Darpatien in Not
Schergen Borbarads auf dem Vormarsch
Die Schreckensnachricht erreichte Rommilys zu finsterster Stunde: In der Nacht zum 10. Tsa kam ein erschöpfter Bote in die Capitale, der von der Invasion der verfluchten Dämonenhorden zu künden wußte. Das Bild, daß er zeichnete, war wahrlich düster:
In den frühen Morgenstunden des 4. Tsa hatten Untote bei Warunk mit Hilfe einer Schwimmbrücke über den Radrom gesetzt, konnten aber durch albernische Truppen zurückgetrieben werden. Doch Wesen, die halb Hummer, halb Mensch waren, entstiegen noch am selben Tag den Fluten. Die Albernier sahen, daß die Lage aussichtslos war und zogen sich in die Hügel zurück, die sie mit ihren Fußtruppen ebenso hielten wie die Kreuzung der Reichsstraße. Die Flußufer aber gehörten den Dienern Borbarads, die allerdings nicht nachsetzten. So erwarteten die Streiter des Reiches einen Ansturm, der nicht kam.
Am nächsten Tag nämlich überrannten wohl 1« Regimenter der schwarzen Horden die wenigen darpatischen Verbände in der Baronie Rechthag und fegten sie noch vor Mittag hinweg. Schnell marschierten die Angreifer weiter nach Ostenklotz, ohne eine Besatzung zurückzulassen. Das darpatische Heer aber ließ sich nicht zu einer offenen Feldschlacht reizen, wohl wissend, daß die Mauern Altzolls einen unschätzbaren Vorteil bedeuteten. Die zusammengezogenen Magier und Geweihten würden den Unholden schon zeigen, aus welchem Holz Darpatier geschnitzt waren!
Doch niemand hatte mit der Verschlagenheit und Bosheit des Feindes gerechnet. Der nämlich entfesselte einen Sturm, wie ihn der Osten des Reiches in Millenien nicht gesehen hatte. Der peitschende Wind, heulend wie die verdammten Seelen der Niederhölle, zerbrach die Mauern und zerstreute die Verteidiger, bevor er sich wie von Dämonenhand gelenkt nach Osten wandte. Dortens überraschte er die albernische Kavallerie, die gen Altzoll ritten, und zersprengte sie.
Am Morgen des 7. Tsa war die Stadt nur noch ein Bild des Jammers: die trutzigen Mauern geborsten, die Häuser dem Erdboden gleichgemacht, viele der Bewohner und Streiter von herabstürzenden Trümmern erschlagen oder schwer verletzt. Wohl an die sechs Banner Landwehr flohen in wilder Panik in die Trollzacken. Die Offiziere, die sich in den Weg stellten, wurden überrannt oder gar erschlagen.
Um die Katastrophe voll zu machen, erschien gegen Mittag der Heerzug Borbarads, den wenigen Verteidigern den Garaus zu machen. Cronfeldherr Boronian von Rabenmund, sich der Situation voll bewußt, sammelte in aller Hast, was er noch an Kriegern zur Verfügung hatte: Reiter der Elitegarde-Schwadron ÆHohenstein", Reiter aus Wehrheim, eine Halbschwadron des ÆOrdens des Silberfalken" unter Führung des Seneschalls Olvir Helgirson, die Reste der Miliztruppen, die nicht geflohen waren, dazu einige Geweihte und Magi. Der Bevölkerung gab er den Befehl, gen Westen zu fliehen, während er mit dem Heer versuchen wollte, dem Feind möglichst lang Widerstand zu leisten. Sodann ritt er gen Osten, doch ist seither keine Nachricht mehr von ihm gekommen. Es steht zu befürchten, daß sie alle den Opfertod für das Fürstentum starben.
Jedoch: ein Ende der Schrecken war noch nicht gekommen: Aus der Baronie Wettersklamm stiegen weitere Diener Borbarads herab und zielten mit einer raschen Attacke auf die Trollpforte, wo Schanzkompanien, fürstliche Gardetruppen und Landwehrbanner sich auf genau einen solchen Vorstoß vorbereiteten. Doch nur wenige Meilen vor dem Schlachtfeld, auf dem einst die Oger von den Kaiserlichen vernichtend geschlagen wurden, kam der Vorstoß zum Stehen.
Unter der Führung von Hauptmann Arve Wandrasen hatten Sappeure aus dem Kosch und Soldaten des XII. Darpatischen Gardebanners unter Bedeckung von leichter Reiterei aus der Mark Rommilys und trollzacker Miliz begonnen, vorgeschobene Verteidigungslinien am Fuße des Gebirges zu erreichen. Diesem Kontingent standen plötzlich borbaradianische Truppen gegenüber, die aber durch die provisorischen Gräben und Verhaue zunächst aufgehalten werden konnten.
Im nun abgeschnittenen Ost-Darpatien scheinen sich Dörfer und Weiler zumeist kampflos den Invasoren zu ergeben, da der Dämonenmeister es bis jetzt vermieden hat, nekromantische Rituale durchzuführen. Dies scheint die Landbevölkerung Glauben zu machen, daß die Berichte aus Tobrien nicht der Wahrheit entsprachen. Gefördert wird dieser Irrglaube noch durch die reservierte Haltung der Darpatier gegenüber ihrem östlichen Nachbarn, denn kaum jemand im Fürstentum nimmt Ædiese Memmen und Schafreiter" wirklich ernst. Vielleicht rächt sich dieser Hochmut in diesen Stunden, wenn der schwarze Schrecken über die Ebenen Altzolls vorrückt, nur ein Ziel vor Augen: Die Ogermauer zu nehmen, um weiter in das Herz des Neuen Reiches vorzustoßen: nach Gareth...