Der "Tempel von der Heiligen und Unerschütterlichen Leuin" zu Rommilys:
Als ein Teil der Senne Mittelland der Rondrakirche ist der Rommilyser Tempel trotz oder besser wegen der Nähe zu Perricum als unverhältnismäßig klein zu bezeichnen, betrachtet man die Größe Rommilys'. Immerhin, Fürstin Irmegunde - die Herrscherin ist eine glühende Anhängerin der Leuin - und der fürstliche Hof sorgen dafür, daß es dem Tempel an nichts mangelt. Selbst wenn man die Edlen nur selten in der Bethalle des Tempels sieht, beherbergt die fürstliche Festung doch einen eigenen Rondratempel, legt die Fürstin großen Wert darauf, daß die Stimme der Leuin auch in Rommilys Gehör findet. So ist damit zu rechnen, daß der Stadtvogt in Kürze auf Geheiß der Fürstin den Stadtrat dazu bewegen wird, den Wünschen des Rondratempels zu folgen und die Reliquienhändler aus dem Tempelbereich bei Strafe zu verbannen.
Des weiteren zählen Angehörige der Goldenen Raben" oder der Einheiten des fürstlichen Leibregiments zu der rondrianischen Gemeinde.
Größter Schatz des Tempels ist die Schlachtaxt des Helden Ludian von Rabenmund, Baron zu Zwerch, der sein Leben in der Ogerschlacht in heldenmütigem Kampfe gab, als er allein mehrere Stunden einen engen Paß wider die anstürmenden Horden hielt und so der Armee Zeit gab, sich neu zu formieren.
Die noch verhältnismäßig junge Tempelmeisterin Eborella von Hardsteen gebietet über zwei Ritter der Göttin, vier Knappen, sowie neun Novizen.
Des öfteren kann man Eborella in Begleitung der fürstlichen Zeugmeisterin Baronin Dythlind von Bregelsaum zu Mistelhausen in der Taverne Heiliges Schwert" in ein Spiel Imrah vertieft sehen, wo die beiden eingehend militärische Probleme diskutieren.
Das langgestreckte Gebäude ist leicht als Haus der Rondra erkennen, denn die beiden aufgemalten Zweihänder mit der Feuerlilie in der Mitte über der Tür fallen sofort ins Auge. Schwertmeister Rondrik ya Carringo lehrt allerdings eher den Umgang mit Degen und Schwert, denn den mit Zweihänder und Streitaxt. Und dies auch nur einer kleinen auserwählten Gemeinde, die in der Lage ist, das hohe Schulgeld aufzubringen. Carringo ist einer der wenigen Privatlehrer im Lande und seine Fähigkeiten als Lehrer sind weithin gerühmt. Und so lernten schon Persönlichkeiten wie Baron Dexter Nemrod oder Alrik von Bregelsaum, Neffe des Markgrafen von Warunk, hier die edle Kunst der Selbstverteidigung.
Weniger bekannt ist, warum der Fechtmeister manchmal wochenlang nicht in Rommilys weilt, abgereist mit unbekannten Ziel, auf unbekannte Dauer. Aber es muß ja auch nicht jeder wissen, daß Rondrik selbst für die KGIA arbeitet, mehr aus Abenteuerlust denn aus Geldgier oder Treue zum Mittelreich. Oft wirbt er inkognito durchreisende Helden an, Handlangerdienste zu erledigen, Nachforschungen zu betreiben oder ihn gar bei einem Auftrag zu begleiten. Die nämlich werden höchstwahrscheinlich den bekannten Sohn der Stadt nicht kennen und deshalb auch keine dumme Fragen stellen, warum der berühmteste Fechter der Stadt z.B. plötzlich in die Trollzacken reist, um jemanden zu verfolgen...
Die Fürstlich Rommilyser Garnison ist in einem eigenen Gebäudekomplex im Stadtteil Donnerfeld untergebracht. Im Gegensatz zu vielen anderen mittelreichischen Kasernen ist die Garnison nicht Teil der Stadtmauer.
Seitdem das Elitegarderegiment Ogerwacht bei der Schlacht gegen die Orks auf den Silkwiesen fast völlig aufgerieben wurde, befinden sich hier nur noch fürstliche Einheiten.
Der Stab des Regimentes ist nach Gallys verlegt worden, und man ist dabei, die arg gelichteten Reihen der Ogerwachter allmählich wieder zu füllen.
Außer dem II. Fürstlich-Darpatischen Gardebanner Trollzacker Klingen beherbergt der schlichte Bau den Fürstlichen Kurierdienst, auch Teile des Oberkommandos sind hier untergebracht. Außerdem befinden sich ständig einige Dutzend "zivile Bedienstete in der Garnison, zumeist Knechte und Schreiber.
Die Mannschaftsquartiere sind nicht gerade eine Zierde für die Stadt, schnell hochgezogene, gleichförmige Bauten aus Ziegel, dazu Scheunen und Stallungen und das Stabsgebäude.
Der Exerzier- und Übungsplatz wird häufig genutzt, zumal jetzt, in Zeiten der aufziehenden Bedrohung.
Garnisonskommandantin ist Hauptfrau Niadine von Alveranswind, die von ihrem Stab von Korporalen, Adjutanten und Dienern darin unterstützt wird, die Garnison zu führen.
Das fast 20 Schritt hohe Kuppelgebäude am Platz der Schwerter ist ein wahrer Blickfang. Schon kurz nach der Ogerschlacht ließ Hildelind dieses Museum erbauen, das an den heldenhaften Sieg der Truppen des Mittelreiches gegen die mehr als 1000 Oger erinnern soll.
Zwei Obelisken, auf denen Szenen der Schlacht
eingemeißelt sind, flankieren die Freitreppe, die zum Eingang des
Gebäudes führt. Nachdem der Besucher einen Obulus von fünf
Hellern gezahlt hat, kann er Erinnerungsstücke wie einige Skelette von
Ogern, das zerbrochene Schwert, das Helme Haffax während der Schlacht
trug, die zerschmetterte Rüstung Ludians von Rabenmund zu Zwerch oder
die verkohlten Überreste des Ogerlöffels bewundern, wobei letzterer
bald an das Museum für Reichsgeschichte in Gareth ausgeliehen werden
soll.
Doch nicht nur diese Exponate sind hier zu bewundern: seltene Waffen, Fahnen und Siegestrophäen aus vielen hundert Götterläufen, die vom Ruhme der Darpatier als Kämpfer künden, werden dem staunenden Publikum dargeboten.
Für Liebhaber architektonischer Finessen ist das Gebäude allein schon einen Besuch wert, hat doch der Architekt einige ausgefallene Ideen verwirklicht.
So ist die Kuppel übersät mit bleigefaßten Bergkristallsplittern, die, wenn das Sonnenlicht darauf fällt, in allen Farben des Regenbogens glitzern. Gerade bei Sonnenauf- und -untergang ergeben sich so Farbspiele von erhabener Schönheit.
Auf dem Platz zwischen Ogerschlachtmuseum und Rondratempel findet ein schwungvoller Reliquienhandel statt. Die Feilscher bieten den Reisenden Ogerknochen vom Schlachtfeld des großen Kampfes gegen die Oger feil, auch Ogerzahnketten sind sehr beliebt.
Die meisten der "Reliquien sind von fleißigen und geschickten Händen aus Rinderknochen geschnitzt und täuschend echt, denn wer hat schon jemals echte Ogerknochen gesehen?
Wiewohl die Rondrianer es nicht gerne sehen und des öfteren einmal die frechen Händler (meist Kinder und Jugendliche) vertreiben, ist dieser Plage doch kaum Herr zu werden, zumal der Stadtrat trotz mehrfacher Bitten des Tem-pelvorstehers bislang noch nicht geruhte, geeignete Schritte zu unternehmen. Die Rechtslage in Donnerfeld macht es den frechen Händlern aber auch leicht, gilt Rondras Gesetz doch allein innerhalb der kleinen Immunität, nicht aber in den unmittelbar benachbarten Gassen.
Einzig als im vergangenen Jahr eine Frau die (vermeintlichen) Knochen des berühmten darpatischen Recken Ludian von Rabenmund zu Zwerch feilbot, wurde sie wegen Boronfrevelei an den Pranger gestellt, gestäupt und anschließend der Stadt verwiesen.