Hoffnung hat obsiegt!!!!
Bericht des Weibels Trollgrimm Heckenschleicher
Vier Monate nach dem Verschwinden des Vogtes Roderick von Rabenmund erreichte ein kleiner Troß recht abgekämpfter und erschöpfter Männer und Frauen das Kloster am Wolfskopf. Diese letzte Bastion der Dettenhofener Landwehr vor den feindlichen Linien wird seit der Schlacht um die Paßstraße von den dettenhofener Truppen unter Hauptmann Brecher gehalten. Durch die Blockade der Paßstraße ist es den feindlichen Truppen nur möglich, mittels waghalsiger Kletterparti-en weiter nach Westen vorzudringen. Für die Untoten ist dies schier unmöglich, mangelt es ihnen doch an Intelekt und Geschicklichkeit, dergleichen zu bewerkstelligen. Und die Söldner, die eine Überquerung der verschütteten Paßstraße wagen, sind ein leichtes Ziel für unsere Bogenschützen. Doch die Anspannung ist allzeit spürbar und um ein Haar wären auch die Flüchtlinge tragisches Opfer der eigenen Bogen geworden, wäre die Gruppe nicht geführt worden von einer mächtigen Wehrheimer Dogge: Reto, des Vogtes treues Tier!
Dies aber ist der Bericht des Weibels Trollgrimm Heckenschleicher, der damals auszog, an der Seite des Vogtes zu strei-ten und nunmehr auf dessen Geheiß eine Gruppe von Flüchtlingen in die Sicherheit jenseits der feindlichen Linien führte:
Einige Wochen und Monde ist es nun her, daß ich Vogt Roderick begleitete, um den Feind abzulenken und den Unsrigen den Rückzug ins Kloster Wolfskopf hoch über der Paßstraße zu ermöglichen. Es war ein schwerer Kampf und kaum einer der Freiwilligen kam ohne eine Verwundung davon. Und dennoch, trotz all der Übermacht, trotz des namenlosen Schrek-kens, welches dort in den Tiefen der Trollzacken nach unseren Leben gierte, gelang es unserer kleinen Gruppe, weiter in die Schluchten der Trollzacken zu fliehen. Wären nicht die getreuen Wehrheimer Doggen gewesen, so hätten wir es wohl kaum schaffen können, doch hielten die mächtigen Tiere die nachfolgenden Söldlinge des Feindes auf Distanz. Doch nicht ohne Verluste konnte uns die Flucht gelingen: Milizionär Alrik Hollerbusch, Hundeführer Frego Sattler, Hundefüh-rerin Mirca Hirthüter und auch die Dogge Amene fanden den Tod unter den Hieben der düsteren Schergen. Wir anderen aber konnten entkommen und flüchteten uns im Schutze der Nacht weit in die Gebirgszüge hinter den feindlichen Linien.
Seither war es unser Bestreben, den Feind zu schwächen, wo immer es uns möglich war. Einen offenen Angriff konnten wir aufgrund unserer geringen Zahl kaum wagen. Neben Vogt Roderick von Rabenmund und seinem treuen Tier Reto wa-ren Meister Wendgraben, der Magus der Combativa, der Wundarzt Meister Geißlin, der zwergische Schanzer Rogulf, Sohn des Gurgald, drei der Hundeführer und vier weitere Wehheimer Doggen, fünf Landwehrmilizen und meine Wenig-keit dem sicheren Tode entronnen. Auf Geheiß des Vogtes verlegten wir uns auf Angriffe aus dem Hinterhalt. Meist wa-ren es Spähtrupps der finsteren Horden, welche in unsere Fallen tappten. Und nie wurde einer am Leben belassen, so uns diese Daimonenknechte vor die Schwerter kamen! Zweimal gelang es uns gar, einen größeren Nachschubtransport aufzu-reiben und so die Versorgung des Feindes an der Front zu unterbrechen!
Nie habe ich Vogt Roderick derart erlebt. Sicher, ich kannte ihn von den Jagden her, wo er unerbittlich seiner Beute nachsetzte und auch keine Skrupel kannte, wenn es sich dabei um streunende Wegelagerer oder die verhaßten Trollzak-ker handelte. Doch nun, unerbittlich, ja das war er sicherlich, doch merkwürdig leidenschaftslos zudem. Er tötete seine Feinde ohne das geringste Zeichen der Genugtuung, während wir anderen einen jeden Sieg feierten, als hätten wir über den Dämonenpaktierer höchstselbt triumphiert. Oft sah ich ihn allein am Rande unseres Lagers sitzen, nur Reto an seiner Seite, wie im Stummen Zwiegespräch. Ich weiß nicht, welche Last auf seinen Schultern drückte, welch Ungemach seine Seele peinigen mochte, daß er so voller Schwermut war. Doch wenn es darum ging, dem Feinde aufzulauern, immer neue Hinterhalte und Fallen zu bereiten, da war er stets der kühle berechnende Feldherr, und nicht einmal hat seine Strategie versagt.
Vor gut zwölf Tagen war es, da erkundeten Jelka (eine der Hundeführerinnen) und ich die nähere Umgebung unseres neuen Lagers, als wir in einem Talkessel auf Baracken des Feindes stießen. Bei näherer Erkundung stellte sich heraus, daß es sich hierbei um ein Vorratsdepot handelte. Zudem schien eine größere Zahl von Gefangenen dort eingesperrt zu sein. Zurück im Lager berichteten wir von unserer Entdeckung. Von der Größe der feindlichen Stellung ließ sich auf eine recht stattliche Zahl von Söldlingen schließen - zu viele, um sie zu überrennen. Doch die Gefangenen, vermutlich Flücht-linge aus Tobrien oder den östlichen Baronien Darpatiens, ließen uns letztlich keine Wahl. Dabei war die Lage durchaus schwirig, denn der Talkessel war schwerlich für einen Hinterhalt geeignet und die Schergen waren uns vier bis fünffach an der Zahl überlegen. Zu unserer Erleichterung waren es wenigstens Gegner, welche eines natürlichen Lebens waren und keine untoten Kreaturen.
Des Vogtes Plan war so einfach, wie riskant: Im Schutze der Dunkelheit wollten wir uns an das feindliche Lager heranpir-schen, die Wächter überwältigen und so viele Feinde noch im Schlafe töten, wie es uns möglich sein würde. Rogulf und Meister Geißlin kam dabei die Aufgabe zu, die Gefangenen derweil zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Im Kampfe würden sie uns kaum eine Hilfe sein können, waffenlos und zudem durch die Gefangenschaft entkräftet.
In der folgenden Nacht war es soweit. Die Götter waren uns wohlgesonnen, denn es gelang uns, die Wachen recht laut-los zu überwältigen und unser blutiges Werk zu beginnen. Wie Berserker fielen wir über die Schlafenden Söldner her und ohne Gnade, ohne Skrupel gingen unsere tödlichen Hiebe auf sie hernieder. All das, was im folgenden Geschah, nahm ich wie durch einen blutroten Nebel wahr. Der Kampf währte lang, sehr lang. Als der Morgen mit seinen ersten trüben Licht-strahlen den Schauplatz erhellen ließ, da war das Lager übersäht mit den Leichen unserer Feinde. Nicht ein einziger hatte unserer blutigen Rache entkommen können! Doch auch auf unserer Seite gab es Verluste zu beklagen. Waldo und Bertil, zwei der Milizen, der eine wahr früher Fuhrknecht, der andere arbeitete auf seines Vaters Hof, sie lagen in ihrem Blute. Und auch Jelka hatte ihr Lebenslicht ausgehaucht. Seit an Seit lag sie neben ihrer treuen Dogge, die mit ihr in den Tod ging. Rogulf und Meister Geißlin war es indes gelungen, 28 Gefangene aus ihrem Martyrium zu befreien und wohlbehal-ten aus der Gefahrenzone zu verbringen. Nun aber waren die Künste des Wundarztes dringend bei den unsrigen benö-tigt. Meister Wendgraben hatte eine Kopfverletzung erlitten, die ihn für eine Weile noch außer Stande stzen dürfte, seine magischen Künste anzuwenden. Und Vogt Roderick war schwer verletzt worden, als der Anführer der Söldlinge - tödlich verwundet bereits - ihm seinen Säbel in den Leib stieß. Wir anderen trugen zwar auch einige Blessuren davon, doch war nichts ernstes darunter.
Doch trotz seiner tiefen Wunde schickte der Vogt nach mir, auf daß ich meine Befehle von ihm erhalte. Mich wählte er aus, die befreiten Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen, sie zu führen zum Wolfskopf. "Höre, Trollgrimm, ich gebe Dir Reto mit auf den Weg," so waren seine Worte, " er wird den rechten Weg weisen und Euch vor Gefahren rechtzeitig warnen können. Wir übrigen aber werden den Kampf fortführen. Wendgräben, Geißlin, Rogulf, Ludger, Harnika und die drei Hunde, Alrina, Semper, Gonlin und ich, das macht 12, kein schlechtes Omen, meinst Du nicht? Sag' den Unsrigen, es be-steht Hoffnung, wir werden obsiegen, an der Front und hinter der Front! Und nun geh' und bring die Leute in ihre neue Heimat!"
Nun, ich tat, wie mir geheißen und es gelang uns, den Feind zu umgehen und den Wolfkopf sicher zu erreichen. Reto hat uns wacker geführt. Mögen die Götter die Kameraden hinter den Linien beschützen! Mögen sie Vogt Roderick auch wei-terhin wohlgesonnen sein! Unser aller Leben, unsere Zukunft steht auf dem Spiel, doch solange es Menschen wie Vogt Roderickl von Rabenmund und die tapferen Kämpfer an seiner Seite gibt, bleibt uns die Hoffnung!