Das Gerbervlieth zählt zu den jüngeren Vierteln der Stadt am Darpat.
Nicht allein Gerber, wie der Name nahe legt, haben sich hier angesiedelt,
auch andere Berufe, die der Nähe des Flusses bedürfen, sind hier
beheimatet - insbesondere aber solche, bei deren Handwerk üble Gerüche
und Abwässer entstehen oder sonstwede Belästigung der
einflußreichen Bürger droht. So findet man hier neben dem
Lederhandwerk Färber, Filzer und Tucher, außerdem ist der Viehmarkt
hier beheimatet, in seiner unmittelbaren Nachbarschaft der städtische
Schlachthof und mit ihm Wurstereien, Pökler und Räucherhütten.
Zwar werden Fleisch und Wurstwaren auf den Märkten und Fleischbänken
der Stadt feilgeboten, schlachten jedoch darf man seit einem Erlaß
einzig im Schlachthof und nicht mehr wie bis dato üblich auf der
Straße.
Auch andere Handwerker haben sich in den letzten Jahren hier niedergelassen,
wie z.B. Hornschnitzer und viele zunftungebundene Handwerker, die man in
der Kernstadt nicht dulden wollte oder die sich die Pachten und Kaufpreise
für Häuser nicht leisten können. Zudem ist hier die
fürstliche Papiermühle beheimatet, wo aus Lumpen treffliches
Büttenpapier hergestellt wird.
Allgegenwärtig sind die
Gerber- und Färbergruben, Vlieths genannt, die über schmale
Kanäle mit dem Fluß verbunden sind. Schieber regeln den Zu- und
Abfluß des Darpatwassers.
Schier unbeschreiblich ist der Gestank, der den zumeist offenen Gruben
entströmt, so daß dem, der es nicht gewohnt ist, angesichts der
scharfen und beißenden Dämpfe auch einmal die Luft wegbleiben
mag. Welch Kontrast zum restlichen Rommilys. Ein Gutteil des Handwerkes hier
gilt als wenig gut beleumundet, denn der Gestank der Loh- und Färbegruben
läßt sich auch nach dem Tagwerk nur schwerlich abwaschen.
Nichtsdestotrotz sind hier redliche Leute zu Hause, die sich ihr Auskommen
in harter Arbeit verdienen. Bis auf wenige Gassen rings um den Viehmarkt
sind die Straßen nicht gepflastert, schlichte Fachwerkhäuschen
beherrschen das Straßenbild. Hier erhofft man sich viel vom Neubau
der Stadtbefestigung, bedeutet es für das Gerbervlieth doch einen enormen
Prestigegewinn, auf diese Weise zur Kernstadt zu gehören. Ist dies erst
einmal geschehen, werden gewißlich auch Bestrebungen laut werden, dem
Viertel und seinen Bewohnern mehr Privilegien und Rechte zu erkämpfen.
An der Grenze zwischen dem Vergnügungsviertel Paradies und dem Gerbervlieth
befindet sich ein Spital der Perainekirche und der Mephaliten, ein Siechenhaus
für Aussätzige und andere Schwerkranke, Spital zu Ehren und
Gedenken des Heiligen Therbûn geheißen. Daran angeschlossen
ein Hospiz (Die Halle der seligen Friedens) für jene, die keine
Aussicht auf Heilung mehr haben. Dort wird den Schwerstkranken Obdach und
Pflege geboten, bis Boron sie zu sich nimmt. Spital und Hospiz sind nur ein
weiterer Ausdruck der regen Aktivitäten mildtätiger Gruppierungen
in der Stadt. Träger sind nicht allein die Tempel, auch viele wohlbetuchte
Bürger der Stadt unterstützen diese Einrichtungen tatkräftig.