Wahrer Bote

TRA 12 Answin

Das Motto des Mondes:

Liegt der Fuchswelp unter der Erde,

es fürs Reich bald besser werde.

Geht der Kanzler auch noch dahin

Hat das Leben wieder Sinn ...


Der König ist tot, lang lebe der Reichskanzler! So oder ähnlich hätte es auf Burg Mersingen heißen können, nachdem der Leichnam Brins den versammelten Adeligen gezeigt worden war.

Ein Staatsstreich besonderer Güte: Zuerst sorgten Herzog Jast Gorsam und sein Sohn, der machtgierige Reichskanzler, dafür, daß die Nordmärker Truppen zu spät zur Entscheidungsschlacht wider den Dämonenmeister und Menschenschinder kamen. Angeblich, weil ein altes Gesetz sie davon abgehalten habe, den Kosch zu überschreiten. Man darf spekulieren, wieviele wackere Soldaten im Kampf gegen den Erzbösen ihr Leben lassen mußten, weil die versprochene Waf-fenhilfe nicht kam. Überliefert ist der Ausspruch der darpatischen Hauptfrau Jandriga Gänsetreu: "Ich wollte es werde Tag oder die Nordmärker kämen." Sie kamen nicht, die Hauptfrau und ihre tapfere Schwadron fanden einen schrecklichen Tod durch das Dämonenheer!!!

Aber das war nur der Auftakt für einen perfiden Plan. Vor den versammelten Edlen des Reiches, viele davon sichtlich schockiert durch ihre Erlebnisse in der Schlacht, riefen die beiden Nordmärker Emer zur Regentin aus. Unterstützt wurden sie dabei von Herzogin Walpurga und Herzog Bernfried Ohneland.

Die Fürstin Darpatiens wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die Nordmärker berufen sich auf ein altes Gesetz, wonach die Fürsten nichts als Statthalter ihres Königs seien und über so gewichtige Angelegenheiten nicht mit zuentscheiden hätten. Zwei der ältesten Familien des Reiches - die Ebenstamms und die Rabenmunds - wurden schändlich brüskiert. Fürst Blasius, der selbst nicht auf Burg Mersingen weilte und dessen Vorfahren von Kaiser Raul selbst belehnt worden waren, wird nun zeigen müssen, ob er sich tatsächlich ausschließlich für die Jagd interessiert oder für die Belange seiner Provinz.

Es ist schon bemerkenswert: die Familie vom Großen Fluß hat es in wenigen Jahren weit gebracht:

Zuerst stellen sie mit dem Herzog den höchsten Reichsrichter, dann führt der betrügerische Bruder ein Kirchen-schisma der Praioskirche herbei. Ja, der nordmärkische Herzog wagt es gar, die Klinge gegen den wahren Boten des Lichts höchstselbst zu erheben, als er seine Schandklinge gegen einen seiner Statthalter auf Deren, den neu ernannten Großinquisitor Rapherian von Eslams-hagen führt. Wurde diese Bluttat verfolgt? Nein! Brin sah diesem Frevel nur zu.

Jast Gorsams Sohn wird zum Reichskanzler ernannt, das Schisma wird beigelegt und niemand zur Rechenschaft gezogen. Und nun, nach dem mysteriösen Tod Jariels, stellt die Familie auch noch den Boten des Lichtes. Sollte es nicht alarmierend in unseren Ohren klingen, daß ausgerechnet dieser jahrelang behauptete, es sei Praios' Wille, daß beide Szepter, das der Kirche und das des Reiches, wieder in eine Hand gehörten?

Dexter Nemrod, lange der Puppenspieler im Machtgefüge des Reiches, ist nach und nach von dem nordmärker Trio kaltgestellt worden.

Und nun versuchen sie mit Hilfe der einfältigen Walpurga und dem ihnen hörigen Bernfried die letzten Hüter des Reiches zu entmachten.

Und Emer? Sie nimmt es hin, bedankt sich artig für die Unterstützung und läßt die nordmärkische Herzogsbrut schalten und walten, wie es ihnen beliebt.

Ganz unverblümt stellen die vom Großen Fluß ihre neugewonnene Machtfülle nun, da sie am Ziel ihrer gierigen Pläne sind, zu Schau. So wurde der tapfere von Hartheide, ein treuen Gefolgsmann SKM Answins, den Borbarad in seine Dienste gezwungen hatte, und der gekommen war, um dem Reich durch die Kunde, die er von den dunklen Horden hatte, einen unschätzbaren Dienst zu erweisen, trotz zugesichertem freiem Geleit durch den obersten Richter zum Tode verurteilt.

Sollte da vielleicht ein unerwünschter Mitwisser beseitigt werden?

Adelige und Bürger des Reiches! Schon scheint es zu spät, diesem Geschlecht von machtgeilen Emporkömmlingen das Handwerk zu legen.

Aber, treue Untertanen und Hüter des Reiches, wehrt Euch.

Wehrt Euch, bevor alles zu spät ist, bevor unser geliebtes Reich durch Geschmeiß wie diese Nordmärker zugrunde gerichtet wird.

Wehrt Euch, bevor das Chaos unter der Maske derer vom Großen Fluß das Reich mißregiert.

Mit großer Bestürzung hat SKM Answin die Nachricht vom Tode des Wahren Boten des Lichtes, Jariel Helio-dan, vernommen.

Das Reich hat einen seiner letzten Hoff-nungsträger verloren. Nun sind dem falschen Boten Hilberian Tür und Tor geöffnet, seine verderbten Lehren unter das Volk zu bringen. Er, der Häretiker, der die Kirche unseres Herrn Praios leichtfertig in eine Spaltung trieb, hat sich nunmehr an die Spitze des Praioskultes aufgeschwungen.

Ungewiß, ja mysteriös sind bislang die Umstände unter denen der erhabene Jariel verstorben ist. So munkelt man von düsteren Heimsuchungen und daimonischen Erscheinungen in jener letzten, schweren Stunde. Ja, es heißt sogar, der Bote des Lichts habe selbst Hand an sich gelegt, um sich vom Leben zum Tode zu befördern.

Dazu Anselm Horninger, ein Vertrauter des Wahren Boten des Lichtes und erstes Opfer der Macht-polititik des Emporkömmlings:

"Welch frevelhafte Behauptung. Nie hätte Seine Erhabenheit solch eine Sünde wider sich und den Herrn begangen. Wer so etwas behauptet, der lügt in Praios Angesicht. Unheilig, unheilig, unheilig!"

Wir sind geneigt, uns die Meinung dieses profunden Kenners zu eigen zu machen und stellen zugleich die unbequeme Frage: Wenn aber die Schergen Hilberian Praiofolds zu solchen Unwahrheiten greifen, liegt die Frage auf der Hand: Warum? Cui bono?

Sollte es etwa so sein, daß es dem designierten Nachfolger Jariels nicht schnell genug ging mit dem Ableben Seiner Illuminiszenz? Hat da vielleicht jemand nachgeholfen und versucht, die Tat durch ungeschickte Lügen zu bemänteln? Ist es wirklich Zufall, daß einmal mehr die Familie vom Großen Fluß in diese Vorgänge verwickelt ist?

Wir versprechen unserer Leserschaft am Ball zu bleiben!

Zu einem Eklat kam es unlängst im Palast zu Punin:

Die designierte Herrscherin Rohaja, offenkundig arg strapaziert durch das höfische Zeremoniell, das die junge Dame seit Wochen in ein enger werdendes Korsett schnürt, hat sich unerlaubt aus dem Palast entfernt, um mit dem nova-dischen Hairanssohn Daud ben Shadif, Sohn des bekannten novadischen Pferdehändlers, „spazieren zu gehen“. Rohaja hatte den Jüngling, einen berüchtigten Tunichtgut und Mägdeverführer, auf einem Ball anläßlich ihrer Krönung zur Königin von Almada kennengelernt.

Eine Hofdame berichtet: „Schon den ganzen Tag hatte Rohajalein ihr Mäulchen verzogen. Es ist ihr aber auch schwer angegangen in den letzten Wochen, die ständige Herumreiserei, all die Audienzen, Defilees und Bankette. Ganz zu schweigen von diesen endlosen Krönungen. Und alles in diesen steifen, zeremoniellen Gewändern, die ihr eh' so schlecht stehen.

Na, die Königin, Verzeihung, die Reichsregentin ist aber auch nicht gerade zimperlich mit der Kleinen umgesprungen, nicht einen Laut der Klage hat sie zugelassen, immer nur Zurechtweisungen, daß die Kleine den Tränen oft nahe war. Aber sie hat sich nicht getraut zu weinen, sie wußte ja, was ihr dann blüht. Ganz neidisch war sie auf Yppolita, die durfte nämlich frank und frei herumstreifen. Ich glaube, das Kind hat mehr als einmal verwünscht, daß es sich bei der Geburt vorgedrängelt hat ...

In Punin war es dann mit ihrer Fassung vorbei. Keinen Bissen hat sie beim Bankett herunterbekommen. Dabei gab es diese leckeren Dotzen. Ganz bleich war sie und kaum zugehört hat sie den Leuten. Das waren aber auch Schranzen und Speichellecker.

Schließlich, es war höchstens neun, wollte sie sich entschuldigen. Aber das ging nicht, es galt ja noch zu tanzen. Und jeder wollte mit der kleinen Königin, damit er später mal was zu erzählen hat. Mir war selbst ganz jammerelend zumute, als ich die Kleine so leiden sah. Ich habe die Regentin noch angesprochen, huh, das hätte ich lieber gelassen, so wütend war die. Ich hab den Kopf eingezogen und dafür gesorgt, daß Rohajas Lieblingsnaschwerk und ihre Puppe auf ihrem Bett bereitliegen.

Dann, so gegen Mitternacht, gab es eine Riesenaufregung. Die Kleine war einfach verschwunden. Und keiner hat gewußt wohin. Die Leibwächter nicht, die Gäste nicht, na, das war ein Aufruhr, sag ich Euch. Man hat sie dann suchen lassen, und wo war das kleine Luder? Hatte sich in einem günstigen Moment davongemacht, mit so einem Wüsten-hallodri. Der muß ihr ordentlich Honig ums Maul geschmiert haben, denn als die Wachen die beiden im Park fanden, da waren ihre Bäckchen ganz rot und das Haar strubbelig. Sogar das Diadem von ihrer Großmuhme hatte sie verloren. Na, ich kann euch sagen, die Emersche, äh, die Regentin, die hat ganz schön geschluckt. Wie eine Furie ist sie umhergefegt. Hat dem Bengel doch tatsächlich eine Silbergabel – was anderes war zum Glück nicht parat – an die Kehle gehalten. Einer der Leibwächter mußte sich dazwischen werfen, sonst wäre womöglich noch Blut geflossen. Und das hätte sicher Folgen gehabt, der Vater von dem Knaben ist immerhin auch wer in seinem Wüstenreich. Rohajalein hat in jedem Fall Stubenarrest bis ins Dorthinaus. Das arme Ding.“

Soweit der Bericht von Effer-dane Siebenstein, Zofe.

Eine offizielle Stellungnahme des Palastes wurde uns verweigert. Wir dürfen annehmen, die Reichsregentin war nicht erfreut.

Es ist ein Skandal! Wieder einmal sorgen die garether Büttel für Unbill auf ganzer Linie. So flatterte den Rommilyser Falken und Darpatia Rommilys jüngst ein Wisch aus der Kanzlei für Gestech, Scharmützel und allerlei Kurtzweyl ins Haus, in dem sie dazu aufgefordert werden, das alljährliche Scherflein von ihren Einnahmen abzuliefern. "Das ist eine Riesenschweinerei!" so Ingold Bjernarsson, Trainer der Falken. "Unsere Jungs und Mädels sind fast alle im Feld und schützen die Grenzen. Seit Monden finden keine Spiele mehr statt, also auch keine Einnahmen. Und diese Laffen fordern allen Ernstes den selben Salär, als wäre hier alles wie immer. Das ist einmal mehr ein Beweis, wie uns die Garether Beamtenschar fertig machen will. Die haben es wohl immer noch nicht begriffen, daß hier Krieg ist, diese Polsterstuhl-puper!" donnerte der sym-pathische Thorwaler aufgebracht.

Besonders pikant: Beide Mannschaften stellen ihr Stadion als Notunterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung. Sollen die künftig Eintritt dafür bezahlen, wenn es nach den Garethern geht?


Bobbo der Oger empfiehlt:


Der gesamte Erlös aus dem Verkauf des Wahren Boten geht an die Stiftung T.O.B.R.I.E.R. (Stiftung zugunsten Toter, Opfer, Besessener, Reichsvertriebener, Invalider, Emigranten und Raidris Kindern des B-Krieges). Zeigt auch Ihr Euer Herz. Kauft den Wahren Boten und helft damit, das Leid des Krieges zu lindern! Der Wahre Bote sagt Danke!

Zum Glück hat mir mein Mann, bevor er in die Schlacht zog, noch dieses hübsche Geländer geschmiedet ...


Kommentar von Graf Paske von Roßhagen:

Was gibt es da noch viel zu sagen: Den ebenso machtgierigen wie durchtriebene Emporkömmlingen vom Großen Fluß scheint alles gelungen zu sein: Endlich ist Brin aus dem Weg geräumt und die Kindkaiserin auf den Thron gehievt. Das Amt des obersten Praiosdieners befindet sich in ihrer Hand,desgleichen das des Reichskanzler. Die nordmärkische Hausmacht ist als einzige unbehelligt aus dem Krieg gegen B hervorgegangen, die Fürsten sind entmachtet - nichts steht mehr zwischen den Nordmärkern und der Macht. Und der versammelte Adel, Reichsregentin inklusive, glotzt nur blöde. Und wer das nicht tut, sondern aufbegehrt gegen die unerträgliche Machtübernahme, der wird von der Reichsregentin höchstpersönlich gedeckelt. Nun, wie sagt man so schön: Flinke Klinge, langsamer Verstand.

Hieß es nicht einstens, nie wieder soll es so werden wie bei Answin (SKM möge entschuldigen, daß ich mich auf das wirre Niveau der Reichler hinab begebe), der das Vertrauen des Laffenkaisers Hal ausgenutzt haben soll? Herzlichen Glückwunsch, meine Damen und Herren, daß Ihr noch nicht einmal Euren eigenen Überzeugungen folgt und aus der Vergangenheit lernt. Ihr nennt SKM Answin einen Verräter und Treuebrüchigen? Wartet nur ab, wenn der falsche Kanzler loslegt. Wer Dexter Nemrod kaltzustellen wußte, der wird mit den anderen Schranzen kaum ein Problem haben. Die allerdings mit ihm schon. Aber jubelt nur weiter dieser Hundsfott zu. Geht weiter auf eine Krönung nach der anderen, und laßt euch von dem falschen Glanz einwickeln, statt die Augen aufzumachen. Ewig wird die Quittung für soviel Blindheit nicht auf sich warten lassen.


Zurück zum Wahren Boten

Linie

Wegweiser Startseite eMail