minztee. Besondere Aufmerksamkeit verdient die reichhaltige Auswahl an novadischen Gerichten, die traditionsgemäß salzig, fettig und süß sind.

Für strenggläubige Gäste hält Chadim Kefter Geschirr bereit, das garantiert von keinem Ungläubigen berührt worden ist. Selbstredend trifft man sich hier auch zum Rote und Weiße Kamele oder Garadan. Bei entsprechendem Aufgeld bezaubert gar eine südländische Schönheit mit einem geschmeidigen Schleiertanz die Gäste. Soviel Luxus hat selbstredend seinen Preis, unter einem Goldstück für ein dann aber immerhin 8-gängiges Mahl, das sich über den ganzen Abend hinzieht, kommt man auch mit besten Feilschkünsten nicht weg.

Bewirtet werden die Gäste von Yussuf und Chaled, zweier Söhne des Novadis. Chadim beschränkt sich darauf, darauf zu achten, daß seine Gäste zu deren Zufriedenheit beköstigt werden. Er und seine Sippe geben sich alle Mühe den Gästen ein Stück seiner Heimat zu vermitteln. Zu dem Anwesen gehört neben einem kleinen Kräutergarten und einer eigenen Badestube (die jedoch allein der Familie vorbehalten ist) ein Stall. Dort stehen ein prachtvolles Shadif und Chadims mittlerweile leicht betagter Bidenhöcker. Auf letzterem reitet Chadim gerne stolz über den tula-midischen Bazar, und er genießt ob dieser Auftritte schon einige Berühmtheit in der Stadt. Doch kümmert es den Novadi wenig, ob man sich über seine Schrullen mokieren mag oder nicht.

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