Vielgerühmt ist die Stadt auf den Darpathügeln, nicht allein wegen der sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme, mit der der Wanderer empfangen wird, ist es doch der Geist Travias, der die Stadt beherrscht, sondern auch weil Rommilys eine Geißel fehlt, die einen selbst im güldenen Gareth trifft: dem allgegenwärtigen Gestank in den Gassen nach Unrat. Kann sich Rommilys doch einer ganz besonderen baumeisterlichen Errungenschaft rühmen: des Kanalisationsnetzes, das sich durch weite Teile der Stadt zieht und die Fäkalien der Bewohner weit von ihren Behausungen im Darpat ablädt. Nicht alle Stadtteile sind an das System von Röhren und Kanälen angeschlossen, namentlich das Armenviertel und die Viertel außerhalb der Mauer, sind die Bau- und Instandhaltungsarbeiten doch überaus kostspielig. Vor diesem Hintergrund mag es denn auch nicht weiter verwundern, daß im letzten Götterlauf ausgerechnet das Ausländerviertel - wiewohl keiner der dort ansässigen Bürgerrechte genießt - vollständig in das Netz integriert wurde. Hinter vorgehaltener Hand wird von hohen Zahlungen einiger Botschafter und Handelskompanien geflüstert.
Seit dem Jahre 82 v. Hal wird von den Bürgern der sogenannte
Kanalpfennig erhoben, nicht etwa, um die Gänge und Röhren
instandzuhalten, sondern als willkommene Zusatzeinahme des fürstlichen
Hofes. Auf die erstaunte Frage seines Stadtvogtes, ob sie tatsächlich
mit dem Unrat der Bürger Geld zu machen gedenke, ist der Ausspruch der
Fürstin Talantra überliefert:"Geld stinkt nicht!"
Weite Gänge und Röhren aus Stein sind es, die wie ein Straßennetz unter Tage die Stadt durchziehen. Damit jedoch kein dunkles Gelichter hinabsteigt, sind die Eingänge vergittert, und die städtischen Kanalbüttel durchschreiten die "Via Cloaka" (auch "Kaiser-Hal-Gedächtnis-Kloake" genannt - der Setzer) nicht nur, um nach möglichen Beschädigungen Ausschau zu halten. Es hat seinen Grund, daß nur Unfreie dieser Tätigkeit nachgehen, und dies auch nur mit essiggetränken Tüchern vor dem Gesicht, denn der Gestank der Exkremente läßt sich in den Augen der Bürger auch mit alanfaner Seife nicht abwaschen. Vor allem die Kinder machen sich gerne einen Scherz daraus, mit zugekniffenen Nasen hinter den "Kanalgrafen" (wie die Büttel spöttisch genannt werden) herzurennen und ihnen Spottreime nachzurufen.
Und doch sind nicht nur Kanalbüttel in den Gängen anzutreffen.
Gerade die Brauer und Winzer sind dafür berüchtigt, ihre Weinkeller
und Faßlager tiefer als erlaubt zu graben, vorgeblich, um so bei einer
Belagerung einen Ausweg aus der Mausefalle zu haben, tatsächlich aber
wohl eher, um den wachsamen Zöllnern an den Toren hier und da ein
Schnippchen zu schlagen. Zwar stehen hohe Geldstrafen auf das widerrechtliche
Graben eines Tunnels, und es werden auch immer wieder solche illegalen Stollen
vermauert, doch gibt es dennoch eine unbestimmte Anzahl von Häusern,
die einen Zugang zur Kanalisation besitzen, und man munkelt gar, daß
selbt KGIA und Magierakademie das unterirdische Gangsystem nutzten, um über
einen Durchlaß zwischen ihren Gebäuden zu verfügen, der nicht
vor jedermanns Auge liegt.