Anmerkungen zum Abrichten

Oft treten die Spieler mit dem Wunsch an den Meister heran, einen tierischen Gefährten haben zu wollen. Solange sich der Wunsch auf Hunde und Geparden (s. Khom-Box) erstreckt, gibt es kaum Probleme.

Was aber tun, wenn der Spieler zuviel "Turi und Tolk" gelesen hat oder sich der Falknerei hingeben möchte?

Grundsätzlich gilt, daß dem Abrichten der Kauf oder Raub des gewünschten Tieres, möglichst als Jungtier vorangeht (was schon Anlaß zu einem 1 zu 1 Abenteuer bietet).

Falken:

Dieser Wunsch kann, bei vorhandenem Kleingeld, relativ leicht erfüllt werden. Unabhängig von Falknereien einiger Adelssitze gibt es selbstständige Falkner (z.B. in Winhall und Norburg). Man kann entweder einen Jungfalken erwerben und selbst abrichten, in Winhall verlangt Ronald Raffzahn 35 GD dafür, oder kauft einen fertig abgerichteten Falken für nicht unter 80 GD. Seriöse Falkner betonen, daß das Tier sich umso leichter an den neuen Herrn gewöhnt, je länger er sich am Abrichten beteiligt.

Falken legen ihre Eier im Peraine oder Ingerimm. Nach 4-5 Wochen können sie verkauft werden (sollte der Held sein Jungtier in der freien Wildbahn besorgen wollen, muß er bis ca. 5 Wochen nach dem Schlupf warten). Die Ausbildung des Falken dauert 1 1/2 Jahre. Als Käufer sollte man sich das letzte halbe Jahr daran beteiligen. Beherzigt der Käufer den Rat, bekommt er +4 Bonus auf alle Abrichten-Proben, die dieses Tier betreffen.

Das eigenständige Abrichten der Falken setzt TAW Tierkunde von 5 und TAW Abrichten von 6 vorraus. Es dauert mindestens 1 1/2 Jahre. D.h., daß der Held sich in dieser Zeit hauptsächlich mit dem Abrichten beschäftigen muß, davon das erste 1/2 Jahr so gut wie ausschließlich, damit das Tier nicht beim ersten freien Versuch davon fliegt. Wenn sich der Held mit dem Tier intensiv beschäftigt, gewährt der Meister auf alle Proben einen Bonus von bis zu 6 Punkten.

Der Falke ist ein ausgezeichneter Jäger und so sollte es dem Helden immer gelingen, etwas Eßbares in der Wildnis zu bekommen, für seinen Eigenbedarf und den des Tieres. Der Falke wird aber nur dann einen Feind des Herrchen auf Kom-mando angreifen, wenn das Herrchen es geschafft hat, durch viel Zuwendung eine intensive Beziehung aufzubauen. Dies gelingt in der Regel nur echten Vollzeit-Falknern, u.U. tun sich Elfen und Hexen leichter damit.


Adler:

Grundsätzlich kann man Adler nicht kaufen. Sie vermehren sich nicht in Gefangenschaft, so das eine Zucht ausgeschlossen ist. Wer das Abenteuer übersteht, einen Jungvogel aus dem Horst zu stehlen, der wird ihn nicht verkaufen (es sei denn mindestens 100 GD wechseln dabei den Besitzer).

See- und Königsadler sind nach allen vorliegenden Berichten völlig ungeeignet zum Abrichten. Selbst Jungtiere überleben eine Gefangenschaft höchstens 5 Monate und fliegen bei der ersten Gelegenheit davon.

Dem Firungeweihten Bofrost begegnete im Svelttal einst ein Fallensteller, der sich in Begleitung eines Bergadlers befand. Er notierte nach dem Gespräch: Harkun sagte, daß Tolmar (sein Adler) der treueste Freund sei. Allerdings seien sie auch schon seit 15 Jahren zusammen. Sein Vater habe ihn nach dem Tod seiner Mutter immer mit zur Jagd genommen. Als er 13 Jahre alt war, hatte sein Vater von einem Magier den Auftrag bekommen, so viele Adlerfedern wie nur möglich zu besorgen. Harkun: ÆDa der Verrückte soviel Geld zahlen wollte, wie mein Vater das ganze Jahr über nicht verdiente, nahm er den Auftrag an. Ich begleitete ihn ins Rorwhed-Gebirge, wo er einmal den Horst eines Adlerpaares entdeckt hatte. Der Horst war auch tatsächlich noch dort, jedoch hatte mein Vater vor dem Aufstieg nicht bedacht, daß Anfang Praios noch das Junge im Horst war. Er war noch 10 Schritt vom Horst entfernt in der Wand, da kam das Weibchen im Sturzflug, lautlos. Mein Vater war völlig überrascht und verlor durch die Wucht des Aufpralls den Halt. Er griff instinktiv nach den Fängen der Adlerhenne, beide stürzten in den Abgrund. Zwei Tage wartete ich an der Absturzstelle, wußte nicht, was tun. Dann fiel mir auf, daß in der ganzen Zeit das Männchen nicht aufgetaucht war. Ich wagte den Aufstieg, nahm das Junge und suchte viele Federn zusammen. Dann machten wir uns auf den Weg nach Tiefenhusen. Mit Mühe gelang es, den Adler zu füttern. Von dem Geld für die Federn konnte ich eine Weile leben und durch unser gemeinsames Schicksal war ich mit dem Adler eng verbunden. Wir sind seit den Tagen immer zusammen. Tolmar hat mir schon mehrmals geholfen. Zweimal flog er davon, aber er kam zurück, Ifirn sei Dank." - Soweit aus dem Bericht des Firungeweihten.

Es dürfte klar sein, wie schwierig es ist, einen Adler abzurichten. Ein Adler wird niemals auf Kommandos hören. Man kann sich mit ihm vertraut machen, mit sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Es bleibt dem Meister überlassen wieviel Zeit er dafür ansetzen will, es sollte jedoch dem Helden deutlich werden, daß es fast schon eine Lebensaufgabe ist und wenn sich Mensch und Adler tatsächlich Æangefreundet" haben, so wird das Tier für den Menschen das wichtigste werden, was er in seinem Leben besitzen kann.

Eine weitere Adlerart, grundsätzlich zum Gefährten geeignet, ist der Steppenadler. Diese Adler sind faul und gewöhnen es sich schnell an, bei dem menschlichen Freund auf der Schulter zu sitzen. Damit dies nicht zu ungewollten Verletzungen führt, empfiehlt es sich, die Schultern besonders zu polstern und zu schützen. Aber: Bis der Steppenadler seinen Eigensinn verliert, braucht es auch ein halbes Leben! Bis dahin nervt er mit Betteln!


Geier:

Unter den Vögeln gelten Khom- und Gorischer Schwarz-Geier gemeinhin wenig. Ihr unsympatisches Aussehen und die etwas eigenen Nahrungsvorlieben gruseln jeden ehrbahren Falkner. Eine der wenig bekannten Spezies dieser Gattung kennen die Zwerge am besten: Den Elfengeier.

In gebirgichten Höhen der Zwergengebirge lebt dieser Vogel. Ihm kann man Gerissenheit nicht abstreiten. Statt wie normale Geier tote Tiere zu suchen, führt er seine schmackhaften Todesfälle gerne selbst herbei. Dabei segelt er von hinten unauffällig an seine Opfer heran, läßt markerschütternde Schreie los, klatscht mit den Flügeln und schubst noch soviel wie nötig, falls noch nötig. Er macht es genau dann, wenn sich die Beute auf Felsvorsprüngen, Graten u.ä. gefährlichen Orten aufhält. Bei dieser Gelegenheit sträuben sich dann noch grellbunte Nackenfedern hervor, so daß die Opfer völlig verschreckt in die Tiefe stürzen.

Beliebte Beute ist das Eisenwalder Langohrschaf der Angroschim. Die Zwerge schätzen ihr "Elfenohrschaf" sehr und haben es (wie Elfen vermuten, aus reiner Boßhaftigkeit) besonders dusselig gezüch-tet, damit es leicht zu fangen ist. Das nutzt der Elfengeier aus, was ihm bei den Zwergen seinen Namen eingebracht hat.

Die Elfen nennen ihn "Schlaugeier" und schätzen dieses Tier. Junge Schlaugeier verirren sich zuweilen in die Gefilde der Auelfen, wo sie schnell verhungern, weil ihre Art Broterwerb ohne Berge sehr schwer ist. Schlaugeier sind beim mehrtägigen Erschrecken von Schafherden in den Flußauen beobachtet worden, was ihnen jedoch nicht weiterhalf. Die erschöpften Tiere werden oft von Auelfen gefangen, liebevoll gepäppelt und wieder in die Berge gebracht. Manchmal entwickelt sich eine innige Beziehung, der Schlaugeier wird zum wahren Elfengeier. Er läßt sich dann z.B. als "Stöbervogel" abrichten. Der Vogel lernt, auf Zeichen hin seinem Herrchen Wild zuzutreiben. Oder er kreist über einer entfernten Beute und weist so den Weg zum Jagderfolg. Die Elfen berichten wahre Wundertaten dieser Vögel, die überdies sehr reinlich sind. Ein Geierfalkner ist selten als solcher zu erkennen, weil sein Vogel irgendwo in Blickweite über Ihm kreist. Noch etwas verbindet Elfen und Geier: beide erreichen ein sehr hohes Alter.


Sonstiges:

Falls die Helden ausgefallenere Wünsche haben, wie Schlangen oder Wollnashörner oder Schlinger, so ist ein Abrichten (bzw. Vertrautmachen) nur bei Tieren möglich, die mehr als MR -4 haben. Die MR ist ein Maß für die Intel-ligenz der Tiere. Es ist einfach unmöglich, Tiere, die ausschließlich instinktiv handeln, mit sich vertraut zu machen.


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