Das Fremdenviertel der Stadt zeichnet sich durch seine exotischen und teilweise
bizarren Gegensätze aus. Bestaunt man in einem Moment noch einen typisch
tulamidischen Straßenzug mit weißen Flachdachhäusern und
zierlichen, kuppelgeschmückten Türmchen, warten in der nächsten
Gasse schon ein weidensches Bruchsteinhaus oder eine bornisch geprägte
Häuserzeile. Albernische Stadthäuser finden sich hier ebenso wie
grangorer Villen oder gar, am Rande des Viertels, ein waschechtes Thorwaler
Langhaus. Selbst einige novadischen Sippen errichten in den Sommermonden
am Ufer des Darpats ihre Zelte, wenn sie mit Salzkarawanen aus der Wüste
hierher kommen, um ihre Geschäfte zu tätigen.
Vornehmlich aber sind es aranische und tulamidische Gebäude, die das
Straßenbild beherrschen, sind es doch zumeist Händler und auch
einige wenige Handwerker aus diesen beiden Ländern, die sich hier zu
angesiedelt haben. Weiland war es der Rommilyser Bürgerschaft noch wohler
zumute, wenn sich das fremde Volk vor den Toren ansiedele". Seitdem
sind viele Jahrhunderte ins Land gegangen und längst war die Stadt
über die einstigen Mauern hinaus gewuchert. Beim Bau der neuen Mauer
- die mittlerweile schon wieder zu eng ist, Rommilys zu umfrieden - geriet
der Aranierberg innert der Befriedung, nicht zuletzt, weil die
finanzkräftigen Händler sich den Schutz blanke Münze kosten
ließen, wohl aber auch, weil das Fremde im Laufe der Jahre seinen Schrecken
verloren hatte. Doch bis auf den heutigen Tag rät man fremden
Händlern, die sich in der Stadt ansiedeln wollen, Domizil auf dem
Aranierberg zu nehmen. Nicht zuletzt, weil sich das bunte Völkergemisch
in den Gassen seine eigene Kultur bewahrt hat, und sich zudem eine ganz eigene
bunte Mixtur herausgebildet hat -die voller Reiz ist. Etliche Gaststuben
und Speiselokale hat es hier, die den Tisch mit Spezialitäten des
Herkunftslandes decken, Teehäuser, Badestuben, alles was das Leben angenehm
machen kann und einen an die Heimat erinnert.
Konsule und Gesandte aus Provinzen und anderen Landen haben hier ihre Domizile aufgeschlagen, um um die Gunst der Fürstin zu buhlen. Jene Gesandtschaften stellen eine Einrichtung dar, die in jüngster Zeit mehr und mehr in Mode kommt. Sinn dieser Einrichtungen ist es, wie bei einer Botschaft, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Fürstentum und den jeweiligen Ländern oder Provinzen zu pflegen, und Reisenden einen Anlaufort zu geben, sollten sie sich einmal in einer schwierigen Lage befinden. Keineswegs nehmen die Gesandten jedweden politischen Einfluß (zumindest offiziell), dies ist allein den Botschaftern der Reiche zu Gareth vorbehalten. Nichtsdestotrotz hat es sich bewährt, zu gewissen Zeiten die Stimme des Verhandlungspartners/Kontrahenten/Verbündeten unmittelbar und unverwässert vernehmen zu können, so daß es Bestrebungen gibt, auch mit anderen Regionen Gesandte auszutauschen.
Im Rat der Stadt spielt der Aranierberg auf den ersten Blick nur eine untergeordnete Rolle. Auf einen eigenen Rat hat man nie gedrängt, sondern begnügt sich damit, direkt dem Stadtvogt unterstellt zu sein.
Scheinbar ist niemand daran interessiert, sich in die Geschicke der Stadt einzumischen, zumindest offiziell. Nominierte Wortführer gibt es nicht, wie kann man eine solche Mischung auch unter einen Hut bringen, und doch gibt es Stimmen, die an den entscheidenden Stellen nicht ungehört bleiben, und die scheinbar genau wissen, wonach ihre Nachbarn begehren. Der schnelle Anschluß an die Kanalisation mag nur ein Beispiel für viele andere sein, weswegen es nicht nötig erscheint, eigene Vertreter des Fremdenviertel in den Rat zu entsenden. Diverse Ratsherren zahlen bisweilen mit Marawedi, Batzen oder auch Witten, ein Schuft, wer Schlechtes dabei denkt ...