Rommilys
Familienclans in RommilysLinie

Dunkle Gestalten und hehre Gesellen - Familienclans in Rommilys

erschienen im Rollenspielmagazin "Der Letzte Held" Nr. 40 (Drachenland Verlag)

Einige dieser Motive wurden in einem (noch nicht veröffentlichten) Abenteuer von Björn Berghausen aufgegriffen und finden sich in der Geschichte Doppeltes Spiel wieder.

Ein Wort vorweg

Fragt man einen Rommilyser Bürger danach, wer die Geschicke der Stadt leitet, so wird er antworten, die Fürstin und unsere Mutter Travia.

Wohl gesprochen und dennoch nicht ganz richtig, denn neben diesen offenkundigen Herrschern der Stadt gibt es noch andere, weit unauffälligere und oftmals ganz im Verborgenen wirkende Mächte: die einflußreichen Familienclans in Rommilys.

Durch Phexens Segen und Geschäftssinn sind die meisten zu Geld und damit auch zu Einfluß gekommen, doch längst nicht allein durch lukrativen Handel. Manche Reichtümer sind auf Wegen zusammengeflossen, die unter Praios scharfem Auge kaum bestehen könnten. Wucher, Schmuggel, Hehlerei, Schwarzhandel, Betrug, aber auch Schutzgelderpressung, Raub und Gunstgewerbe füllen die dunklen Kassen dieser Herrschaften. Und wo der eine sich auf seine Gerissenheit verlassen mag, vertraut ein weniger fein gestrickter Patron viel lieber auf seine Schläger.

Der folgende Exkurs soll den Leser in diese Verstrickungen einweihen und dem Spielleiter Stoff für manches Szenario in Rommilys bieten. Denn, offengestanden, wer kann schon von sich behaupten, er gehe bei der Fürstin ein und aus oder verkehre mit den hohen Patriziern der Stadt? Mit dunklen Machenschaften aber werden die meisten Helden tagaus, tagein konfrontiert ...

Der Aufstieg der Familien (10 - 28 Hal)

Seit Jahren schon tobt der Krieg zwischen kaiserlichen Truppen und maraskanischen Separatisten. Es ist ein harter und über alle Maße entbehrungsreicher Krieg, der insbesondere der mittelreichischen Armee schwerste Opfer abfordert. Darpatische Truppen bilden das Rückgrat des Kaiserlichen Heeres auf Maraskan.

Doch nicht allein Opfer fordert dieser kaum zu gewinnende Krieg: Die Truppen wollen wohl versorgt sein, mit Waffen, Ausrüstung und Nahrung. Nicht alleine in Rommilys gibt es solche, die mit der Versorgung der Truppen viel Geld verdienen. Noch mehr allerdings mit der illegalen Einfuhr maraskanischer Waren und dem Waffenschmuggel. Insbesondere eine Familie steigt in dieser Zeit wie ein Lichtvogel aus der Asche empor, um eine bedeutsame Rolle in der rommilyser Gesellschaft einzunehmen: die der Finsterbinge.

Einige Jahre später bedroht der zweite Zug der Oger das Reich. Neben den schwer heimgesuchten Tobriern werden insbesondere darpatische Truppen gegen den Gegner geführt. Nach der Entscheidungsschlacht an der Trollpforte sind die Kassen der Adeligen und der Fürstin von Darpatien leer. Zu viele Dukaten hat das Ausrüsten des auf Sollstärke gebrachten Heeres gekostet. Und auch nach dem Sieg der Kaiserlichen gibt es einen großen Finanzbedarf für die erneute Aufrüstung des Heeres. Noch lange nach dem Sieg der Mittelreicher zeigen sich noch die belastenden Auswirkungen des Heerzuges: Nahrungsmittel müssen für die vielen Flüchtlinge herangeschafft werden, zudem Rohstoffe für die Waffen- und Rüstungsschmieden. Da die Landwehren mitten in der Erntezeit auf das Schlachtfeld geführt werden mußten, wird es erforderlich Vieh in größerem Ausmaß zu schlachten. Mißernten in den Folgejahren fressen die finanziellen Reserven auf.

Die Notlage begünstigt den Aufstieg einiger Rommilyser Familien: Die Finsterbinges, von Kalmbachs, Rauhwälder, Nebelsteiner und wie sie alle heißen.

Nicht alleine, daß der Handel mit begehrten Gütern ihre Kassen füllt. Ihre stattlichen Gewinne geben sie in Form von gutverzinsten Krediten an den Adel zurück. Viele Adelige können die geliehenen Summen aber nicht zum festgesetzten Tag zurückzahlen. Um sich aus dieser Notlage zu befreien und den sonst drohenden Landverkauf zu vermeiden, sind die meisten nur allzu gerne bereit, ihre Schuld in Form von Privilegien abzugelten.

Als krassestes Beispiel ist das Schicksal des ältesten Sohnes Kaiser Bardos, Baron Darian v. Gareth zu Rotenzenn (Trollzacken), zu nennen. Belehnt mit einer wenig ertragreichen Baronie, zudem ohne bedeutendes Amt, welches zu entsprechenden Einkünften führt, ist der Kaisersohn weder willens noch in der Lage, seinen aufwendigen Lebensstil auf ein angemesseneres Maß zurechtzustutzen. Die Finsterbinges, bislang zwar zu stattlichem Reichtum aber wenig Ansehen gekommen, bieten dem Baron an, seine Ausgaben zu bestreiten, wenn er im Gegenzug ein Mitglied der Familie zum Verwalter seiner Baronie ernennt. Darian ließ sich ohne weitere Nachfragen auf den Handel ein, die Finsterbinges kamen so nicht allein zu Rang und Namen, zudem können sie in der Baronie schalten und walten wie sie wollen, denn Baron Darian hält sich fast nie in dort auf.

Besonders leichtes Spiel haben die findigen Geschäftsleute mit jenen "Neubaronen", die Kaiser Hal im Jahre 10 und 16 Hal in den Adelsrang erhob: verdiente Abenteurer und Kämpen nicht adeligen Geblüts. Die frisch Bestallten verfügen meist über keinerlei Erfahrung in der Verwaltung ihrer Lehen, zudem verweigern ihnen die alteingesessenen blaublütigen Adeligen in der Regel ihre Unterstützung durch Rat und Tat. Folglich erliegen diese Barone leicht den Einflüsterungen findiger Geschäftsleute, die sie mit vermeintlich großzügigen Darlehen locken.

Jedoch sind es nicht allein die niederen Adelshäuser, die auf die monetäre Unterstützung des "Geldadels" zurückgreifen. So entwickeln die Rauhwälder und Nebelsteiner äußerst enge Verbindungen zu den alteingesessenen Bregelsaums, während die Finsterbinges eher dem darpatischen Herrscherhaus und damit den Rabenmunds zuneigen.

Zwar ist der Einfluß, den die Familienclans ob dieser überaus vertraulich gehandhabten Geschäfte nehmen, kaum so offenkundig, wie in o.g. Beispielen. Aber die Häupter besagter Clans wissen durchaus, ihre Karten ins hohe Spiel der Politik zu mischen.

Als Kaiser Hal mit seinem Kronprinzen Brin Rommilys nach der gewonnenen Schlacht an der Trollpforte einen Besuch abstatten will, plant Answin einen erneuten Anschlag den Thronfolger zu beseitigen. Klüger geworden, will er sich diesmal nicht irgendwelcher hergelaufener Abenteurer bedienen. Statt dessen vertraut er den in solch delikaten Angelegenheiten erfahrenen und erprobten Familie Finsterbinge und den Firunslichts, einem den Rabenmunds treu ergebenen, trollberger Adelsgeschlecht.

Doch durch Zufall wurden diese Pläne von einem Agenten des FDEA (Fürstlich-Darpatische Erkundungs-Abteilung - der fürstliche Geheimdienst) entdeckt. Es sollte ihm nicht mehr gelingen, dieses Wissen an reichstreue Stellen weiterzugeben, Meuchler im Dienste der Finsterbinges schlugen unbarmherzig zu. Nichtsdestotrotz wurden die Attentatspläne sicherheitshalber aufgegeben.

Die aus diesem Vorhaben resultierenden Verbindlichkeiten zwischen den drei Häusern wirken jedoch noch bis auf den heutigen Tag fort, auch wenn nur wenige Angehörige der Familien Rabenmund und Firunslicht davon auch nur den Ruch haben.

Es ist die goldene Zeit der Familienclans in Rommilys. Nie zuvor und niemals danach sollten die Familien solchen, teils ganz unbemäntelten Einfluß auf das Leben der Stadt am Darpat nehmen. Rauhwälder, Nebelsteiner und Finsterbinges ziehen an allen Fäden, die ihnen zu Gebote stehen. Ihnen verpflichtete Personen gelangen durch Bestechung und Absprachen in Stadtgarde und Stadtverwaltung, nicht lange und es gibt kaum eine bedeutsame Entscheidung, die im Grunde nicht von zumindest einer der Familien bestimmt wird. Einzig die von Kalmbachs nutzen ihren Einfluß weit zurückhaltender, womöglich aus Furcht, daß ihnen erneut ein Schicksal drohen könnte, wie vor 200 Jahren, als sie Opfer einer politischen Intrige waren und Besitz und Heimat verloren.

Die Familien kooperieren in diesen Jahren in Maßen, da man ähnliche Interessen verfolgt und der Kuchen groß genug erscheint.

Doch mit der Thronbesteigung Answins wird alles anders. Die Finsterbinges versorgen Answin und seine Getreuen mit Waffen und Ausrüstung. Zunächst scheinen sie die großen Gewinner zu sein, da die Bregelsaums sich abwartend verhalten. Damit geraten die Rauhwälder und Nebelsteiner ins Hintertreffen. Sie sehen ihre Felle davon schwimmen. Eine Vormachtstellung der Finsterbinges aber wollen sie nicht akzeptieren. Auf eigene Faust unterstützen sie die Loyalisten von Perricum mit Waffen und Ausrüstung, um die Bregelsaums zum Handeln zu zwingen und die Position der Answinisten zu schwächen.

Außerdem lassen die Rauhwälder Lefke von Rabenmund, die jüngste Tochter der Fürstin, entführen, um Hildelind unter Druck zu setzen, ein Plan, der letztendlich jedoch scheiterte.

In dieser Zeit findet der brüchige Frieden der Familien ein blutiges Ende: Das Familienoberhaupt der Finsterbinges, Fredo, und sein ältester Enkel Merkan fallen einem Attentat zum Opfer. Über die Drahtzieher wird viel gemunkelt, doch bleibt es zunächst bei dieser einen Mordtat.

Schließlich obsiegen die Loyalisten im Kampf um die Kaiserkrone. Dennoch soll es den Rauhwälders und Nebelsteiners nicht gelingen, daraus den erhofften Gewinn zu ziehen.

Wiewohl Answin und Hildelind als Verräter gebrandmarkt werden, bleibt die Fürstenkrone Darpatiens in der Hand der Rabenmunds. Auch ohne bestätigende Antwort aus Gareth, verbleibt die fürstliche Familie, nunmehr unter der Führung der ältesten Tochter Hildelinds, Irmegunde, im Palast. Wiewohl es landauf, landab etliche Stimmen gibt, die fordern, einen jeden Rabenmund zu entlehnen, läßt sich die Familie davon nicht anfechten und beharrt auf ihrer Position. Die Bregelsaums können sich nicht dazu durchringen, ihre Kontrahenten mit Gewalt aus dem Fürstenpalast zu vertreiben, allen Einflüsterungen durch Rauhwälder und Nebelsteiner zum Trotze. Immerhin ist die Situation für die Rabenmunds und damit auch die Finsterbinges so brenzlig, daß die neue Familienchefin, Fredos Witwe Erdane, anordnet, daß die Blutrache für die Mordtat an Fredo und Merkan ausgesetzt wird.

In den Jahren 19 bis 21 Hal verlieren die Finsterbinges einen Gutteil ihres Einflusses in der Stadt. Zu wahrscheinlich ist, daß der Stern der Rabenmunds fallen wird, und mit ihnen der ihrer Gefolgsleute. Ehemals treue Mitstreiter wechseln die Seite, und vor allem die Rauhwälder scheinen zu triumphieren.

Nach dem Hoftag zu Gareth 21 Hal wendet sich das Blatt. Irmegunde von Rabenmund wird als Fürstin bestätigt, die Finsterbinges fordern alte Verbindlichkeiten ein. Frisch gestärkt macht man sich daran, für all das Rache zu nehmen, was man an Schmähungen und Niederlagen in den letzten Jahren hinnehmen mußte. Ein regelrechter Familienkrieg bricht los.

Zunächst wird die Familie der Rauhwälder nach und nach ausgelöscht. Den Nebelsteiners gelingt es, sich weitestgehend in diesen oft blutigen Auseinandersetzungen zu behaupten und gar Bereiche, die zuvor in der Hand der Rauhwälder waren, zu übernehmen. Doch eines Morgens im Jahr 22 Hal dringen Meuchelmörder in die Villa der Nebelsteiners ein und bringen das Familienoberhaupt, seine Frau, eine Tochter und zwei Leibwächter hinterrücks um.

Wiewohl die meisten, die es überhaupt wagen, einen Verdacht zu äußern, vermuten, daß gedungene Mörder der Finsterbinges hinter der Bluttat stecken, wird es wohl ewig ein Geheimnis bleiben, wer der wahre Drahtzieher war.

Der Auftrag kam aus dem Fürstenpalast: Grabunz von Dargezin, Hildelinds Gatte, ersuchte die Finsterbinges (von den Verbindungen der Familie zu Answin nichts ahnend) darum, die Entführer und Peiniger seiner Tochter Lefke zur Rechenschaft zu ziehen.

Dieser Tag war das Ende der Familie Nebelsteiner, die seitdem in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind, und zugleich auch das vorläufige Ende des Clankrieges. Nutznießer ist die Familie Wolfsfelder, Handlanger der Rauhwälder und Nebelsteiner, die nunmehr versuchen, in deren Fußstapfen zu treten.

Auch andere, bislang unbedeutende Familien bemühen sich die verwaisten Geschäfte der Nebelsteiner und Rauhwälder an sich zu bringen. Doch am erfolgreichsten bleiben die Wolfsfelder, auch wenn es ihnen verwehrt bleiben soll, den Einfluß der alten Clans zu gewinnen. Nichtsdestotrotz werden die ehemaligen Fuhrleute und Stellmacher zu der bestimmenden Macht im Hafen.

Die Finsterbinges betrachten ihre neuen Konkurrenten mit großer Skepsis und wohl auch einer gehörigen Portion Arroganz, die Wolfsfelder gelten nicht zu Unrecht als ungehobelt und kaum geeignet, jemals den Aufstieg in die Patrizierschicht zu schaffen. Man beschließt, ihnen die eroberten Pfründe zu überlassen und von weiteren Auseinandersetzungen abzusehen.

Auf ganz andere Art und Weise profitieren die von Kalmbachs, die sich erfolgreich aus dem Krieg 21/22 Hal herausgehalten haben, von der Situation nach dem Sturz Answins und dem Tode Hildelinds: Sie werden zum größten Kreditgeber der frischgekürten Fürstin und erringen so deren Verbindlichkeit.

Die enge Beziehung zum fürstlichen Haus findet ihren Ausdruck z.B. darin, daß den von Kalmbachs gestattet wird als einzige Händlerfamilie der Stadt am Neuen Markt, dem merkantilen Herz der Stadt, ihr neues Kontor- und Bankhaus zu beziehen, während alle anderen Kaufleute sich mit den umliegenden Gassen oder einem Sitz in Aldewyk oder im Hafen begnügen müssen.

Erst im Jahr 27 Hal wird der Waffenstillstand zwischen den Familien wieder gestört, als Arcred, der älteste Sohn des Familienoberhauptes der Wolfsfelder, nach längerem Aufenthalt in der Ferne, mehr und mehr darauf drängt, daß die Familie einen neuen, aggressiveren Kurs einschlägt. Hatte man sich zuvor mit seinem "Revier" im Hafenviertel und einigen Gassen des Paradieses begnügt, dringen nun nach und nach die Wolfsfelder in das "Herrschaftsgebiet" der Finsterbinges ein. Neue Auseinandersetzungen bahnen sich an. Auf Acreds Bestreben versuchen die Wolfsfelder sich daran, Rauschkraut und Traumpulver auch in Aldewyk und sogar Aldeburg an die vermögende Kundschaft zu bringen. Selbst vor Schutzgelderpressungen bei Gastwirten und Krämern in diesen beiden Patrizier- und Adelsvierteln schreckt die Familie nicht zurück.

Es ist klar, daß die Finsterbinges dies nicht dulden können, wenn sie ihre eigene Stellung nicht gefährdet sehen wollen. Dunkle Geschäfte in diesen beiden Vierteln lassen sich nur schwer bemänteln, kaum wird man darauf hoffen können, daß Verbrechen hier unter den Teppich gekehrt werden, so wie man es aus dem Paradies oder dem Katzloch kennt. Kein Richter könnte es sich erlauben, Ermittlungen im Sande verlaufen zu lassen, kein Gardist, Beweise verschwinden zu lassen, und zahlten ihm die Clans auch noch so viel dafür. Die unüberlegten Aktionen der Wolfsfelder bringen das feine Machtgeflecht in Rommilys ins Wanken.

Außerdem wird der Druck der Stadtgarde, deren frischbestallter Hauptmann sich alsbald als unbestechlich erweist, größer, denn je zuvor.

Als schließlich die einzige Tochter Erdane Finsterbinges auf einem ihrer regelmäßigen Besuche in Rommilys ermordet wird, kommt dies einer offenen Kriegserklärung gleich. Unbarmherzig schlagen die Finsterbinges zurück; und ihre Entschlossenheit überrascht nicht nur ihre Gegner, sondern auch ihre Freunde, die sich schon fragten, ob Erdane einfach zu schwach sei, die Familie zu führen.

Zunächst fällt der jüngste Sohn der Wolfsfelder einem Attentat zum Opfer, dann verschwindet eine Karawane des Clanes, die teure Güter nach Rommilys bringen sollte, spurlos. Die Stellmacherei der Wolfsfelder wird verwüstet.

Allerdings bleiben die Wolfsfelder eine Antwort nicht lange schuldig. Zwar gelingt es einer Leibwächterin, einen Mordanschlag auf Erdanes Enkel und designierten Nachfolger Fredo Finsterbinge, zu vereiteln. Doch gelingt es den Schergen der Wolfsfelder, Erdanes Urenkel, einen gerade dreijährigen Jungen zu entführen. Selbst die Unterwelt zeigt sich entsetzt über diese Tat, bislang galten die Kinder einer Familie als Tabu.

Diesmal jedoch sind die Wolfsfelder endgültig zu weit gegangen. Entschlossen lassen die Finsterbinges all ihren Einfluß spielen. Es gelingt ihnen die Entführer zu stellen, zu richten und Arcred Wolfsfelder in ihre Hände zu bekommen. Ein Exempel wird an ihm statuiert, sein abgeschlagenes Haupt wird kurz darauf von Gardisten in einem Tunnel der Kanalisation gefunden.

Ungefähr zur selben Zeit gelingt es der Garde, die Rauschgiftgeschäfte der Familie aufzudecken und ihre Handlanger festzunehmen. Die Wolfsfelder sind endgültig die Verlierer der von ihnen angezettelten Auseinandersetzung.

Die dunklen Geschäfte der Familienclans

Mannigfach sind die Quellen, aus denen ein steter Strom von Golddukaten in die Säckel der Clans von Rommilys fließt.

Allen Familien zu eigen ist es, daß man neben dunklen Geschäften auch ein höchst legales Auskommen pflegt. So unterhalten die Wolfsfelder, wie erwähnt, eine Stellmacherei, die Nebelsteiner z.B. sind angesehene Viehhändler.

Eine Ausnahme machen hier die Finsterbinges, über deren Reichtum und dessen Herkunft bestenfalls vage Gerüchte kursieren. Weder verfügt die Familie über großen Landbesitz noch betreibt man ein Handelskontor oder ein anderes Gewerbe. Sicher, man besitzt einige Grundstücke in der Stadt, doch kaum genug um auch nur einen Flügel der prächtigen Villa Finsterbinge in Aldeburg, dem angesehensten Viertel der Stadt, zu unterhalten. Am hartnäckigsten hält sich das Gerücht über einen sagenumwobenen Schatz, den ein Vorfahr Erdanes gefunden haben soll. Nun, allzu neugierige Nachforschungen haben noch niemandem gut getan, und wenn es selbst die Honoratioren der Stadt nicht schert, wieso sollte es dann jemand anderes tun?

Auch die von Kalmbachs machen eine Ausnahme von der Regel, wenngleich auch in völlig entgegengesetzter Art und Weise als die Finsterbinges. Ihre legale Existenz, auch wenn man sich bei manchem Zins wohl fragen darf, ob das noch mit dem Gesetz zugeht, macht den Löwenanteil ihrer Einkünfte aus, während Schiebereien und Schmuggeleien bestenfalls als Zubrot gelten dürften.

Auch wenn die Praioskirche predigen mag "Unrecht Gut gedeihet nicht", für die Finsterbinges und die anderen Clans scheint dies nicht zu gelten. Es gibt kein Gewerbe, dessen Erträge zu schmutzig wären, die Kassen zu füllen.

Man besitzt Gaststätten in und außerhalb der Stadt, die an Wirte verpachtet werden, die den Gästen nicht allein Gastung, Speis und Trank bieten, sondern zum Teil rechte Räuberhöhlen sind. Glücks- und Falschspiel, Diebstahl und Hehlerei, das Gunstgeschäft mit Dirnen und Lustknaben, der Handel mit berauschenden Substanzen füllen die Säckel der Clans. Unabhängige Wirte werden durch Schlägertrupps heimgesucht, um Schutzgeld von ihnen zu erpressen. Die Reihen ihrer niederen Schergen füllen die Clans mit der Heerschar von armen Tagelöhnern aus dem Katzloch und dem Hafen, denen man ein karges, regelmäßiges Auskommen gibt - Nebeneinnahmen für spezielle Aufträge nicht eingeschlossen. Die armen Teufel ergreifen die sich ihnen bietende Chance begierig, ist es doch immer noch besser als zu verhungern, und reihen sich ein in die Schar loyaler Diener der Familie. Immerhin, bewähren sie sich, winkt ihnen der Aufstieg und die Unterstützung der Familie. Für die, die in der Stadt rechtlos sind - denn nur Personen mit dem schwer zu erwerbenden Bürgerrecht kommen in den Genuß aller Vorteile, die ein Städter genießt -, mehr als sich mancher je zu erträumen wagte.

Andere preßt man aufgrund ihrer Schulden in den Dienst. Kleine Händlern, Bootseigner und Fuhrleute werden auf diese Weise gezwungen, den Clans willfährig zu Diensten zu sein, die Alternative sind der Schuldturm oder noch schlimmeres. Mit ihrer Hilfe werden Schmuggelgeschäfte und Schiebereien getätigt.

Die meisten Familien unterhalten zudem eine regelrechte kleine Armee für ihre Belange, zum Schutz und um Druck ausüben zu können. Von einfachen Schlägern bis zu wohlbewaffneten Leibgardisten reicht das Repertoire. Das auf rommilyser Grund geltende Waffentrageverbot für Nichtstandespersonen wird unterlaufen, indem echte und gefälschte Kriegerbriefe die "Soldaten" der Clans legitimieren.

Wie es überhaupt fast nichts gibt, was nicht gefälscht wird: Münzen, Kaufverträge, darpatische Gütesiegel. Manch Bedrängten hat schon ein gefälschter Stadtbrief aus der Feder eines geübten Täuschers gerade noch den Kopf aus der Schlinge gezogen.

So versorgte man bis zur Eroberung Maraskans durch Borbarad nicht nur die fürstlichen Truppen, sondern die rebellischen gleich mit. Auch der Handel mit Waren aus Maraskan, insbesondere Giften und Rauschgurkenmilch, florierte. Aber auch aus anderen Regionen Aventuriens finden verbotene Waren wie Rauschkräuter und andere Drogen ihren Weg nach Rommilys.

Über die Verwicklung der Familien in die Answinkrise wurde ja bereits berichtet, doch damit nicht genug. So soll es in Rommilys eine Geheimloge geben, zu der selbst wohlbeleumundete, unbescholtene Bürger und Adelige gehören sollen, die Kontakt zu dem im unbekannten Exil lebenden ehemaligen Kaiser pflegt.

Der Vormarsch der Schwarzen Horden und die Eroberung Tobriens und Ostdarpatiens führte zu einem Flüchtlingszug bislang ungekannten Ausmaßes. Wie viele der Flüchtigen auf ihrem entbehrungsreichen und gefährlichen Zug verschollen gingen, wird wahrscheinlich für immer unbekannt bleiben. Doch hält sich das hartnäckige Gerücht, daß etliche dieser Elenden erst in Wehrheim und Rommilys spurlos verschwunden seien. Es gibt den bösen Verdacht, daß sie als Sklaven auf den Menschenmärkten in Khunchom und Al'Anfa wieder auftauchten.

Insbesondere kleinere Familien, die nach oben streben scheinen vor nichts zurückzuschrecken, denn hohes Risiko verspricht hohe Gewinne und damit früher oder später größeren Einfluß. Neueste Spielart sollen angeblich Waffenlieferungen in die Dunkellande sein. Auch mit dem Andenken der Hinterbliebenen an die Gefallenen in den Schlachten treibt man ein böses Spiel: So gibt es skrupellose Händler, die gegen horrende Bezahlung versprechen, die sterblichen Überreste eines getöteten Helden aus dem Gebiet der Dunklen Horden zu bergen und borongefällig zu bestatten. Viel Schindluder und Betrug wird dabei getrieben.

Gegen solch verderbliche Taten verblassen Verbrechen wie Schutzgelderpressungen von fahrenden Händlern, Krämern, Gastwirten und Handwerkern geradezu.

Jugendliche Banden versuchen ihren großen Vorbildern nachzueifern und verdingen sich als Handlanger für eine der Familien oder sie versuchen auf eigene Faust größere Geschäfte aufzuziehen. Doch sobald sie mit ihrem Treiben sich allzu weit in die Refugien eines Clans vorwagen, wird ihnen beigebracht wer die wirklichen Damen und Herren der Stadt sind.

Es sind vor allem letztgenannte "alltägliche" Straftaten, zu denen wir hier auch Erpressung, Bestechung und Meuchelei zählen wollen, die Stadtgarde und Darpatischen Geheimdienst (FDEA) auf den Plan gerufen haben.

Um sich auch gegen Verwicklungen und dunklen Geschäfte der Familien außerhalb von Rommilys zu stemmen, fehlt es Garde und FDEA an Mitteln und Leuten. Doch in Rommilys engagiert man sich zunehmend. Drei Namen verbinden sich vor allem mit dem Kampf gegen die "organisierte" Kriminalität: Der Hauptmann der Stadtgarde Corador Catanius, die fürstliche Untersuchungsrichterin Silvana von Continenzia zu Aschenfeld und der FDEA-Mann Stiman Licata, der vornehmlich im Verborgenen arbeitet.

Alle drei sind treffliche Verbündete (und Auftraggeber) für die Helden, wenn sie sich gegen einen der Clans stellen. Doch wehe, sie sind selbst in die dunklen Machenschaften der Familien verwickelt.

Sich in diesem Netz aus Verbindungen und Verbindlichkeiten, Abhängigkeiten und Abneigungen zu bewegen, gestaltet sich insbesondere für einen Ortsfremden nicht leicht. Oftmals muß ein allzu kecker Kerl erkennen, daß er den Einfluß einer Familie offenkundig unterschätzt hat, wenn ihm die Klinge des Meuchlers bereits an der Kehle sitzt. Vorsicht ist geboten, ganz gleich auf welcher Seite man steht. Zu undurchsichtig sind die Verstrickungen, als daß man sich stets sicher sein könnte, wer Freund und wer Feind ist. Und, vor allem daß sei den notorisch neugierigen Helden mit auf den Weg gegeben, die Macht der Clans reicht weit, bisweilen selbst bis in die Adelspaläste, den Rat oder auch nur die Garde ...

Die Familien

Die Finsterbinges:

Familienoberhaupt ist seit 19 Hal die 38 v.H. geborene Erdane. Ihre einzige Tochter Nicoletta (geb. 18 v.H.) hat den Bruder des langjährigen Bürgermeisters von Aldeburg, Maervin Gutberlet geheiratet und ist seit 20 Hal Verwalterin der Baronie Rotenzenn in den Trollzacken. Nicoletta hat 3 Kinder (ihr ältester Sohn Merkan wurde wie ihr Vater 19 Hal ermordet): Svelinja: geb. 3 Hal; seit 21 Hal ist sie verheiratet mit dem baburiner Hof-Astronom Darian Beogar, noch im gleichen Jahr wurde ihr gemeinsamer Sohn Nino geboren, sie hat mit den Familiengeschäften nichts zu tun), Fredo (geb. 6 Hal, er soll einmal das neue Familienoberhaupt werden und wurde und wird von Carta (geb. 15 v.H., seit 9 v.H. bei der Familie); dem treuesten und einflußreichsten Gefolgsmann der Familie ausgebildet und erzogen. Fredo verspricht ein erfolgreicher Nachfolger seiner Mutter zu werden. Er behält auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf, ist intelligent und umsichtig. An den Ausschweifungen seiner jugendlichen Freunde in Rommilys nimmt er nur selten Teil. Schließlich ist da noch die jüngste Tochter Maerlind, geb. 8 Hal, die sich zur Ausbildung an der Handelsschule in Festum befindet. Auch sie ist nicht in die dunklen Machenschaften eingeweiht.

Die Finsterbinges verstehen es wie kaum eine andere Familie, die Fäden in der Politik zu ihren Gunsten zu ziehen. Sie verfügen über Gefolgsleute an vielen entscheidenden Positionen in der Stadt. Sich mit den Finsterbinges in feindlicher Absicht einzulassen, heißt, sich mit dem Tod einzulassen. Verräter, Abtrünnige und Schnüffler werden unnachsichtig verfolgt, und die Familie verfügt über eine große Schar von Schergen, die einem Widersacher das Leben schwer machen können.

Herrschaftsgebiet: Baronie Rotenzenn, Trollzacken; Stadtteile Aldeburg und Aldewyk, Teile des Paradieses, der Neustadt und des Katzlochs; diverse Gasthöfe im Fürstentum.

Hauptgeschäfte: Schutzgelder, Waffenhandel, Betrug, Fälschereien, Auftragsmorde

Die Firunslichts

Genaugenommen gehört diese Familie aus altem trollzacker Adel nicht zu den Familienclans. Wohl haben sie im auftrage der Rabenmunds manch schmutzigen Dienst ausgeführt, sind sie doch in keinerlei andere dunkle Geschäfte verwickelt, wie man sie beispielweise von den Finsterbinges kennt. Doch sollen sie hier aufgeführt werden, da sie im Szenario "Allein gegen die Clans" eine Rolle spielen.

Die Firunslichts stehen schon lange in den Diensten der Familie Rabenmund. Edric ist darpatischer Gesandter am Koscher Hof, ein weiteres Familienmitglied ist fürstlicher Vogt in Zweimühlen. Das Familienoberhaupt Wisshard hat schon unter drei Fürsten gedient und ist inzwischen Ritter im fürstlichen Travinian-Orden (s. TS 7). So sind die Firunslichts durch die Bank honorige Personen, niemand (vielleicht mit Ausnahme manches Bregelsaums ...) würde auf die Idee kommen, einer der ihrigen wäre in kriminelle Verwicklungen involviert und sie hüten dies Geheimnis wohl. Insbesondere Answin hat sich in der Vergangenheit immer wieder der verschwiegenen Dienste dieser Familie bedient, so auch Jahr 10 Hal.

Den Firunslichts etwas glaubhaft ans Zeug flicken zu wollen, wird nicht leicht werden: Was gilt schon das Wort eines dahergelaufenen Fremden gegen einen Altehrwürdigen der Stadt ...

Die Nebelsteiner

Bis zum großen Familienkrieg war das Haus der Nebelsteiner das Zentrum des darpatischen Viehhandels. Die bedeutendsten "Viehbarone" gingen bei Kedor Nebelsteiner ein und aus, vielhundertköpfige Herden wechselten durch einen Handschlag den Besitzer.

Das Schicksal der Familie nahm eine dramatische Wendung, als der älteste Sohn Roban in die Thuranische Legion eintrat und seitdem nicht mehr gesehen ward. Die einzige Tochter Chassea lief kurz darauf mit einem Gaukler davon. Doch den Göttern war es nicht genug: Meuchelmörder töteten den Patrizier und seine Gattin in einer dunklen Firunsnacht!

Heute leitet der jüngste Sproß, Jartan, die Familie mehr schlecht als recht. Gern würde er die Nebelsteiners wieder zu dem machen, was sie einst waren, allein, es fehlt ihm an phexischem Geschick und Glück.

Herrschaftsgebiet: geringe Teile der Neustadt

Hauptgeschäfte: Viehhandel, Schutzgelder, Schmuggel

Die Wolfsfelder

(Eine genaue Beschreibung des Clans findet sich im Anhang des Abenteuers "Im Auftrag Ihrer Majestät" aus dem TS 7)

Herrschaftsgebiet: Hafen, Gerbervlieth, Paradies

Hauptgeschäfte: Fuhrunternehmen, Stellmacherei, Erpressung, Schutzgelder, Drogen, Schmuggel, Einbrüche, Hehlerei

Die von Kalmbachs

Die von Kalmbachs - eine Adelsfamilie aus dem Lieblichen Feld, die vor 200 Jahren ob einer Intrige entlehnt und vertrieben wurde und sich in Rommilys angesiedelt hat und bürgerlichen Handelsgeschäften nachgeht - unterscheiden sich in mancher Hinsicht von den anderen Familien.

Zum einen sind es bei weitem weniger die dunklen als die ganz legalen Geld- und Handelsgeschäfte, auf denen der immense Reichtum der Familie beruht.

Insbesondere das Kreditgeschäft füllt die Schatztruhen des einstigen Freiherrn, der bis auf den Tag auf die Anrede Euer Hochgeboren besteht. Es scheint, als fiele es dem Hochadel weit leichter, ihre höchst delikaten Geldgeschäfte mit einer Familie zu tätigen, die selbst von Stand ist bzw. war, als z.B. mit den bürgerlichen Geldleihern von der Nordlandbank.

Vor allem aber schaffen die Schulden Verbindlichkeiten, und auch wenn die Kalmbachs manche verliehene Münze verschmerzen mußten, großzügige Privilegien machten diesen Verlust fast immer wett.

Die von Kalmbachs verzichten im übrigen darauf, eine Gefolgschaft von Zuträgern, Schlägern und Speichelleckern zu unterhalten, wie man es ansonsten von den Clans kennt. Wohl unterhalten sie eine eigene Leibgarde - Privileg der Fürstin ...

Ob ihrer schlechten Erfahrung im lieblichen Feld halten sie sich augenscheinlich aus der Politik heraus - was nicht bedeutet, daß sie ihren erheblichen Einfluß nicht beizeiten für ihre Belange zu nutzen wüßten.

Herrschaftsgebiet: keines, aber viele Adelige schulden ihnen Geld oder einen Gefallen

Hauptgeschäfte: legale Handels- und Bankgeschäfte, Finanzierung illegaler Geschäfte, Wucher, Erpressung

Szenariovorschläge

Allein gegen die Clans

Wie in der Geschichte oben angedeutet, gab es im Jahr 10 Hal eine dreiköpfige FDEA Ermittlungsgruppe unter Leitung des Edlen Roban von Hochtann, die illegalen Waffenlieferungen nach Maraskan auf der Fährte war. Zufällig erfuhr von Hochtann von einem großen Geheimnis, doch bevor er noch höhere Stellen auf die bevorstehende Gefahr hinweisen konnte, fielen er, einer seiner engsten Mitarbeiter und dessen Familie brutalen Mordanschlägen zum Opfer. Einzig Stiman Licata, von Hochtanns Freund, konnte dem Massaker entgehen. Doch mußte er mit ansehen, wie seine Familie dahingemetzelt wurde, ohne daß er etwas tun konnte. Immerhin gelang es ihm, Robans Frau und deren Kind in Sicherheit zu bringen.

Licata, der sich der Gefahr, in der er noch immer schwebte, bewußt war, tauchte unter und führte in den nächsten Jahren ein Leben als Streuner, Söldner und Abenteurer. Regelmäßig zog es ihn aber zurück zu den Bindegliedern zu seiner Vergangenheit, mit der er ansonsten abgeschlossen hatte Er sah das Kind seines Freundes heranwachsen und wurde ihm zum väterlichen Freund und Mentor, so weit er das vermochte. Hier kommt nun ein Spielercharakter ins Spiel. Das Kind ist inzwischen erwachsen. Stiman hat es nach langem Zögern in die damaligen Geschehnisse und die Hintergründe, so weit sie ihm bekannt waren, eingeweiht. Es bleibt dem Geschmack des Spielers überlassen, wo die Tochter/der Sohn mit der Mutter die vergangenen Jahre zugebracht hat (allerdings möglichst fern dem Mittelreich) und welche Ausbildung es genossen hat. Es empfiehlt sich aber ein Werdegang, der sich mit den kommenden Ereignissen gut vereinbaren läßt, wie z.B. der Besuch der Kriegerakademie in Al'Anfa (TS 3). Nun ist jedenfalls die Zeit der Wahrheitssuche und der Rache gekommen.

Man kann dieses Szenario als Eins-zu-Eins Abenteuer oder mit einer kleinen Gruppe ausspielen.

Licata arbeitet inzwischen wieder verdeckt für die FDEA, weil er der derzeitigen Leiterin Zoe von Altbergen vertraut. Er hofft, endlich etwas gegen die Widersacher von einst unternehmen zu können. Er bietet dem Helden an, ihm bei seiner Rache behilflich zu sein und ihn mittels seiner Verbindungen bei den Finsterbinges einzuschleusen, um dort, quasi in der Höhle des Löwen, Nachforschungen anzustellen: Ein guter Leibwächter wird z.B. immer gebraucht. Die anderen Gruppenmitglieder müßten davon unabhängig agieren, so daß sich eine Aufspaltung der Gruppe nicht vermeiden läßt.

Das Szenario ist während des Familienkrieges im Jahre 27 Hal angesiedelt, als die aufstrebenden Wolfsfelder noch eine bedeutende Rolle im Gefüge der Clans spielen.

Im Zuge dieser Ereignisse sollte es ein Leichtes sein, eine Situation zu ersinnen, in der sich der/die neue Leibwächter/in gleich bewähren und so das Vertrauen der Familie erwerben kann (unter Umständen ein echter Gewissenskonflikt für den Helden). In Folge ist es dem Charakter dann sogar möglich, ein oder zwei seiner Gefährten ebenfalls in den Dienst der Finsterbinges einzuschleusen.

Im Verlauf des Abenteuers solltest du versuchen ein Stück weit Identifikation der Helden mit dem Clan zu erreichen: Man ist höflich, kultiviert, freundlich und dankbar, wenn sich die Helden nur als "treue" und brauchbare Gefolgsleute erweisen.

Du solltest darauf achten, daß die beiden Familien nicht als brutale, hinterwäldlerische Kleinkriminelle dargestellt werden. Die Finsterbinges gehören zur ersten Gesellschaft Rommilys', die Firunslichts gehören sogar dem niederen Adel an.

Nach dem erfolgreichen Anschlag der Wolfsfelder auf Nicoletta (selbstredend bleibt auch dir genügend Raum, weitere Zwischenfälle im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen den Familien zu inszenieren) wendet sich Carta (s.u.) mit folgendem Auftrag an den Helden:

Er soll als Vergeltung einen Mordanschlag auf den jüngsten Sohn der Wolfsfelder (Morwulf, geb. 2 Hal, ein unbedarfter Knabe, der von den Machenschaften seiner Familie kaum etwas weiß) durchführen. Gelingt es dem Helden, diese Bewährungsprobe erfolgreich zu absolvieren (und das kann nur heißen, daß der Anschlag gelungen ist), genießt er/sie großes Vertrauen und kann sich weit freier als zuvor auf dem Anwesen der Familie in Aldeburg bewegen. Jetzt bietet sich die Chance, Nachforschungen bezüglich der Ermordung seines/ihres Vaters anzustrengen (als deus ex machina kannst du jederzeit Stiman Licata einsetzen). Derweil der Clankrieg (s.o.) selbstredend weiter seinen Gang nimmt. Die Familie zeigt sich seitens des Helden gesprächiger und es sollte dem Helden möglich sein, verborgen aufbewahrte Beweise über die Verwicklung der Firunslichts in diese Affäre zu finden, wenn er sich denn nur geschickt genug anstellt (wenn nicht, war es ein denkbar kurzes Heldenleben).

Was damals wirklich geschah:

Answins Gefolgsmann, der Vogt der Mark Rommilys Graf von Streitzig (19 Hal im Kosch gefallen) und Graf Paske von Roßhagen (seit 22 Hal flüchtig) heckten im Auftrag des Grafen von Rabenmund den Plan eines zweiten Attentats auf Brin aus. Diesmal wollte man nichts dem Zufall überlassen. Mit der Durchführung beauftragten sie den Patriarchen der Familie Firunslicht. Dieser machte einen geschuldeten Gefallen bei den Finsterbinges geltend, um sich ihrer professionellen Hilfe zu versichern. Der Clan betraute seinen treuesten Gefolgsmann Carta mit der Ausführung des Planes. Doch wieder hielt Phex seine Pfote über den Fuchswelpen: Eine Weile zuvor waren die Finsterbinges auf dunklen Wegen in den Besitz einer Lieferung fürstlicher Langbogen gekommen, die sie für viel Gold an Rebellen auf Maraskan weiterverkauften. Pech nur, daß der FDEA Ruch davon bekam, daß die Bögen, die plötzlich bei den Gegnern der darpatischen Truppen auf Maraskan auftauchten, aus Rommilys stammen sollten. Man setzte ein Team von drei Agenten (Roban von Hochtann, Stiman Licata und Pernlind Nebeltreu) auf die Sache an. Ein Leibwächter der Finsterbinges, Informant des FDEA und Loyalist (damals eine gefährliche Mischung), verriet von Hochtann statt der erhofften Informationen über den Waffenschmuggel, daß die Firunslichts mit Hilfe der Finsterbinges ein Attentat auf den Thronfolger planten. Von Hochtann, dem bewußt wahr, daß weite Teile des FDEA answin- und rabenmundtreu waren, fürchtete zu recht, daß er dieses Wissen dort nicht anbringen konnte. Auch war ihm klar, daß diese Information (oder die Weitergabe) sicher nicht allein an seine Ohren dringen würde. Er warnte seine Gefährten, daß er einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur gekommen sei, und daß sie so schnell wie möglich die Stadt verlassen sollten. Anschließend wollte er sich an die KGIA wenden. Doch sollte es dazu nicht mehr kommen. Der Leibwächter war von den Finsterbinges bei seiner Indiskretion belauscht worden, man hegte bereits seit längerem einen Verdacht gegen ihn. Umgehend wurden die Firunslichts darüber in Kenntnis gesetzt, daß man entdeckt sei und diese ließen wiederum ihre Verbindungen spielen: Der damalige darpatische Kanzler, Jorgrimm von Buchweide, der gleichzeitig der Kopf der FDEA war, wußte, daß er sich bei diesem brisanten Fall nicht auf das Schweigen seiner Leute verlassen konnte und befahl ihren Tod.

Ausführende waren wieder die Finsterbinges: Der Leibwächter war das erste Opfer, von Hochtann starb auf dem Weg zur Greifenstadt (rommilyser Stadtviertel in dem die KGIA ihren Sitz hat). Stiman Licata befand sich mit seiner Familie bereits auf der Flucht, doch konnten die Häscher ihn stellen. Nur er überlebte den Anschlag. Pernlind glaubte nicht ernsthaft gefährdet zu sein, sie erlag einem Giftanschlag. Stiman gelang es schließlich die Frau seines Freundes und ihr Kind vor den Mördern zu bewahren und half ihnen zu fliehen.

Erfolg und Mißerfolg

Folgende Personen darfst du im Zuge des Abenteuers "opfern": Den ehemaligen darpatischen Kanzler: Er verbrachte nach dem Sieg der Loyalisten einige Jahre in Haft und sitzt inzwischen auf seinem Landedlengut in Echsmoos. Einige Schergen der Finsterbinges und der Firunslichts mögen sich durch die Last der erbrachten Beweise recht bald auf dem Galgenberg vor den Toren der Stadt wiederfinden oder finden im Laufe des Abenteuers ein blutiges Ende.

Allerdings sollte die Macht der Finsterbinges keinesfalls völlig zerschlagen werden (das wäre auch ein zu großer Fisch für eine einzige Heldengruppe). Fredo und Carta dürfen nicht getötet werden.

Und wieviel netter ist das Leben auch für den Spielleiter, wenn sich die Helden in einer Stadt mächtige Feinde geschaffen haben ...

Was die Firunslichts angeht, wird es schwerlich gelingen, den Ruf der Familie so nachhaltig zu schaden. Man hat Verbindungen in den fürstlichen Palast, die Anfechtungen durch eine Schar Helden überdauern werden.

Insbesondere aber ist äußerste Diskretion geboten. Sollten deine Helden auf ganzer Front erfolgreich sein, wird sie notfalls die KGIA in Pflicht nehmen, daß sie über die Ereignisse zu schweigen haben, da angesichts des Feindes an der Ostfront die Unterstützung der Familie Rabenmund unverzichtbar ist, die Geschichte aber alte Wunden aufbrechen würde. Lieber wird die KGIA es vorziehen, die gewonnenen Erkenntnisse zu einem gefälligeren Zeitpunkt zu nutzen.

Auch für die Rabenmunds liegt es selbstredend nicht im Interesse, daß die Helden über den damaligen Attentatsplan reden. Man wird den Helden beizeiten klar machen, daß es für sie besser sei zu schweigen. Die darpatische Kanzlerin Ismena von Rabenmund und der fürstliche Truchseß Ludeger von Rabenmund wissen zwar derzeit noch nicht von dem nie ausgeführten Attentat auf Brin in Rommilys, doch sie werden alles unternehmen um zu verhindern, daß eine Verwicklung der Familie Rabenmund in die Geschichte publik wird.

Allerdings müssen die Helden kaum damit rechnen, daß die Rabenmunds gewaltsam gegen sie vorgehen, wenn sie ihr Schweigen brechen. Zu lange ist die Geschichte her, zudem werden allein Mitglieder und Gefolgsleute der Familie belastet, die ohnedies als Verräter geächtet sind: der Graf von Streitzig ist tot und Paske von Roßhagen als gesuchter Hochverräter im Exil.

Doch Rommilys, besser gar ganz Darpatien sollten die Helden künftig besser meiden.

Bei allem möglichen Erfolg der Helden sollten sie und du eines nicht vergessen: Auch wenn die drei oben genannten Streiter gegen die Macht der Clans, Licata, Richterin von Aschenfeld und Hauptmann Catanius unbestechlich sind, viele andere sind es nicht und auch die drei müssen sich ggf. politischen Notwendigkeiten beugen.

Wie auch immer wird es schwer genug werden, auch nur hinter einen Teil des Geheimnisses zu kommen. Hieb- und stichfesten Beweise sind so rar wie walnußgroße Diamanten.


Im Dienste des Clans

Dies ist weniger ein Szenario als die Anregung, sich einmal einen Charakter mit etwas "anderer" Herkunft zu erschaffen, als Parteigänger der Finsterbinges.

Der Held wird in der Baronie Rotenzenn in den Trollzacken geboren (s.o.). Seit 20 Hal ist dort Nicoletta Finsterbinge Verwalterin, zuvor (ab 10 Hal) war es mit Egilmar Dunkelhof ein enger Vertrauter der Familie.

Beginnend im Jahr 10 Hal (als Anregung), fällt der jugendliche Charakter des Spielers dem Verwalter auf. Er empfiehlt ihn seinem Herrn und der Knabe/das Mädchen wird unter die Fittiche der Finsterbinges genommen. Man sorgt für eine angemessene Ausbildung (ganz nach den Anlagen des Charakters, den Wünschen des Spielers und denen der Finsterbinges, will sagen des Meisters). Ist der Charakter alt genug, kommt er nach Rommilys, um dort in die Dienste der Familie zu treten und seine Schuld (die Ausbildung) abzuleisten, z.B. als Leibwächter. Dies wäre dann kombinierbar mit dem zuvor beschriebenen Szenario, so daß du als Meister dann schon zwei Charaktere in der Familie hättest. Es liegt bei dem Spieler, welchen Fortgang das Leben seines Helden nimmt, wie er zu den Machenschaften der Familie, wie zu den Finsterbinges an sich steht, ob es einen Bruch geben wird oder ob er für einen Helden gänzlich ungewöhnliche (und nicht leicht zu spielende) Karriere im Dienste des Clanes einschlägt oder dem Clan schlicht verbunden bleibt.


Der Schandfleck

Zunächst ging es der frischbestallten Junkerin von Mittfelden noch blendend. Voller Stolz über den neugewonnenen Titel trat sie ihr hohes Amt voller Elan an. Sie fand das Gut leidlich gut bestellt, fette Wiesen mit prachtvollen Herden und gute Äcker versprachen einen schönen Ertrag. Doch dann wendete sich das Glück: Baronin Edala v. Ockenheld zu Rappenfluhe, ihr Lehnsherr, ein Parteigänger der Bregelsaums, fiel beim fürstlichen Hof in Ungnade. Doch damit nicht genug, noch im selben Jahr sorgte Hagelschlag für eine kärgliche Ernte, der wichtigste Fronhof des Junkergutes brannte nach einem Blitzeinschlag nieder. Schließlich starb auch noch die neugeborene Erbin am Tage nach ihrer Geburt. Kaum mehr wußte die Junkerin ihre alltäglichen Geschäfte zu führen, zu tief war die Trauer über all dieses Unglück. In ihrer Not suchte die Junkerin einen Geldgeber und verpfändete ihr Land an die Wolfsfelder. Es kam wie es kommen mußte: Als die Junkerin nicht zahlen konnte, setzten ihr die Wolfsfelder ein Ultimatum. Die Adelige wollte sich nicht erpressen lassen. Kurzerhand setze man ihr den roten Hahn auf ihren Rittersitz. Götterlob gelang es, das Feuer zu löschen und das Haus zu retten. Doch mußten drei Knechte ihr Leben in den Flammen lassen.

Um die ausstehende Schuld, die sich durch Zinsen und Verzug verdreifacht hat, zu begleichen, müßte die Junkerin ihr Land zur Nutzung überschreiben, ihr guter Ruf wäre ein für alle Mal ruiniert, ja, sie müßte sogar damit rechnen, entlehnt zu werden, da sie das ihr anvertraute Gut nicht wohl verwahrt hat. Ihre Herrin kann ihr nicht mehr helfen, an die Fürstin wagt sie sich nicht zu wenden. In ihrer Not sucht sie eine Gruppe Helden, den belastenden Schuldschein aus den Händen der Wolfsfelder zu entwenden. Keine ungefährliche Aufgabe, denn auch wenn die Wolfsfelder keineswegs über die Macht und den Einfluß der Finsterbinges verfügen, sind sie doch für ihre Skrupellosigkeit berüchtigt.


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